2024-07-17T10:40:36.325Z

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Trauer um Ulrich Kohn.
Trauer um Ulrich Kohn. – Foto: Sascha Köppen

Legendäres Tor Uli Kohn bleibt in Erinnerung

Ulrich „Uli“ Kohn aus der erfolgreichsten Ära des VfR Neuss ist mit 87 verstorben.

Auch wenn Ulrich „Uli“ Kohn 1937 in der damals noch preußischen Stadt Königsberg (nach dem 2. Weltkrieg als Kaliningrad Teil Russlands) geboren wurde und seine erfolgreichste Zeit als Fußballer bei Borussia Mönchengladbach verbrachte, hat er einen fetten Eintrag in den Geschichtsbüchern des VfR Neuss und damit auch in denen der Quirinusstadt.

Schließlich war er es, der für den VfR bei der längst zum Mythos gewordenen Partie der Regionalliga West (damals die zweithöchste Spielklasse) am 13. August 1967 gegen Fortuna Düsseldorf vor 13.500 Zuschauern im Stadion an der Hammer Landstraße den viel umjubelten 5:4-Siegtreffer erzielte. Schon einige Helden aus der damaligen VfR-Mannschaft, darunter auch Kapitän Jupp Kokesch, sind inzwischen verstorben. Zu ihnen zählt seit kurzem auch Uli Kohn, der Anfang des Jahres noch sein 87. Lebensjahr vollendet hatte.

Bester Gesundheit hatte er sich noch erfreut, als die legendäre VfR-Mannschaft am 13. August 2017, also genau 50 Jahre nach dem Sieg gegen die Fortuna, im Neusser Drusushof zusammengekommen war, um in Erinnerungen zu schwelgen. „Wir spielten an der Hammer Landstraße vor 8000 bis 9000 Zuschauern im Schnitt“, sagte Kohn damals mit einer Mischung aus Wehmut und Begeisterung mit Blick auf die größte Zeit der Neusser, als die von 1966 bis 1972 in der Regionalliga West kickten.

Als Kohn 1966 bei den Neusser anheuerte, hatte er sich schon einen exzellenten Ruf in Fußball-Deutschland erworben. Nach seinem Wechsel vom Wuppertaler SV 1959 zu Borussia Mönchengladbach entwickelte er sich dort noch in der Vor-Fohlen-Zeit in der Oberliga West zum Torschützen vom Dienst. Bis 1964 erzielte er 90 Treffer in 156 Partien für die Gladbacher. Den wohl wichtigsten im Endspiel des DFB-Pokalfinales 1960 zum 2:1 gegen den Karlsruher SC. Damit hatte er großen Anteil am sensationellen 3:2-Erfolg der Borussen, was dem Verein den ersten Pokalsieg überhaupt bescherte. Siegtorschütze war damals übrigens Albert Brülls, dem Kohn Jahre später beim VfR wiederbegegnete, denn der Nationalspieler und spätere Italienlegionär ließ seine Karriere von 1970 bis 1972 an der Hammer Landstraße ausklingen.

Die Bundesliga blieb ihm verwehrt

Auch wenn Kohn in seiner letzten Saison bei den Gladbachern in einer verjüngten Mannschaft an der Seite von Spielern wie Günter Netzer mit 21 Saisontreffern noch mal richtig aufblühte, blieb ihm der Sprung in die Bundesliga mit dem Verein verwehrt. Weil die Borussia-Verantwortlichen versäumten, rechtzeitig Vertragsgespräche mit dem Torjäger zu führen, versuchte der sein Glück danach bei Arminia Bielefeld. Aber auch dort erfüllte sich sein Traum von der Bundesliga trotz 16 Toren und der Berufung zum Kapitän nicht, nach zwei Jahren folgte der Wechsel nach Neuss, wo er beim VfR sein Glück fand. Bis zu seinem Karriereende im Alter von 34 Jahren traf Kohn in 123 Regionalliga-Partien 39-mal.

Nachdem er seine Schuhe an den Nagel gehängt hatte, blieb aber dem Fußball erhalten. Schließlich hatte er sich 1969 unter einen gewissen Hennes Weisweiler an der Sporthochschule Köln zum Trainer ausbilden lassen. Nach Stationen beim TuS Reuschenberg und beim TSV Bayer Dormagen übernahm er schließlich auch den VfR Neuss, bei dem er sich mit dem Siegtreffer gegen die Fortuna bekanntlich Legendenstatus erworben hatte (siehe oben).

Aufrufe: 031.5.2024, 17:00 Uhr
RP / David BeinekeAutor