
Mainz/Hüffelsheim. Vor zwei Wochen feierte er noch seinen 100. Einsatz in der Regionalliga. Kommende Saison geht Leon Kern für die SG Hüffelsheim auf Torejagd. Der 28-Jährige, der im Sturm sowie am offensiven und defensiven Flügel eingesetzt werden kann, kommt nach neun Jahren im Dress des TSV Schott Mainz.
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Kern ist Teil der erfolgreichsten Ära der Klubgeschichte. "Dabei hätte ich anfangs nicht gedacht, dass es so lange gehen würde", erzählt er. Damals ging die Zeit des Koblenzers nach vier Drittligaspielen bei Ausbildungsverein Mainz 05 recht abrupt zu Ende. Schott sollte ein Sprungbrett sein. Der Erfolg, das familiäre Umfeld, die Infrastruktur, mit Freunden auf höchstem Niveau zusammenzuspielen, alles das sprach für den TSV. "Hier herrschen sehr professionelle Strukturen, die für einen Amateurverein ihresgleichen suchen. Uns mangelt es an nichts." Dreimal gewann Kern mit dem TSV den Verbandspokal und zog in den DFB-Pokal ein, mit dem Highlight gegen den BVB. An drei Aufstiegen und einem Klassenerhalt in der Regionalliga war er beteiligt.
Mit einer Top-Quote, zehn Tore in 15 Spielen, bewies Kern auch vorige Saison noch seine Klasse, als der TSV die stärkste Saison eines Südwest-Oberligisten aller Zeiten spielte. Doch die Einsatzzeiten wurden immer weniger. Eine mit Komplikationen verbundene Gehirnerschütterung zwang ihn lange zum Zuschauen, dann häuften sich die muskulären Probleme. Womöglich spielt auch die Festanstellung bei der Deutschen Golf Sport GmbH eine Rolle.
"Ich bin seit zwei, drei Jahren vom Pech verfolgt, dabei kümmere ich mich sehr um meinen Körper", sagt Kern. Unter der Doppelbelastung mit in der Regel vier Trainingseinheiten litt auch das Privatleben. So reifte, obgleich Kern eigentlich so lange wie möglich beim TSV bleiben wollte, die Offenheit für einen Wechsel. Tim Müller und Lars Hermann, beide von Schott nach Hüffelsheim gewechselt, zählen zu Kerns engsten Freunden. Daher kannte der 28-Jährige den Club schon gut, als die Anfrage eintrudelte.
"Die Gespräche waren sehr positiv", sagt Kern. Auch mit dem künftigen Chefcoach Christian Lüllig gab es einen Austausch. Der Spieler schätzt die Perspektiven, die ihm aufgezeigt wurden. "Das ist ein ambitionierter Verein, in dem viel passiert, und ich bin sehr ehrgeizig", sagt Kern, "ich möchte Ziele vor Augen haben. Weil wir dort weniger trainieren, hoffe ich, dass ich körperlich weniger Probleme habe und kontinuierlich spielen kann."
Dass auch in Hüffelsheim in Sachen Infrastruktur kaum Wünsche offen bleiben, weiß Kern zu schätzen. "Ich habe Bock auf eine neue Herausforderung. Aber es war eine schwere Entscheidung, mit dem Wissen, was ich an Schott habe und dass es mit Sascha und Tommy als Trainerteam extrem cool geworden wäre." Sascha Meeth und Thomas Schwarz coachen den TSV kommende Saison gemeinsam. "Es ist nicht so, dass ich Tschüss sage, sondern auf Wiedersehen."
Künftig geht es per Fahrgemeinschaft von Mainz-Bretzenheim nach Hüffelsheim. Bis dahin wünscht sich Kern Gesundheit, Spaß mit den Mitspielern, sowie zum Abschied den Pokalsieg und den viertletzten Rang, denn so gut war der TSV in der Regionalliga noch nie. "Wenn beides nicht klappt, waren es trotzdem neun schöne Jahre."