Neuer Chef an der Pfeife: Ingo Engelstädter übernimmt das Amt des obersten Referees des Fußballkreises. Vom Platz gestellt: Ex-Schiri-Boss Philip Dräger wurde, für ihn völlig überraschend, aus dem Amt gekegelt. Fotos: Christian Helmig, Henrik Martinschledde
Neuer Chef an der Pfeife: Ingo Engelstädter übernimmt das Amt des obersten Referees des Fußballkreises. Vom Platz gestellt: Ex-Schiri-Boss Philip Dräger wurde, für ihn völlig überraschend, aus dem Amt gekegelt. Fotos: Christian Helmig, Henrik Martinschledde

Nach Schiedsrichter-Revolte: Tischtuch ist zerschnitten

Der geschasste Kreisschiedsrichter-Chef Philip Dräger und sein Nachfolger Ingo Engelstädter haben viel zu sagen. Nur zusammenarbeiten werden sie nicht mehr.

Es wird nicht ruhiger nach der Wachablösung an der Schiedsrichterfront. Nachdem sich zahlreiche Vereinsvertreter bereits zu Wort gemeldet hatten, sprechen nun die beiden, um die es geht: Philip Dräger und Ingo Engelstädter.

„Ich werde nichts ändern. Und eigentlich fand ich, dass der gesamte Kreisschiedsrichterausschuss (KSA) gute Arbeit geleistet hat“, sagt Ingo Engelstädter. Gleichzeitig berichtet der neue Schiri-Chef aber auch davon, dass er „seit 2013 Stress mit dem KSA“ habe und die Annahme der Wahl für ihn eine „Retourkutsche gegen Philip Dräger“ (Engelstädter) sei.

Es seien Unparteiische auf ihn zugekommen, die sich von Dräger und seinen KSA-Kollegen schlecht behandelt gefühlt hätten. Philip Dräger selbst weist diese Vorwürfe von sich: „Wir haben uns überhaupt nichts vorzuwerfen, unsere Arbeit haben wir transparent gemacht, und wir waren stets loyal gegenüber unseren Schiedsrichtern. An uns ist niemand heran getreten, um sich zu beschweren.“

Engelstädter hingegen erzählt, dass „zahlreiche Schiedsrichter zu mir gekommen sind und mich um Hilfe gebeten haben, weil sie diese von Philip nicht bekämen.“ Grundsätzlich widersprechen sich der alte und der neue Vorsitzende des KSA mehr oder weniger in allen Punkten. Während Engelstädter Dräger eine schlechte Außendarstellung vorwirft und ihm unterstellt, dass er sich nicht um die älteren Schiedsrichter gekümmert habe, kontert Dräger: „Wir haben eigens für die Älteren eine eigene Abteilung unter der Leitung von Wilhelm Panhorst und Frank-Ulrich Zimmer gegründet, bei deren Veranstaltungen ich selbst häufig dabei war.“ Zudem sei die nötige Gleichbehandlung aller Schiedsrichter laut Engelstädter auf der Strecke geblieben – auch diesen Vorwurf weist Philip Dräger entschieden zurück.

„Die Wahl beziehungsweise der Ausgang derselben ist für uns eine Aussage der Vereine, dass man mit unserem Stil nicht zufrieden war. Ingo Engelstädter hat einen ganz anderen Stil, der sich mit unserem nicht im geringsten deckt. Wenn die Vereine seine Führung bevorzugen, dann müssen wir das akzeptieren“, erklärt Dräger, der den Posten stets mit „Herzblut“ gemacht habe. „Ich hatte tolle Mitstreiter und möchte mich bei meinem KSA für die gute und vor allem vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken“, sagt Dräger.


»Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Leute den Kopf in den Sand stecken«


Ingo Engelstädter hat derzeit andere Sorgen. Er muss sich erst einmal um eine „Mannschaft“ kümmern. Nachdem der alte KSA mitgeteilt hatte, dass er auch nicht zur kommissarischen Übernahme der Posten zur Verfügung stünde, musste Engelstädter erstmal schlucken. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Leute direkt den Kopf in den Sand stecken“, gibt er zu und bestätigt, dass er davon ausgegangen ist, mit dem alten KSA zusammenarbeiten zu können.

Er habe sich nun aber zum Ziel gesetzt, in rund 14 Tagen einen neuen Kreisschiedsrichterausschuss zusammen zu haben. „Zwei Leute haben sich schon angeboten, die Namen möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht veröffentlichen“, so Engelstädter. Er habe alsbald Urlaub und könne sich sodann mit der „Materie Kreisschiedsrichterausschuss“ auseinander setzen. In Richtung Dräger sagte Engelstädter, er würde sich wünschen, dass bis zum Saisonende „alles so weiterläuft wie bisher.“ Dräger allerdings lehnte ab: „Ich bin nicht mehr in einem offiziellen Amt, also darf ich ab sofort auch gar keine Aufgaben in dieser Form mehr übernehmen.“

Wie es bei den Bielefelder Schiedsrichtern weitergeht, bleibt in jedem Fall spannend. Engelstädter erklärt: „Ich muss meine Priorität auf die Jugend legen, Mittdreißiger bringen mir ja nichts.“ Eines werde sich aber gewiss ändern: „Die ständige Kommunikation in den sozialen Medien und über WhatsApp – das finde ich einfach nur nervig.“

Aufrufe: 011.4.2019, 15:35 Uhr
FuPa / NWAutor

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