
Es gibt die Momente im Fußball, die sich ins kollektive Gedächtnis einer ganzen Nation einbrennen. Dazu gehören Momente wie der einsame Spaziergang von Franz Beckenbauer 1990 über den Rasen des Olympiastadions in Rom. Der Rahmen ist natürlich deutlich kleiner, wenn ein Verein wie die Sportfreunde Neuwerk nach 22 Jahren in die Landesliga zurückkehrt. Und dennoch spielten sich am Sonntag Szenen ab, die klarmachen, dass in diesem Augenblick für Menschen ein Lebenstraum in Erfüllung ging.
So nahm sich etwa der Zweite Vorsitzende Peter Surujun einen Moment der Stille, als der Großteil der rund 600 Zuschauer am Hohen Busch, den nämlich die Neuwerker mitgebracht hatten, die Mannschaft bejubelte. Und dann müssen eben gestandene Männer auch mal eine Träne verdrücken. Denn Surujun gehört ohne Frage zu den Vätern dieses Erfolges. "Guck Dir das doch mal an, das ist doch einfach der Wahnsinn, was diese Jungs hier ausgelöst haben", sagte er, musste dabei durchaus zweimal ansetzen. Nicht weniger freuten sich die übrigen Vorstände, Chef Roger Neumann und Schatzmeister Michael "Perry" Haag. Letzterer kennt den Verein nun wirklich aus allen Perspektiven, war 2019 Chefcoach, als das Team aus der Kreisliga A in die Bezirksliga aufstieg.
Insgesamt lässt sich aber feststellen, dass dieser Aufstieg keine Leistung von ein paar herausragenden Einzelkönnern war, sondern eine Kollektiv-Performance auf allen Ebenen. In der Mannschaft um Kapitän Tristan Benten gibt es nicht den "Allein-Unterhalter". In der Offensive ist Berkan Dursun mit 14 Treffern bester Schütze, es folgen Lasse Buschmann und Christian Schulz mit jeweils 13 Toren. "Das macht uns natürlich für den Gegner schwer auszurechnen", erklärte Trainer Dony Karaca im Moment des Triumphes, der nun also mit einem seiner Vereine aus der aktiven Zeit der Sprung in die Landesliga gelungen ist.
Gleichzeitig räumt er aber auch ein, dass die Belastung für die Mannschaft im Saisonfinale nicht zu unterschätzen gewesen sei. "In den letzten sieben Wochen, als klar war, dass es für uns etwas zu verlieren gibt, war der Druck dann doch schon gewaltig. Aber die Jungs haben sehr konzentriert gearbeitet und das wirklich gut gelöst", lobte Karaca seine "Musterschüler", ehe er mit einem Megafon bewaffnet vor die Fans gezogen wurde und ihnen für ihre großartige Unterstützung seinen Dank aussprach. Schon längst war da der Druck auch sichtbar aus der Mannschaft herausgebrochen.
Bevor dann in der kommenden Woche die Mannschaftsfahrt ansteht, würde natürlich auch am Samstag am Gathersweg ausgiebig gefeiert - dem Vernehmen nach nicht, bis es dunkel, sondern eher schon wieder hell wurde. Der Lohn für eine Spielzeit, in der die Neuwerker satte 2,5 Punkte pro Spiel auf ihr Konto brachten - und weniger hätte auch nicht gereicht.