2026-06-12T06:52:44.557Z

Allgemeines

"Lügenmonat Juni" trifft auch den 1. FC Kleve

Die Stimmung beim Mannschaftsessen zum Saisonabschluss wurde am Freitagabend erheblich getrübt. Denn ein Akteur verlässt den Absteiger aus der Oberliga überraschend doch noch. Das sagen Trainer Umut Akpinar und der Sportliche Leiter Georg Mewes dazu.

von Joachim Schwenk · Heute, 08:00 Uhr · 0 Leser
Frederik Meurs (l.) verlässt Kleve trotz Zusage.
Frederik Meurs (l.) verlässt Kleve trotz Zusage. – Foto: Arno Wirths

Der 1. FC Kleve hat am Freitagabend bei einem Mannschaftsessen in der Sportsbar im Stadion am Bresserberg einen Schlussstrich unter die Saison in der Oberliga gezogen, in der das große Ziel Klassenerhalt denkbar knapp verpasst wurde. Umut Akpinar hatte dabei in einer knapp halbstündigen Ansprache noch einmal einen Blick zurück auf die Saison geworfen.

Meurs sorgt beim Mannschaftsessen für Irritationen

Der Coach bedankte sich bei den Spielern und seinem Trainerteam dafür, dass sie so gut mitgezogen hatten. Außerdem verabschiedete er noch einmal die Akteure, die zuvor mitgeteilt hatten, dass sie den Verein verlassen werden. Es war eigentlich ein harmonischer Abend, bis die gute Stimmung durch einen langjährigen Stammspieler wenigstens für einige Minuten erheblich getrübt wurde: Frederik Meurs.

Der Außenverteidiger hatte dem 1. FC Kleve Mitte April die Zusage für eine weitere Saison gegeben - unabhängig davon, in welcher Liga die Mannschaft spielen würde. Am Freitag teilte er seinen verdutzten Teamkollegen dann allerdings mit, dass er den Verein wechselt und somit nicht zu seinem Wort steht. Er wurde für sein Verhalten nach Informationen der Redaktion wenigstens von einem seiner jetzt ehemaligen Mitspieler vor versammelter Mannschaft hart kritisiert.

Drei Klever wechseln zum SV Scherpenberg

Meurs wird in der kommenden Saison für den Oberliga-Aufsteiger SV Scherpenberg auflaufen. Dem Verein aus Moers schließen sich zwei weitere Spieler des 1. FC Kleve an. Auch die Angreifer Dario Gerling und Diwan Duyar wechseln zum Klub, bei dem Sven Schützek, früher unter anderem Coach der SV Hönnepel-Niedermörmter, Sportlicher Leiter und Trainer der ersten Mannschaft in Personalunion ist. Der entscheidende Unterschied: Gerling und Duyar hatten zuvor nicht mündlich für eine weitere Saison am Bresserberg zugesagt.

Georg Mewes, der Sportliche Leiter des 1. FC Kleve, und Akpinar hatten bereits Mitte der Woche erfahren, dass Meurs in Scherpenberg im Gespräch sei. „Sven Schützek hat mich angerufen und darüber informiert, dass Frederik Meurs dem SV Scherpenberg von einem Berater als Neuzugang angeboten worden sei. Ich habe Schützek in diesem Gespräch darüber unterrichtet, dass der Spieler bei uns schon zugesagt habe“, sagt Mewes.

Akpinar: „Sprachlos und maßlos enttäuscht“

Dass der Spieler beim 1. FC Kleve im Wort stand, schien Schützek, der mit Mewes erst bei Hö.-Nie. und später auch bei der Spvgg Sterkrade-Nord zusammengearbeitet hat, allerdings nicht sonderlich zu stören. Er machte die Verpflichtung des 24-jährigen Außenverteidigers perfekt, der bei den Senioren bisher nur am Bresserberg aktiv gewesen ist.

Mewes wollte sich nicht ausführlicher zum Thema äußern. „Ich bin enttäuscht. Mehr sage ich nicht“, so der Sportliche Leiter. Akpinar wurde da wesentlich deutlicher. „Ich bin sprachlos und maßlos enttäuscht darüber, dass Frederik Meurs die Mannschaft und den Verein im Stich lässt. Doch wer sich so entscheidet, passt auch nicht zu den Werten und dem Charakter, die das Team und der 1. FC Kleve haben“, so der Coach. Er hatte seit Mittwoch wie Mewes vergeblich versucht, Meurs telefonisch zu erreichen.

Cornelissen kritisiert Entwicklung im Amateurfußball

Dass Spieler sich nicht an ihr Wort halten, ist aktuell nicht nur beim 1. FC Kleve ein Thema. Gleich drei Akteure, die schon zugesagt hatten, verliert Mit-Absteiger DJK Adler Union Frintrop. DJK-Trainer Marcel Cornelissen hatte dies kürzlich in den sozialen Medien angeprangert. „Wenn selbst die guten Charaktere nicht mehr zu ihrem Wort stehen, dann ist der Amateurfußball irgendwann am Ende“, so Cornelissen.

Er kritisierte in seinem Beitrag auch „die abwerbenden Vereine, die die Spieler trotz öffentlich kommunizierter Verlängerungen“ ansprechen. Cornelissen schreibt weiter: „Wenn man aktuell im Amateurfußball mit einem halbwegs intakten moralischen Kompass unterwegs ist, dann hat man schlichtweg einen Wettbewerbsnachteil. Das soll kein Jammern sein, der Fußball ist weiterhin die schönste Nebensache der Welt, aber er ist auch in den unteren Ligen ein teilweise moralisch verdorbenes Geschäft.“