Wann ist für die Fußballvereine wieder an ein normales Training zu denken?
Wann ist für die Fußballvereine wieder an ein normales Training zu denken? – Foto: Timo Babic

Vereine fiebern Lockerungen entgegen

Die rasant sinkenden Inzidenzzahlen wecken auch im Freizeit- und Breitensport des Rhein-Kreises Neuss die Hoffnung auf eine allmähliche Rückkehr zur Normalität. Schon ab Mittwoch zeichnen sich lange undenkbare Perspektiven ab.

Seit Monaten ächzt der Freizeit- und Breitensport auch im Rhein-Kreis Neuss unter den Maßnahmen der Corona-Schutzverordnung. Denn selbst wenn die Sportverbände und Sportvereine den Weg der Politik in der überwiegenden Mehrheit mit Blick auf den Gesundheitsschutz duldsam mittragen, bedeuten diese Maßnahmen, dass in Sachen Sport so gut wie nichts geht.

Doch angesichts der rasant sinkenden Inzidenzzahlen eröffnen sich wie auch in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens plötzlich bis vor kurzem noch undenkbare Perspektiven. Gemäß der ab Freitag gültigen Corona-Schutzverordnung könnte theoretisch ab nächsten Mittwoch unter bestimmten Voraussetzungen sogar schon wieder Kontaktsport in Hallen betrieben werden.

Was machen die sinkenden Zahlen möglich?

Aussichten, die bei der TG Neuss, dem größten Sportverein im Kreisgebiet, am Donnerstag regelrecht für Aufbruchstimmung sorgte. „Wir haben bei unseren Angestellten die Kurzarbeit beendet und direkt eine Besprechung einberufen, um die weiteren Schritte vorzubereiten“, meinte TG-Geschäftsführer Klaus Ehren. Die diese Woche in Nordrein-Westfalen erschienene Fassung der Corona-Schutzverordnung sieht auch für den Sport Lockerungen in drei Stufen vor. Stufe 3 gilt für eine Inzidenz von 50,1 bis 100, Stufe 2 von 35,1 bis 50 und Stufe 1 kleiner als 35. Stufe 3 ist im Rhein-Kreis schon seit Pfingstmontag erreicht, weshalb zum Beispiel das Neusser Sudbad seinen Außenbereich für Sportschwimmer wieder öffnete. Auch kontaktfreier Sport auf und außerhalb von Sportanlagen mit bis zu 25 Personen ist wieder möglich. Noch viel besser sind aber die Aussichten für kommende Woche, denn weil im Rhein-Kreis am Donnerstag schon am zweiten Tag in Folge die Inzidenz unter 50 lag, könnten bereits am nächsten Mittwoch die Regeln der Stufe 2 aktuell werden. Allgemein gilt: Wenn die Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen stabil ist, kann am übernächsten Tag die nächste Stufe zünden, oder eben nicht.

„Wir gehen aber davon aus, dass die Inzidenz stabil bleibt und haben unsere 200 Übungsleiter angeschrieben“, sagte TG-Geschäftsführer Klaus Ehren. Weil noch etwas organisatorischer Vorlauf nötig ist, soll in allen Abteilungen und Kursangeboten unter den entsprechenden Voraussetzungen ab Montag, 7. Juni, wieder Sporttreiben möglich gemacht werden. Das konnte niemand ahnen, als die Outdoor-Fitnessgeräte neben der TG-Geschäftsstelle Anfang Mai aufgebaut wurden. Sonst hätten sie vielleicht noch länger zur Überbrückung stehenbleiben können, denn die Auslastung war zuletzt sehr hoch. So werden sie am Freitag abgebaut und zum nächsten Verein, dem TV Lemgo, gebracht. Dafür kann in Neuss generell ab Freitag wieder mit dem Rehasport mit ärztlicher Verordnung begonnen werden, die Stadt ließ wissen, dass sie die Hallen dafür ab sofort wieder öffnet. Ein negativer Corona-Test ist allerdings Voraussetzung.

Auch beim TSV Bayer Dormagen laufen derzeit die Vorbereitungen für den Fall auf Hochtouren, dass nächste Woche die Inzidenzstufe 2 eintritt. „Es kann zwar zu großen Problemen führen, wenn wir einen Tag wieder über 50 kommen und alles zurückdrehen müssen. Doch egal wie, die Leute lechzen nach Bewegung“, sagte Rainer Lisson, Vorstand Sport und Kommunikation beim TSV, „deswegen versuchen wir alles möglich zu machen, was geht.“ Er empfiehlt einen täglichen Blick auf die Vereinshomepage, wo die Mitglieder über den aktuellen Stand der möglichen Sportangebote informiert werden sollen.

SC Kapellen hofft auf normales Mannschaftstraining

Beim SC Kapellen geht als reinem Fußballverein, der ausschließlich draußen trainiert, schon länger wieder etwas. Denn auch während der Notbremse konnten Kinder bis 14 Jahren in kleinen Gruppen zumindest eingeschränkt üben. Seit dieser Woche gehen auch die Senioren wieder aufs Feld und machen ohne Kontakt Passübungen, Torschüsse und Sprints. Die Aussichten auf ein richtiges Mannschaftstraining ab nächster Woche sind natürlich verlockend. „Die Jungs sind heiß“, sagte SCK-Geschäftsführer Ralf Stübben, „aber da kommt auf die Vereine ein Organisationsmonster zu.“ Schließlich müsse sich jeder Spieler vor den drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche testen lassen und das müsse auch überprüft werden. Stübben: „Wir müssen gucken, wie wir das umsetzen können.“

Die Tischtennisspieler der DJK Holzbüttgen betreiben eine reine Hallensportart. „Aber auch wir wollen natürlich so schnell wie möglich wieder loslegen“, sagte Jugendkoordinator Jens Rustemeier. Dass es schon nächste Woche wieder losgeht, sieht er nicht, denn zunächst müsse geklärt werden, wie der Gesamtverein die Situation sieht und ob die Stadt Kaarst die Halle wieder freigibt. „Und dann müssen wir ja auch noch die Organisation mit der Testkontrolle stemmen“, erklärte Rustemeier. Beim AC Ückerath wird mit Ringen ebenfalls ein Hallensport angeboten. Die Kaderathleten dürfen wegen einer entsprechenden Sonderreglung schon lange wieder in die Halle. Für die sechs- bis Zwölfjährigen soll es nächste Woche zunächst ein Outdoot-Training geben, die Resonanz ist groß.

Ein Vorgehen, das ganz im Sinnen des Sportbundes Rhein-Kreis Neuss ist. „Die neuen Perspektiven sind begrüßenswert. Aber wir empfehlen, die Schritte mit großer Wachsamkeit zu gehen“, sagte der Vorsitzender Hermann-Josef Baaken. „Lieber ein Tag länger warten als ein Schnellschuss. Schließlich sollen die Menschen unbesorgt Sport treiben.“

Aufrufe: 028.5.2021, 09:00 Uhr
RP / David BeinekeAutor

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