– Foto: Marcel Minar

Made in Sonneberg: Der spielende Torwart

Not macht bekanntlich erfinderisch. Doch wirklich neu ist die Idee einen Torwart als Feldspieler aufzubieten beim 1. FC Sonneberg 2004 nicht. Das Modell ist in personell angespannten Zeiten schon seit Jahren in der Spielzeugstadt hoch im Kurs.

Brian Gheorghiu, Lukas Heß und neuerdings Julian Held machen nicht nur als Torwart sondern auch auf dem Feld eine gute Figur. Der Letztgenannte kommt diese Saison schon auf zwölf Einsätze in der Landesklasse, wobei er nur drei Mal auf seiner angestammten Position als Torwart agierte.

Gemeinsam mit dem angesprochenen Lukas Heß und Kapitän Hannes Schreck ist Julian Held der einzige FC-Akteur, der bisher in allen Partien beteiligt war. Dass er dabei zwischen Tor und Feld wechseln muss, stellt für ihn kein Problem dar. „Ich war es aus dem Nachwuchs bereits gewohnt draußen zu spielen. Deswegen war es für mich nichts Neues“, sagt der 18-Jährige.

Das Fußballspielen lernte der in Lichtenfels geborene Held beim 1. FC Redwitz an der Rodach. Mit dem Wechsel über die Thüringer Landesgrenze fand zeitgleich der Wechsel ins Gehäuse statt. „Da war ich 13 Jahre. Wir hatten keinen Spieler, der ins Tor gehen wollte. Ich habe es mir zugetraut und wollte es ausprobieren. Und dann habe ich ziemlich schnell Spaß daran gefunden“, beschreibt der Sonneberger Allrounder seinen fußballerischen Weg in den Kasten. Bereits in der Vorsaison feierte er mit gerade einmal 17 Jahren schon sein Debüt für den 1. FC 2004 in der Thüringenliga. Sechs weitere Einsätze in der höchsten Spielklasse des Freistaates folgten - allesamt im Tor. >> zum FuPa-Profil von Julian Held

In der laufenden Spielzeit musste Ronny Röhr wieder kreativ werden. Viele verletzte Spieler lassen aktuell den Kader der Sonneberger auf ein Minimum schmelzen. War zu Saisonbeginn Lukas Heß noch als Zielspieler im Sturm aktiv, stand der 31-Jährige zuletzt fünf Mal in Folge im Kasten. Seine Bilanz: Drei Siege, zwei Unentschieden bei gerade einmal zwei Gegentoren. „Lukas ist aktuell sehr gut drauf und deshalb besteht kein Zwang etwas im Tor zu verändern. Und ich bin flexibel und konnte zuletzt der Mannschaft auf dem Feld helfen“, beschreibt Julian Held die Torwartsituation in Sonneberg. Und weil Ronny Röhr die passende Position für ihn auf dem Feld fand, sind sowohl Lukas Heß als auch Julian Held aktuell glücklich. Meist agiert er auf der rechten Außenbahn. „Da kommt meine Schnelligkeit und auch meine Abschlussstärke ganz gut zur Geltung“, beschreibt der Youngster seine Stärken.

In den letzten drei Wochen trainierte er deshalb auch mehr als Feldspieler, denn als Torwart. „Wenn wir mal nur zwei Torhüter im Training sind, dann stelle ich mich auch in den Kasten. Aber zuletzt war ich mehr auf dem Feld unterwegs“, so der 18-Jährige. Und das machte Held bravourös und steuerte seine ersten beiden Landesklasse-Treffer bei. Am letzten Wochenende erzielte er den wichtigen Ausgleich gegen Gotha. „Kurioserweise habe ich beide Tore mit meinem schwachen linken Fuß erzielt. Gegen Gotha fiel ein Standard vor meine Füße und ich habe einfach abgezogen“, erinnert er sich an das 1:1 letzte Woche.

Wohin die Reise für Julian und den 1. FC Sonneberg 2004 diese Saison geht, bleibt abzuwarten. Mit jugendlicher Gelassenheit formuliert er seine Ziele: „Wir wollen weiter oben mitspielen. Mal sehen, was dann am Ende da steht. Und natürlich will ich mich weiterentwickeln - egal ob im Tor oder als Feldspieler.“ Ebenso wenig klar ist, wohin seine persönliche fußballerische Entwicklung in den nächsten Monaten geht. „Ich mache mir darüber keine Gedanken und lasse es auf mich zukommen. Ich habe kein Problem damit weiter auf dem Feld zu agieren“, sagt er dazu. Und so ganz ohne das Torwartspiel muss Julian Held auch nicht auskommen. Denn aktuell ist er zweigleisig unterwegs, weil er einmal die Woche bei den A-Junioren der SG Steinach/Sonneberg im Kasten steht. Seine berufliche Perspektive scheint im Gegensatz zu seinen fußballerischen Aussichten mit mehr Gewissheit behaftet. Er befindet sich im letzten Lehrjahr zum Zimmermann in einem kleinen Betrieb in Steinach und wird nach absolvierter Ausbildung übernommen.

Aufrufe: 023.11.2022, 15:00 Uhr
André HofmannAutor