
Vater Werner ist neuer Abteilungsleiter beim TSV, Bruder Quirin spielt in der Bayernliga-Jugend des FV Illertissen - und Mutter Sabine hat den Trainerschein.
Landsberg - Manchmal klappt es halt erst im zweiten oder dritten Versuch. Frag nach bei Landsbergs Offensiv-Spieler Maxi Seemüller (22), der jüngst beim 3:0 gegen den TSV Nördlingen erst schier verzweifelte - und dann doch noch jubeln durfte. Ein paar prima Chancen vergeben, aber dann das wichtige 2:0 erzielt – das feierte die blonde Nummer 11 mit einem sehenswerten, artistischen Luftsprung. Da sah man, dass Max früher mal bis zur D-Jugend Turner (beim TSV Schondorf) war. „Das war die Erleichterung, weil klar war, dass wir jetzt durch sind“, erzählt der gelernte Schreiner aus Eresing (Landkreis Landsberg am Lech), der in der Schreinerei seines Vaters Werner (49), des neuen Abteilungsleiters der Landsberger Fußballer, „den Betrieb managt“. Er verrät: „Das ist alles ziemlich technisch geworden, man arbeitet viel am Computer.“
Auf dem Platz gehört Seemüller zu den jungen Landsberger, die in dieser Saison so richtig performen. Neun Tore, elf Vorlagen – das sind starke 20 Torbeteiligungen an den 67 Treffern des besten Sturms der beiden Bayernligen. Damit ist Seemüller, der in 26 von bislang 27 Spielen im Einsatz war, zweitbester TSV-Scorer hinter Maxi Berwein (elf Tore, zwölf Assists), zudem viertbester Torschütze nach Jeton Abazi, Berwein (beide 11) und Daniele Sgodzaj (10).
Der Stürmer, der an Silvester Geburtstag hat, hatte im Januar 2025 die Iller mit dem Lech getauscht, kam mit der Empfehlung von 78 Landesliga-Spielen, 30 Toren und 27 Assists in der U23 sowie drei Regionalliga-Einsätzen beim FV Illertissen zum TSV Landsberg. Unter dem damaligen Coach Alex Schmidt (57) „war die Situation am Anfang ein bisschen schwierig. Das hat noch nicht so geklappt, wie ich mir das vorgestellt habe“, gibt er zu: „Nur“ zwei Tore und ein Assist in zwölf Spielen.
Vorbei! Bei Trainer Chris Rech (32) ist Seemüller gesetzt, hat das Vertrauen längst mit überzeugenden Leistungen zurückgezahlt. „Fußball hat viel mit der Gefühlslage und dem Momentum zu tun – wenn man dann mal im Flow ist und das Umfeld stimmt, läuft’s“, erklärt der gebürtige Gräfelfinger, der in Schöffelding aufgewachsen ist, mit Freundin Martha in Eresing wohnt und nach Anfängen in Kaufbeuren und Windach die komplette Jugend, von der U15- bis zur U19-Bayernliga (da als Kapitän), beim FC Memmingen gespielt hat. 2022 wurde er dann vom Illertissener U23-Trainer Sven Ackermann „abgeworben“. Beim FV spielte er das erste Jahr komplett in der U23, es folgten eineinhalb Jahre, in denen er zur Ersten gehörte, aber vorwiegend in der zweiten Mannschaft in der Landesliga spielte: „Ich wurde oft zu den Regionalliga-Spielen mitgenommen, aber nur selten eingewechselt.“
Das läuft in dieser Saison ganz anders: Da stand er 25 Mal in der Startelf – auch am 4. Oktober gegen den FC Ismaning, am Samstag (Anpfiff 14 Uhr) der nächste Gegner des TSV Landsberg auf dem Weg in die Regionalliga. "Im Hinspiel lief’s gut, das können wir gerne wieder so machen“, sagt Seemüller. Er erinnert sich natürlich gerne an diese Partie, denn da feierte der TSV mit 7:1 den höchsten Saisonsieg – und Max traf doppelt.
Fünf Spiele sind’s noch bis zum Saisonende, die Regionalliga ist zum Greifen nah. Zum Sprung in die bayerische Top-Liga reicht, sollte 1860 München II, der nächste Heimgegner am Freitag, 24. April, Erster bleiben, so gut wie sicher die Vizemeisterschaft. Aber die Landsberger wollen mehr, haben Platz 1 noch lange nicht abgehakt: „Das bleibt unser ganz großes Ziel, das würde mir persönlich auch besser gefallen“, sagt Seemüller. „Meister und Aufsteiger macht sich auf dem T-Shirt dann doch viel besser.“ Würde auch ganz zu seinem Lebensmotto passen: „Wenn ich was mache, dann mache ich’s richtig.“ Das gilt auch für alle Familienmitglieder – in der Schreinerei und beim Sport. Seemüllers „kleiner“ Bruder Quirin (17) spielt mit Illertissen in der U19-Bayernliga, mit dem Papa ist beim TSV wieder Vernunft und Verlässlichkeit eingekehrt. Und Mama Sabine kann etwas ganz Besonderes vorweisen: Sie war nie die typische Spielermutter, sie besitzt den Trainerschein – und hat Quirin einst zusammen mit Ex-Profi Tomas Tomic aus Ludenhausen (seit vielen Jahren Torwart-Coach beim FC Augsburg) bei der JFC Lechrain trainiert. Max: „Unsere Eltern beschäftigen sich Tag und Nacht mit dem, was wir machen.“ Am 16. Mai dann vielleicht auch mit dem Aufstieg des TSV Landsberg…