Warum der Wintercup für Reinhold Breu so wichtig ist: „Ich kenne den Wintercup schon lange und bin froh, dass Frank und die Sauertaler an uns gedacht haben. Zwei Wochen vor dem Start in die Rückrunde können wir so zweimal auf hohem Niveau testen“, lässt der 55-jährige Fußballlehrer durchblicken. Am Sonntag spielt er mit der Jeunesse entweder gegen Ligakonkurrent Victoria Rosport oder den Regionalligisten TSV Schott Mainz.
Der frühere Spieler, spätere Nachwuchschef und einstige Coach der zweiten Garnitur sowie kurzzeitig im Jahr 2010 auch als Trainer der ersten Mannschaft des SVE tätige Breu trifft damit auf seinen Ex-Club, von dem er „immer noch Fan ist“. Emotional werde es am Samstagnachmittag aber nicht mehr, sagt er. Dafür sei seine Trierer Zeit, der sich unter anderem ein Jahrzehnt als Technischer Direktor des Luxemburger Fußballverbands sowie drei Jahre in gleicher Mission beim litauischen Verband anschlossen, schon zu lange her: „Die Bindung ist nicht mehr so eng. Bis auf ein paar Spieler wie Robin Garnier, Kevin Heinz und Dominik Kinscher kenne ich keinen aus der Mannschaft mehr persönlich. Es ist nicht mehr, aber auch nicht weniger für mich als ein Vorbereitungsspiel auf hohem Niveau, in dem wir schön gefordert sein werden.“
Jeunesse Esch, das „Schalke Luxemburgs“: Seit Sommer ist Breu bei der Jeunesse, die aufgrund ihrer ruhmreichen Vergangenheit und des lange Zeit industriell geprägten Umfelds auch als das „Schalke Luxemburgs“ bezeichnet wird. Als Trainer und darüber hinaus Verantwortlicher für den gesamten sportlichen Bereich trat der gebürtige Niederbayer an, um den Club nach turbulenten Jahren wieder in sicheres Fahrwasser zu führen. Mit 28 Meistertiteln ist Jeunesse nach wie vor der Rekordchampion im Großherzogtum. Die großen Zeiten sind allerdings schon eine Weile her: Das vorerst letzte Mal standen die Schwarz-Weißen 2010 ganz oben, und auch am finanziell so lukrativen Europacup hat man schon länger nicht mehr teilgenommen – genauer gesagt seit Sommer 2019.
Mit einem nachhaltigen Konzept will Breu, der von dem in Farschweiler im Hochwald lebenden Stephan Zwaag (früher unter anderem beim Luxemburger Fußballverband und im Nachwuchsbereich von Eintracht Trier tätig) als Co-Trainer unterstützt wird, der Jeunesse wieder ein festes Fundament verleihen. Vor allem setzt er dabei auf junge Luxemburger Spieler.
Der aktuelle sechste Platz in der BGL-Ligue ist das, was man sich in Esch auch vor der Saison in etwa vorgestellt hatte. An der Spitze steht wie gehabt der FC 03 Differdingen, dahinter Aufsteiger Atert Bissen, im vergangenen Jahr Wintercup-Zweiter hinter Rosport, das bislang als einziger Club an sämtlichen Turnierauflagen teilgenommen hat.
Vor dem, was sie schräg gegenüber der Wintercup-Spielstätte in Godendorf auf der anderen Sauer-Seite bei der Victoria leisten, hat der im Wittlicher Stadtteil Bombogen lebende Breu Respekt: „Was sie mit ihren eher bescheidenen Mitteln Jahr für Jahr schaffen, ist wirklich gut. Großen Anteil daran hat ihr Trainer Martin Forkel, den ich sehr schätze.“
Mit welchem Etat Breu auskommen muss: Als Tabellenzwölfter überwintern die Rosporter aktuell sechs Plätze und ebenso viele Punkte hinter der Jeunesse. Vom Spieleretat her vergleicht Breu seine Escher mit den Möglichkeiten in Rosport und beziffert ihn auf „ein bisschen unter 300.000 Euro“.
Im nächsten Jahr soll es nach seinen Vorstellungen schon etwas mehr sein: „Wir haben einige interessante Spieler, die andere Vereine im Blick haben.“ Dazu zählen mit dem früher auch bei Eintracht Trier ausgebildeten Leon Elshan (U21) und Liam Nürenberg (U19) auch zwei Luxemburger Junioren-Nationalspieler.
Bei einem Ex-Trierer ist der Knoten noch nicht geplatzt: In Konkurrenz zu ihnen steht mit Michael Omosanya ein weiterer früherer Eintrachtler, der in der Regionalligarunde 2022/23 22-mal für die Blau-Schwarz-Weißen zum Einsatz kam. „Er tut sich noch ein bisschen schwer. Ich hoffe, dass bei ihm in der Rückrunde der Knoten platzt und er mehr Tore als in der Hinrunde schießt (zwei, d. Red.)“, sagt Breu über den vierfachen Nationalspieler des Großherzogtums mit nigerianischen Wurzeln.
Von verbesserten (finanziellen) Rahmenbedingungen scheint auch Breus Vertragsverlängerung über den Sommer hinaus abzuhängen: „Ich fühle mich hier wohl. Im Februar setzen wir uns wieder zusammen. Dann wird es sicher noch konkreter.“
Bis dahin soll die Vorbereitung gelungen und der Start in den weiteren Saisonverlauf geglückt sein. Gute Auftritte beim Wintercup im Sauertal wären wichtige Schritte, um diese Ziele zu erreichen.
Info
Wintercup im Sauertal: Termine, Tickets und mehr
Dieser Mann zählt zu den Dauerbrennern des Wintercups: Andreas Luce ist seit der Premiere im Jahr 2015 dabei – ob als Organisator oder als Stadionsprecher. Stolz sind Luce, der zweiter Vorsitzender des Veranstalters SG Sauertal-Ralingen ist, und seine Mitstreiter auf die vielen klangvollen Namen, die in Ralingen und seit vergangenem Jahr wieder in Godendorf schon zu Gast waren. Einige Trainerpersönlichkeiten lassen die Herzen der Fußballfans höherschlagen, wie etwa der kürzlich bei Bundesligist Eintracht Frankfurt beurlaubte Dino Toppmöller, der 2017 mit F91 Düdelingen antrat. Mit der SV Elversberg nahm der heutige Werder-Bremen-Coach Horst Steffen am Wintercup teil. Fola Esch kam einst mit Jeff Strasser als Trainer – mittlerweile Nationaltrainer Luxemburgs. Neben dem sportlichen Wert ist den Sauertalern der karitative Zweck wichtig. Bei den bisherigen neun Auflagen wurden rund 30.000 Euro zugunsten der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz eingespielt. Das ganze Jahr über treten die mit einstigen Regional- und Oberligaakteuren gespickten „Kicker gegen Krebs“ für die gute Sache an. Am Samstag ab 17.30 Uhr bestreiten sie ein Einlagematch gegen frühere Nationalspieler Luxemburgs. Mit dabei sind dann unter anderem die Ex-Salmrohrer Peter Behr, Achim Eberhard, Uwe Heinsdorf und Karl-Heinz Kieren sowie die früheren Leiwener Bernhard Heinz und Bernd Thomas. Zuvor trifft Regionalligist Eintracht Trier ab 13 Uhr auf Jeunesse Esch aus der BGL-Ligue. Um 15.30 Uhr kommt es zu einem weiteren Duell zwischen einem Team aus der Eliteliga des Großherzogtums und der Regionalliga, wenn es Victoria Rosport mit Schott Mainz zu tun hat. Am Sonntag, 13 Uhr, wird das Spiel um Platz drei angepfiffen. Nach der Ziehung der Tombola-Lose (15 Uhr) findet ab 15.30 Uhr das Wintercup-Finale statt. Eintrittskarten gibt es nur vor Ort. Ein Einzelticket kostet sechs, die Kombikarte für beide Tage zehn Euro. Die SG Sauertal rechnet bei der zehnten Jubiläumsauflage insgesamt mit rund 500 Besuchern.