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Analyse

Ligen-Reform bei den 1.Herren: was sagen die Experten?

FuPa Luxemburg hat die Meinungen von Diplomsportlehrer Kevin Hartert und vom nationalen technischen Direktor der FLF, Manuel Cardoni, eingeholt

von Paul Krier · 21.01.2026, 17:17 Uhr · 0 Leser
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Symbolbild – Foto: paul@lsn.sarl (Archiv)

Am 10.Januar stellte der Autor dieser Zeilen seine eigenen Ideen zu einer Reform der Ligen-Hierarchie bei den 1.Herren vor. In der Folge haben wir auch die Meinung zweier Experten in der Materie eingeholt, nämlich die von Manuel Cardoni, Ex-Nationalspieler und -Profi und nationaler technischer Direktor der FLF sowie die eines Außenstehenden, nämlich dem früheren U21-Nationaltorhüter und heutigen Sportlehrer Kevin Hartert, der uns ebenfalls seine Meinung zum idealen Aufbau einer Struktur von Fußballligen darlegte, dies mit einem Background in Leistungssport und Diagnostik.

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Idee: eine BGL Ligue mit nur acht Mannschaften

Im Verlauf der Online-Diskussionen zur FuPa-Idee postete auch Manuel Cardoni seinen eigenen Vorschlag für eine mögliche Neuausrichtung der Ligen der 1.Männer. Laut ihm würde die BGL Ligue sogar nur aus acht Mannschaften bestehen, die jeweils viermal gegeneinander antreten würden, was ein Total von 28 Meisterschaftsspielen wäre. Neben dem Meister gäbe es einen direkten Absteiger und einen Teilnehmer an der Abstiegsrelegation. Ein Detail ist, dass er die dann vier BGL Ligue-Partien pro Spieltag Samstags austragen würde. Cardoni: „Dadurch zeigen Fans und Spieler der anderen Ligen vielleicht ein erhöhtes Interesse, sich auch Spiele der BGL Ligue anzuschauen. Vielleicht bekommt man dadurch wieder höhere Zuschauerzahlen und auch eine bessere Abdeckung durch die Medien. Den Sonntag überlässt man dann dem lokalen und regionalen Luxemburger Fußball.“ Er stellt zudem die Frage, nach dem was der gemeine Luxemburger sich vom Fußball erwartet und verweist auf die hohen Zuschauerzahlen beim Finale der „Coupe du Prince“ oder bei den Relegationsspielen. Die Fans wollen demnach Spiele, in denen es um etwas geht.

Eine interessante zweigleisige Ehrenpromotion

Eine Klasse tiefer würde Cardoni die Ehrenpromotion in zwei Bezirke einteilen, beide mit ebenfalls jeweils acht Teams die zunächst eine normale Hin- und Rückrunde mit jeweils vierzehn Begegnungen absolvieren würden. Danach würden die jeweils vier oberen Teams in einer eigenen Runde wiederum vierzehn Partien spielen, gleiches gilt für die jeweils vier unteren Teams pro Bezirk. Es gäbe einen direkten Aufsteiger und einen Barragisten sowie zwei direkte Absteiger in der Abstiegsrunde und zwei Teilnehmer an der Relegation. „Dann geht es permanent um etwas“ äußerte sich Cardoni in einem ausführlichen am Dienstag geführten Telefongespräch mit FuPa. „Man hat eine Wettbewerbsdichte, die man im Moment nicht hat“ erläuterte er weiter, darauf hinweisend, dass es sich dabei nur um eine Idee von seiner Seite handele und keine offizielle und mögliche Vorgabe des Verbandes. Als wir Sportlehrer Hartert diese vorlegten, fand auch dieser sie „nicht übel. Es wird nicht langweilig, da man nicht immer gegen die gleichen Gegner antritt. Man hat über die ganze Saison wichtige Spiele, wodurch die Motivation und der Einsatz der Spieler automatisch steigen. Es geht zudem in Richtung eines Pyramidensystems, was ich gut finde.“

In der aktuellen Struktur gäbe es gegen Ende der Saison, wenn es für manche um nichts mehr gehe, Partien, die einfach vor sich hinplätschern, wusste Hartert auch aus eigener Erfahrung zu berichten. „Im Beispiel mit acht Mannschaften hat man eine höhere Leistungsdichte und wenn diese höher konzentriert ist, wird das Niveau besser. An jedem Wochenende muss man bei hundert Prozent sein. (…) Die Ligaspiele werden voraussichtlich offener.“ Hartert bestätigte auf Nachfrage hin, dass dies eine belegte These sei und dass dies nicht nur auf den Fußball zutreffe. „Im aktuellen System spielen Topteams ab einem gewissen Vorsprung automatisch nicht mehr mit derselben Intensität“ führte er seinen Gedankengang während eines Gesprächstermins in Limpertsberg weiter aus. Eine Konsequenz sei das schlechte Abschneiden in den Qualifikationen zu den verschiedenen europäischen Wettbewerben.

Dem Argument, dass es u.U. uninteressant sei, in der BGL Ligue viermal in einer Saison gegeneinander zu spielen konterte Manuel Cardoni, dass im aktuellen System Spiele zweier Teams aus der unteren Tabellenhälfte, die den Klassenerhalt bereits geschafft haben und im letzten Saisondrittel aufeinandertreffen, ebenfalls nur geringes Interesse hervorrufen würden. „Was mich in diesem Zusammenhang stört ist, dass wir keine Diskussionskultur mehr haben. Wir sind nicht mehr in der Lage, uns zusammenzusetzen, um über das Produkt BGL Ligue zu diskutieren.“ Laut dem ehemaligen Profi von Bayer Leverkusen würde eine BGL Ligue mit lediglich acht Mannschaften zu einer Konzentration der besten Spieler führen, was zu einer Anhebung des Niveaus führen sollte. „Die zwei Ligen darunter (d.Red: zwei mögliche Staffeln einer heutigen Ehrenpromotion) müssen Ausbildungsligen werden“ erklärte Cardoni mit Verweis auf Belgien und den dort in der 2.Liga integrierten U23-Mannschaften. „Im Rennen um die vier ersten Plätze pro Bezirk einer solchen Liga hat man gleich bis zur Saisonhälfte einen erhöhten Wettbewerb. (…) Ist es wirklich interessanter, heute in einer aufgeblähten Ehrenpromotion zu spielen als vielleicht eher regional in einer 1.Division?“

Aufwertung in Luxemburg ausgebildeter Fußballspieler

Laut seiner Idee müssten in dieser neuen 2.Liga mindestens drei in Luxemburg ausgebildete Spieler pro Mannschaft auf dem Platz stehen. Cardoni: „Wie würde ein U17- oder U19-Spieler überlegen, der bei einem Verein lokal verankert ist, welcher in einer Ehrenpromotion oder 1.Division spielt, in der drei hier ausgebildete Spieler eingesetzt werden müssen? Wenn er sein Abitur macht und sich entscheidet, zu studieren, dann erwägt er womöglich eher, in Luxemburg oder im nahen Ausland wie z.B. in Trier zu studieren anstatt weiter weg. Im Moment besteht das Risiko, dass solche Spieler sich sagen, dass sie von vorneherein keine Chance bekommen. (…) Diese haben im heutigen System irgendwann im luxemburgischen Fußball keine Anlaufstelle mehr. Ich sage nicht, dass das so sein muss, ich habe diese Zahl von drei hier ausgebildeten Spielern einfach als Idee genannt. “ Die Rechnung für eine neue Ehrenpromotion wäre einfach: 8 Teams mal 2 Bezirke mal 3 Spieler ist gleich 48 einheimische Spieler, die 1.Mannschaft spielen.„Dies soll eine Diskussionsbasis, eine Idee sein. Es gibt Variablen, über die man diskutieren kann und soll.“

Kevin Hartert untermauerte die Wichtigkeit eines Systems mit einer breiten Basis. „Das fängt ja bei der Jugend an. Bei der FLF haben sie ja bei der U12 oder U13 einen Pool, der aus jeweils rund sechzig Spielern besteht und dies spitzt sich nach oben (d.Red.: Richtung ältere Jahrgänge) zu.“ Es geht in dem Bereich um die individuelle Förderung von Spielern. „Wenn man das im individuellen Bereich so gestalten kann, wieso macht man es dann nicht auch für Teams, in dem man z.B. sagt, dass man sich in den unteren Ligen breiter aufstellt und oben verengt sich das System?“ so Harterts Frage. „Man muss sehen, dass man unsere Nachwuchsspieler, die es nicht ins Ausland schaffen, über den einen oder anderen Weg in die Erwachsenenteams bekommt. Doch da sind wir dann bei der Sportpolitik.“

Rund 45 Minuten unterhielt sich FuPa mit FLF-DTN Manuel Cardoni
Rund 45 Minuten unterhielt sich FuPa mit FLF-DTN Manuel Cardoni – Foto: paul@lsn.sarl (Archiv)

Mit einem ähnlichen Prinzip in einer neu strukturierten BGL Ligue, in der die besten Talente zum Einsatz kommen, könnte man sich als Liga für ausländische Profivereine und deren Scouts interessanter machen, insbesondere, wenn man die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen würde. Cardoni verweist auf die Ligen von z.T. viel größeren Ländern, in denen zehn bis zwölf Mannschaften in der 1.Liga spielen, wie z.B. in Dänemark oder der Schweiz oder aber auch in Litauen. Auch Hartert war im unabhängig vom mit Cardoni geführten Gespräch der gleichen Ansicht, dass Luxemburg als kleines Land eine kleinere 1.Liga bräuchte, äußerte aber wiederholt Bedenken wegen angewandter sportpolitischer Gründe.

Wie würde es unterhalb der Ehrenpromotion aussehen?

Tiefer wagte sich Cardoni, der laut eigenen Angaben schon lange für Reformen in der Ligastruktur der 1.Herren plädiert, in seinem online geposteten Schema nicht. Dazu gab er uns im späteren Interview aber folgende Ergänzungen: „Da man zwei Aufsteiger aus der 1.Division nach meiner Idee braucht, muss es dort auch mindestens zwei Bezirke geben. Ich persönlich würde in einer ersten Phase auf diesem Niveau eine normale Saison mit zwölf oder vierzehn Mannschaften pro Bezirk spielen. Ich denke, damit könnte eine 1.Division auch aufgrund des Spielkalenders, der Platzverhältnisse im Winter usw. leben. Diese Logik könnte man auch auf die noch tieferen Ligen herunterbrechen. Man müsste genau ausrechnen, wie das z.B. mit zwölf Teams pro Bezirk aufgehen würde. Man hätte dann aber wenigstens eine gewisse Uniformität.“

Kalenderprobleme

Der Kalender für diese puren Amateurligen spielt in diesem Zusammenhang nicht nur für Manuel Cardoni sondern auch für Kevin Hartert eine wichtige Rolle, da das heutige System Clubs aus der 1.Division zwingt, bereits Mitte August – also mitten während den Sommerferien - in die Saison zu starten, um Ende Mai fertig zu sein: „Wieso beginnen wir in den unteren Ligen, die nichts mit einem internationalen Kalender zu tun haben, nicht erst im September, damit jeder ab Mitte Juli in Urlaub fahren kann und im August beginnt man mit der Vorbereitung? Das ist ein reales Problem! Dass man sich in der 1.Liga dem UEFA-Kalender anpassen muss, ist normal, doch wieso müssen wir einen einheitlichen Kalender auch mit den unteren Division haben?“

Dass der Kinderfußball in den Karnevalsferien nicht pausiert, dagegen im späten Frühjahr bzw. frühen Sommer aufhört, ist für Hartert ebenfalls unverständlich. „Lasst die Kinder doch spielen, wenn das Wetter gut ist“ so seine Forderung. Im oben beschriebenen System würde der Wettbewerb in der Hierarchie auch in die unteren Ligen durchdringen. Manuel Cardoni schlug folgende Ideen vor, um in Luxemburg ausgebildete Spieler zu fördern: in der BGL Ligue müsse laut ihm ein solcher Spieler inkl. Wechsel über 90 Minuten auf dem Platz stehen, in der Ehrenpromotion müssten es deren drei sein. „Seit vier, fünf Jahren plädiere ich für eine Reform“ so Cardoni. Und ein weiteres Argument spricht laut Hartert für einen angepassten Kalender: „Ruhephasen sind für Sportler äußerst wichtig, um die Leistungen steigern zu können. Die Kalender sind manchmal so eng bemessen, dass das aus sportmedizinischer Sicht eigentlich nicht mehr tragbar ist.“

Sportpolitik vs. sportliche Entwicklung

Hartert sah gleich zu Beginn des Gesprächs mit FuPa sportpolitische Gründe den sportlichen gegenüberstehen: „Da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Man hat viele Mannschaften in den oberen Ligen, um viele Menschen zufriedenzustellen. Das ist ähnlich wie z.B. bei der Welt- oder Europameisterschaft. Für mich ist es keine Weltmeisterschaft mehr mit 48 Mannschaften. “ Geld spielt wie immer auch eine Rolle und könnte eine Hauptmotivation für manchen Verein sein, sich gegen eine Reform des Ligasystems auszusprechen. Laut dem aktuellen Verteilerschlüssel der LFL profitieren sechzehn Vereine von 85 Prozent der Subventionen der UEFA, in Cardonis Beispiel würde sich diese Summe auf nur noch acht Clubs verteilen.

Die Meinung, dass dadurch die Chancen auf eine richtige semiprofessionelle Liga steigen würden, teilte zwar Kevin Hartert, der nationale technische Direktor der FLF jedoch nur bedingt: „Ich denke, dass eine solche sich von selbst ergibt, wenn das Interesse an einer Liga wieder steigt, die man vernünftig vermarkten kann und wieder mehr Sponsoren sich verpflichten. Was ich aber nicht will ist, dass es wie bei der UEFA wird, wo die Reichen immer reicher werden und wo die ganz Reichen beginnen, Filialen zu eröffnen wie z.B. die City Group.“ Das Positive an einer eventuellen halbprofessionellen Liga sei laut Hartert, dass man den Vereinen dann die Auflage geben könne, dass sie z.B. Trainer mit entsprechend hohen Diplomen verpflichten müssen, wodurch das Niveau weiter steigen sollte – Stichwort hohe Trainerqualität. Elitetrainer kämen aufgrund dieser Idee bei Eliteteams zum Einsatz.

Cardoni regt an, die Vorgaben zusammen mit der UEFA durchzugehen, um zu sehen, welche Möglichkeiten einer gerechteren Verteilung bestehen. Hartert war der Meinung, dass eine kleinere Liga den Vereinen, die sich nicht unter den besten acht des Landes befinden würden, einen gewissen finanziellen Druck nehmen könnte: „Dann spielt man in einer Ehrenpromotion, in der man vielleicht nicht den letzten Cent ausgeben muss, um eventuell an einem europäischen Wettbewerb teilnehmen zu können. Dies eröffnet möglicherweise auch Chancen für einheimische Spieler, um eher in einer solchen 2.Liga zum Einsatz zu kommen, die dann vermutlich ein höheres Niveau haben würde als es heute der Fall ist.“

Im Verlauf des Gesprächs mit dem einstigen U21-Torhüter der FLF erläuterte dieser aber auch, dass die Schere zwischen arm und reich sich durch die Verteilung der UEFA-Fördergelder auch in Luxemburg weiter öffnen würde. „Man muss sich fragen, was man will. Die Vereine beklagen sich, wenn sie einem Spieler in der Ehrenpromotion 1.500 oder 1.600 Euro bezahlen müssen. Diese werden jedoch nie in einem Europapokal spielen. Und in der 1.Division werden 600 oder 700 Euro bezahlt und dabei handelt es sich um reinen Amateurfußball. Und was hat man erreicht, wenn man dann einmal in der Ehrenpromotion spielt? Wenn man da etwas auf die Bremse treten würde, würde das den Druck, höher spielen zu müssen, wahrscheinlich senken.“

Cardoni: „Wir müssen etwas tun!“

Abschließend verwies der gebürtige Rümelinger Cardoni darauf, dass viele Sachen sich erst im Verlauf einer Reform ergeben würden. Doch man müsse im Sinne des Sports anfangen und dies in einem definierten Zeitrahmen, während dem man analysiert und die richtigen Lehren zieht. „Wir müssen einen Kontext schaffen und dann sehen, was daraus entsteht. Wir müssen etwas tun! Denn wenn der internationale Fußball sich stets weiterentwickelt, und wir uns nicht, dann fürchte ich, dass uns das irgendwann noch weiter hinabzieht. Es soll ja in allen Bereichen eine gemeinsame Entwicklung nach vorne geben. Es geht nicht um einzelne Meinungen, sondern um den Luxemburger Fußball. Ich möchte Vorschläge unterbreiten und nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen.“

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