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Analyse

Liga-Reform: was sagen Sportchefs aus den drei oberen Ligen?

Sportdirektoren aus der BGL Ligue, Ehrenpromotion und 1.Division legten FuPa ihre Sicht und Ideen dar

von Paul Krier · 31.01.2026, 15:25 Uhr · 0 Leser
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Symbolbild – Foto: paul@lsn.sarl (Archiv)

Im 3.Teil unserer Analyse zu einer möglichen Reform der verschiedenen Spielklassen der 1.Herren haben wir jeweils einen sportlich Verantwortlichen aus den drei obersten Klassen zu ihren eigenen Vorschlägen befragt, aber auch, wie sie u.a. die Ideen von nationalen technischen Direktor der FLF, Manuel Cardoni, sehen, die er uns vor rund zehn Tagen dargelegt hatte.

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In einem sind sich auch nach den für diese Reportage geführten Gesprächen weiterhin viele Interviewpartner einig: die Divisionen der verschiedenen Spielklassen der 1.Herren sind zu groß und müssen verkleinert werden. FuPa hat am Dienstag mit dem Rosporter Sportdirektor Steve Kersch telefoniert, der sich sicher war, dass es in der BGL Ligue im Moment eine Dreiklassengesellschaft gibt. „Es sind meiner persönlichen Meinung nach zwei oder vier Vereine zu viel in der 1.Liga. Darüber müssen wir Diskussionen anstoßen“ erklärte er, fürchtete gleichzeitig aber, dass eine wie von Manuel Cardoni eingebrachte Idee, die 1.Liga auf acht Teams zu reduzieren, vor allem auf Vereine wie seinen eigenen, Victoria Rosport, große Auswirkungen habe. „Wir dürfen uns jedoch keiner Diskussion verweigern“ so Kersch - etwas das auch Vincenzo Verna, Sportdirektor von Minerva Lintgen aus der 1.Division, in einem separat geführten Gespräch so sah: „Jedem soll man seine Meinung zugestehen, doch es muss ernsthaft über das System der Einteilung der Ligen diskutiert werden.“

Alessandro Alunni, langjähriger BGL-Ligue-Spieler und jetziger Sportdirektor in Monnerich (EP) nannte uns einen konkreten Punkt, ab dem das Niveau seiner Meinung nach abnahm: „Seit Covid hat sich viel verändert. Das Niveau der BGL Ligue nahm ab, das konnte ich selber als Spieler feststellen. Es war damals anders als das, was ich heute Sonntags auf manchen Plätzen sehe.“ Alunni ist jedoch eine der Ausnahmen, die eine 1.Liga nicht unbedingt auf weniger Vereine reduzieren würden. Er verweist auf ausländische Profiligen, die ebenfalls mit sechzehn Mannschaften funktionieren. Doch ihm schwebt für Luxemburg eine ganz eigene Idee vor: „Ich würde in der BGL Ligue mit sechzehn Teams eine Runde, also fünfzehn Spiele austragen lassen. Danach würde ich die oberen und unteren acht jeweils noch einmal gegeneinander spielen lassen. Durch ein solches System würde man zunächst um den Einzug in die obere Tabellenhälfte spielen und dann um den Titel, Europapokalplätze oder in der unteren Gruppe gegen den Abstieg. Oben (d.Red: in der 1.Liga) muss sich auf jeden Fall etwas ändern, damit die Qualität steigt, um die Chancen für Vereine zu erhöhen, wieder an der Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs teilnehmen zu können. Um diese wird nur ein kleiner Kreis von Mannschaften spielen. Deren Partien sollten entsprechend intensiver und die Abstände kleiner werden und es steht mehr auf dem Spiel.“

Verna, der auch schon bei höherklassigen Vereine mitwirkte, wurde deutlich: „Das Niveau ist für mich in der 1.Liga sehr stark gefallen. Der Wettbewerb muss viel interessanter gestaltet werden, man muss intensivere Spiele bekommen und einen höheren Rhythmus. Die Schere der Leistungsunterschiede geht viel zu weit auseinander. Ich würde die BGL Ligue auf zehn Mannschaften reduzieren.“ Damit bestätigt er die Feststellungen seiner Kollegen als auch der weiterer Experten, die wir Mitte vergangener Woche veröffentlichten. Steve Kersch denkt auch an die unteren Ligen, in welchen eben z.B. Vernas Team aus Lintgen spielt: „Das sportliche Niveau zieht sich mit sechzehn Teams vermutlich zu weit auseinander. Reduziert man dies, wird dies natürlich einen sportlichen Einfluss auf alle darunter liegenden Divisionen haben. Die Qualitätsverschiebung wird man vermutlich bis ganz nach unten herunterbrechen können. Ich bezweifele jedoch, dass es etwas bringt, Ligen gleich auf 8 Mannschaft zu reduzieren. Ich denke, dass es dadurch trotzdem nicht reichen wird, regelmäßig einen Vertreter in der Gruppenphase z.B. einer Conference League zu haben.“

Allunis im vorigen Abschnitt erläuterte Idee soll wie andere an dieser und an anderen Stellen geäußerte Denkanstöße die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, zumindest in den zweiten Runden, wenn acht Teams gegeneinander antreten. Doch: „In vielen Ländern gibt es im Moment geschätzt fünf Vereine, die über dem Rest thronen, dann folgt oft ein Loch, unter welchem es dann im Abstiegskampf wieder um etwas geht“, so der 34-Jährige. Die Ehrenpromotion würde Alunni ähnlich organisieren wie laut seiner Idee die BGL Ligue. In den tieferen Klassen würde er das System ähnlich dem lassen, wie es aktuell funkioniert. Er sieht aber ebenfalls die Notwendigkeit, die Gesamtzahl an Spielen auch wegen organisatorischer Hindernisse wie dem Ehrenamt zu reduzieren.

Verna: „In der Ehrenpromotion könnte man eventuell in zwei Bezirken à 10 Teams spielen. Eventuell könnte man aber auch eingleisig bis in die 2.Division verfahren. Durch eine Integration von U23-Mannschaften könnte man erst weiter unten zu einem Pyramidensystem mit einer breiten Basis übergehen.“ Und damit wirft der Minerva-Sportechef einen völlig neuen Hut in die Runde. Gab es durchaus von manchen Verantwortlichen in den vergangenen Monaten die Idee, die Reserveteams wieder in derselben Meisterschaft wie die 1.Herren spielen zu lassen, so würde Vincenzo Verna dies auf richtige U23-Mannschaften beschränken, nicht solche, in denen dann trotzdem noch ältere Spieler mitwirken dürften.

Vernas Idee: „Ich würde im Gegensatz zu anderen Ideen keine Reserveteams sondern richtige U23-Teams in die reguläre Meisterschaft aufnehmen, die dann maximal bis in eine 1.Division aufsteigen könnten. Da Spieler solcher Teams nicht mit weniger talentierten oder motivierten Hobbyspielern in einer 2. oder 3.Mannschaft spielen müssten, sondern gegen 1.Herren gefordert würden, würde ein anderer Spielrhythmus und ein anderer Teamgeist entstehen. Ein solcher Weg wäre auch wichtig für die FLF, für die sich die Möglichkeiten des Scoutings verinfachen würden. Ich denke, mit einer solchen Idee würden weniger Spieler dem Fußball verloren gehen und es wäre vermutlich für die Zuschauer auch ein Mehrwert.“

Er stellte sich aber ebenso die Frage, ob nicht manche Vereine aus unteren Ligen vielleicht auch aus organisatorischen Gründen nicht weiter noch oben wollten. Der ehemalige Jugendnationalspieler Alunni griff zudem eine Anregung auf, die Kevin Hartert in unserer Expertenanalyse bereits formuliert hatte: „Die Saison fängt wegen der Sommerferien zu früh an, man muss sehen, ob man nicht später aufhören kann und damit den Saisonbeginn nach hinten zu verlegen, um dieses Problem zu lösen.“

In den geführten Gesprächen wurden zwei Sachen immer wieder deutlich: über eine genaue Zusammensetzung einzelner Divisionen kann man oft keine konkrete Aussagen treffen, da zu viele Faktoren einfließen. Höchstens Ideen, Denkanstöße wurden genannt. Eine andere Sache, an der man trotz aller Bemühungen, die Gespräche auf eine sportliche Weiterentwicklung zu lenken, nie vorbeikam, war das Thema Geld bzw. genauer die Verteilung der Zuschüsse bzw. Prämien der UEFA. Geld ist wichtig“ sagte uns dazu Alessandro Alunni kurz und knapp über die Funktionsweise einer BGL Ligue aber auch einer Ehrenpromotion. Laut ihm solle man sich auch an verschiedenen ausländischen Ligen orientieren und nannte dabei die Schweiz und Belgien. Dort bewährte Schemen könnte man anpassen und auf Luxemburg übertragen. „Die FLF müsste vielleicht in den unteren Divisionen ein Pilotprojekt einführen und testen und falls ein solches sich als interessant erweist, könnte man dieses auch auf die höheren Klassen anwenden.“

Nach den bisherigen Analysen kristallisieren sich auf jeden Fall Details heraus, die unabhängig vom Spielmodus wohl dringend umzusetzen sind. Allen voran ist die Wettbewerbsfähigkeit zu nennen, dann der sportliche Anreiz aber auch der Spielkalender. Offensichtlich wurde bislang wie im vorigen Abschnitt erläutert auch, dass Geld eine sehr große Rolle spielt. Laut Alunni sei es nämlich klar, dass im Fußball mehr Geld meistens auch bessere Ergebnisse nach sich ziehen würde. Ob sich damit ein Kreis oder ein Teufelskreis schließt, überlassen wir gerne der Meinung unserer Leser.

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