
Die Politik in Xanten befasst sich mit der Sanierung des Kunstrasenplatzes in Lüttingen. Wegen seines Zustandes muss er saniert werden, damit der SSV Rheintreu Lüttingen weiter darauf spielen kann, wie die Stadtverwaltung in den Unterlagen für die Beratungen erklärte. Die Kosten liegen schätzungsweise bei mehreren Hunderttausend Euro. Die Politik muss nun entscheiden, ob sie die Stadt mit der Sanierung beauftragt, auch wenn es keine Fördermittel dafür gibt. Außerdem muss sie entscheiden, ob die Stadt vom SSV Rheintreu Lüttingen verlangen soll, einen Teil der Kosten zu übernehmen. Das ist auch eine grundsätzliche Frage. Sollen sich Vereine an solchen Kosten beteiligen und wenn ja, mit welchem Anteil? Oder soll die Stadt die Kosten allein tragen, trotz einer angespannten Haushaltslage?
Über die Sanierung des Kunstrasenplatzes beriet am Dienstagabend der Sportausschuss in einer öffentlichen Sitzung im Rathaus. Das Gremium sprach sich dafür aus, dass der Kunstrasenplatz saniert und direkt auch die Flutlichtanlage auf LED umgerüstet wird, wie es die Verwaltung vorgeschlagen hat. Die Stadt soll dafür Geld einplanen. Außerdem sprach sich der Ausschuss dafür aus, dass sich der Verein nicht an den Kosten beteiligen soll, sondern dass die Stadt sie allein trägt. Das Gremium kann aber nur eine Empfehlung aussprechen. Die Entscheidung trifft der Stadtrat. Er befasst sich mit dem Thema in seiner Sitzung am 18. Dezember.
Außerdem solle die Flutlichtanlage auf LED umgerüstet werden, erklärte die Verwaltung. Diese Arbeiten sollten vor der Platzsanierung erfolgen, weil die Standorte der Flutlichtmasten mit schweren Arbeitsbühnen angefahren werden müssten und dann der neue Belag direkt beschädigt würde, wenn die Umrüstung auf die energieeffizientere Technik erst später gemacht werden sollte. Für die Maßnahmen solle die Spielpause im Sommer 2026 genutzt werden. Da die Sanierung des Kunstrasenplatzes „zeitkritisch“ sei, könne auf kein Förderprogramm gewartet werden. Ein Fachbüro schätze die Kosten auf knapp 400.000 Euro brutto plus 44.150 Euro Planungskosten.
Die Stadtverwaltung schlug der Politik vor, den SSV Rheintreu Lüttingen an den Kosten zu beteiligen. Bei vergangenen Sportfördermaßnahmen habe die Stadt den Vereinen einen finanziellen Eigenanteil in Höhe von 15 Prozent der Aufwendungen auferlegt, erklärte die Verwaltung. Das wären in diesem Fall knapp 60.000 Euro für den SSV Rheintreu Lüttingen.
Vor allem Heinz-Willi Kemkes (FBI) und Olaf Finke (SPD) sprachen sich dagegen aus, den Verein an den Kosten zu beteiligen. „Ich halte es für falsch, dass Vereine an den Investitionen in die Sportinfrastruktur beteiligt werden“, sagte Finke. „Die Vereine betreiben die städtischen Anlage, sie stellen sich in den Dienst der Gesellschaft.“ Wenn der SSV Rheintreu Lüttingen sich mit 60.000 Euro an der Sanierung beteiligen müsse, fehle ihm dieses Geld für seine Arbeit.
Kemkes hatte schon im Sommer in einem Antrag gefordert, die Erneuerung der Kunstrasenanlage in Lüttingen durchzuführen – „und zwar ohne Zuwendungen des Vereins“. Der SSV Rheintreu Lüttingen habe vor 15 Jahren, als die Anlage errichtet worden sei, schon 235.000 Euro der Gesamtkosten von 635.000 Euro übernommen – durch Eigenleistung, Spenden, Aktionen und Darlehen. Die Stadt habe damals 400.000 Euro gegeben.
In der Abstimmung schlossen sich vier Ausschussmitglieder der Meinung von Finke und Kemkes an. Da sich fast alle anderen enthielten, lehnte der Ausschuss mit sechs Stimmen eine Beteiligung des Vereins ab (bei 15 Enthaltungen und einer Stimme dafür). Aber einige Ausschussmitglieder hatten noch Beratungsbedarf signalisiert, und die Entscheidung fällt erst im Stadtrat.
Hintergrund Zu der grundsätzlichen Frage, ob und wie stark die Stadt die Vereine an den Kosten für Investitionen in Sportanlagen beteiligen sollte, sagte Theo Neu (SPD), dass es davon abhängig gemacht werden müsse, „was ein Verein zu leisten vermag“. Manche Vereine könnten eine Beteiligung von 15 Prozent stemmen, andere aber nicht. Er sprach sich für Förderrichtlinien aus und dass auf die „Möglichkeiten der Vereine“ geachtet werde. Theo Neu ist Ratsmitglied, Mitglied des Sportausschusses und Vorsitzender des Stadtsportverbandes.