2026-03-25T14:09:28.761Z

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Marienborner retten Zuschauer das Leben

Medizinischer Notfall beim 1:2 gegen Eintracht Bad Kreuznach +++ Jonas Hofmann erst Retter und dann Torschütze

von Torben Schröder · Heute, 19:27 Uhr · 0 Leser
Jonas Hofmann (links) wird das Spiel gegen Bad Kreuznach so schnell nicht vergessen.
Jonas Hofmann (links) wird das Spiel gegen Bad Kreuznach so schnell nicht vergessen. – Foto: Keita Sugawara (Archiv)

Die Serie ist gerissen. Nach acht Verbandsligaspielen ohne Niederlage musste sich die TuS Marienborn der SG Eintracht Bad Kreuznach 1:2 (0:2) geschlagen geben. Viel wichtiger als das Sportliche: Zwei Marienborner betätigten sich als Lebensretter.

Nach 72 Spielminuten kippte ein Zuschauer aus dem Marienborner Anhang plötzlich nach vorne um und musste wiederbelebt werden. TuS-Spieler Jonas Hofmann und Dr. Niklas Grimm, Interimstrainer in Walldorf, zur neuen Saison Cotrainer in Marienborn und im Hauptberuf Zahnarzt, leisteten erste Hilfe. Dass sie dabei rasch auch einen Defibrillator einsetzen konnten, rettete dem Zuschauer letztlich das Leben, wie Grimm schildert. Als der Mann auf der Trage in den Rettungswagen geschoben wurde, brandete Applaus auf – und er winkte zurück.

Noch während der längeren Behandlung im Rettungswagen wurde das Spiel unter dem Einverständnis beider Mannschaften fortgesetzt. Und Jonas Hofmann, der direkt nach dem Spiel verständlicherweise keine Fragen beantworten mochte, sorgte mit einer Direktabnahme aus dem Rückraum (88.) für Spannung. Auf das 1:2 hätte gut und gerne noch der Ausgleich folgen können, doch die TuS scheiterte an ihrer eigenen Chancenverwertung.

SGE-Kapitän Deniz Darcan hatte den Weg bereitet. Erst traf er nach David Molnars Dribbling (7.). Und dann, spektakulär mit einem perfekten Fallrückzieher, nach Levi Mukambas Flanke (24.). „Ich dachte erst, der Ball war zu hoch“, sagt der SGE-Kapitän, „aber dann habe ich ihn gut getroffen.“

Marienborner nutzen ihre Chancen nicht

Das gelang den Marienbornern eher selten. Vielleicht, sinniert Cotrainer Timm Belz, haben die Turbulenzen bei den Kreuznachern seiner Mannschaft etwas den Fokus genommen. „Wir können allerdings auch mit 2:2 in die Halbzeitpause gehen, und dann wird es ein ganz anderes Spiel.“ Nach gut einer Stunde ließen Tarek Schwiderski und Meikel Melament mittig freigespielt kurz nacheinander dicke Chancen liegen. Und quasi mit dem Schlusspfiff, in einer anhaltenden Marienborner Drangphase, köpfte Philipp Quint den Ball genau auf Felix Basting.

Zwischen den beiden Darcan-Treffern rettete der Eintracht-Keeper schon zweimal im direkten Duell mit dem künftigen Hüffelsheimer Luka Baljak. „Ein hart erkämpfter Sieg“, strahlt Basting, der nach Darcans Auswechslung die Kapitänsbinde trug. „Dass wir am Ende nur noch defensiv stehen, Zweikämpfe führen und lange Bälle schlagen, ist in unserer Situation normal. Der Sieg ist ein Verdienst der ganzen Mannschaft.“

Spreitzer zufrieden, Darcan kritisch

Das deutliche Chancenplus hatte die TuS. Wurscht, denkt sich SGE-Interimstrainer Mario Spreitzer: „Die Mannschaft hat ein anderes Gesichts gezeigt. Im Training hat sie viel mitgemacht, das sie so noch nicht hatte. Das haben wir dann 60, 70 Minuten lang umgesetzt.“ Die Klassenkampf-Tugenden, Mann gegen Mann, waren Spreitzer wichtig: „Wir sind im Abstiegskampf und haben über den Kampf zum Spiel gefunden. Das war das Wichtigste.“

Spreitzer kündigt an, dass er bis zum Saisonende an der Seitenlinie stehen wird – außer, es findet sich ein neuer Trainer, der jetzt schon einspringen kann und auch kommende Saison bleibt. Nur noch Spieler und nicht mehr Cotrainer ist Darcan. Zur Trainerfrage „möchte ich mich ungern äußern“, sagt der Doppelpacker. Und merkt dann an: „Thorsten hat eine hervorragende Arbeit geleistet. Die Entscheidung wurde seitens des Vorstands getroffen, und das aus meiner Sicht in einer sehr unglücklichen Phase.“

Molnar sieht die Rote Karte

Die drei Punkte, betonen Darcan und Basting unisono, waren für die Mannschaft enorm wichtig. So bleibt die SGE oberhalb der Abstiegszone. Beim Klassenkampf fehlt mindestens kommenden Samstag bei Spitzenreiter Mechtersheim David Molnar, der sich wegen groben Foulspiels die Rote Karte einhandelte (87.). Ihren Platz als Fairplay-Tabellen-Schlusslicht verteidigt die Eintracht auch im Spiel eins nach der Ära Effgen.

TuS Marienborn: Baka – Hofmann, Beck, Kohns (46. Breier) – Hornetz (57. Quint), Serratore, Schwab, Schwiderski (62. I. Fakovic) – Markiefka (46. Melament), Kersthold (46. Huth), Baljak.

Eintracht Bad Kreuznach: Basting – Langer, Blenske, Pflüger, Cinar – Schäfer (90.+3 Wingenter), Molnar – Mukamba (75. Kurpejovic), Sinanovic (85. Rastiello), Willrich (62. Rieß) – Darcan (90.+4 Heinrich).