– Foto: Frank Vieten

Fußballer sind für Annullierung der Saison

Bei einer Videokonferenz fragte der Fußballkreis Grevenbroich/Neuss das Stimmungsbild unter den heimischen Klubs mit Seniorenteams ab. Die große Mehrheit sprach sich dafür aus, die aktuelle Spielzeit nicht fortzusetzen.

Während die meisten Sportarten mit einem Meisterschaftsspielbetrieb wegen der mit der anhaltenden Corona-Pandemie verbundenen Unwägbarkeiten im Amateurbereich bereits einen Saisonabbruch vollzogen haben, tut sich der Fußball am Niederrhein unheimlich schwer mit dieser Entscheidung.

Allerdings mehren sich die Zeichen, dass es nach der jüngsten Verlängerung des Lockdowns bis zum 18. April auf eine Annullierung der aktuellen Spielzeit hinausläuft. Wolfgang Jades hatte das als Vorsitzender des Verbands-Fußballausschusses bereits vergangene Woche wohl auch auf Basis von Befragungen der Vereine mit Mannschaften auf Verbandsebene angedeutet. Eine Videokonferenz des Fußballkreises Grevenbroich/Neuss am Dienstagabend mit Vertretern aller Kreisvereine bestätigte diese Tendenz.

„Die überwiegende Meinung war, dass es keinen Sinn ergibt, die Saison fortzusetzen“, sagte Kreisvorsitzender Dirk Gärtner mit Blick auf den Umstand, dass 46 von 48 Kreisvereinen nicht weiterspielen wollen. „Und die beiden anderen haben keine begründeten Gegenargumente gebracht, sondern meinten, dass sie die Saison wohl zu Ende bringen könnten, weil sie ohnehin nur eine Mannschaft im Spielbetrieb hätten“, meinte Gärtner. Wichtig ist ihm, noch mal zu betonen, dass es sich um eine Annullierung der Saison handeln würde, bei der es weder Auf- noch Absteiger gibt. Einen Abbruch würde die Satzung des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) nicht hergeben, weil sie nach der ersten von Corona betroffenen Saison (2019/2020) entsprechend angepasst worden war.

Bis vorige Woche hatte der FVN mit Blick auf die Beschlüsse der Bundesregierung mit der Ministerpräsidentenkonferenz von Anfang März noch darauf gehofft, dass die Mannschaften eventuell nach Ostern wieder in voller Stärke mit dem Training beginnen könnten. Doch mit steigenden Infektionszahlen und einer „Notbremse“ der Politik, hat sich auch dieser Hoffnungsschimmer schnell wieder erledigt. Und weil die Saison laut der Statuten bis spätestens 30. Juni beendet sein muss, den Mannschaften aber auch mindestens vier Wochen Vorbereitungszeit vor einem Neustart zugestanden wurden, wird das Zeitfenster für eine mögliche Fortsetzung der Saison immer kleiner. Auch wenn vorsorglich in der Satzung verankert worden war, dass nur 50 Prozent der Spiele einer Staffel absolviert werden müssen, um die Saison regulär über die Bühne zu bringen.

Um ein möglichst breites Meinungsbild einzuholen, hat der FVN nicht nur mit den Vereinen gesprochen, die in Verbandsklassen (Bezirksliga bis Oberliga) vertreten sind, er hatte auch alle 13 Fußballkreise in seinem Zuständigkeitsbereich gebeten, sich an der Basis umzuhören. Bei der Videokonferenz mit dabei war auch Dirk Alertz, Fußball-Abteilungsleiter beim SC Grimlinghausen. Obwohl die Grimlinghausener nach elf Spielen an der Tabellenspitze der Kreisliga stehen und mit dem Aufstieg liebäugelten, hat auch er sich für die Annullierung stark gemacht: „Alles andere hat wenig Sinn. Es bringt nichts, sich an einem Strohhalm festzuhalten, die Zeit läuft uns doch weg.“ Den SC Kapellen vertrat Geschäftsführer Ralf Stübben: „Wir wollen auf den Platz, aber die Realität spricht dagegen. Mit jedem Tag der vergeht, wird ein Neustart unwahrscheinlicher und wir können die neuen Saison planen.“ Ein Argument der Vereine gegen eine Fortführung der Saison um jeden Preis war auch, dass es wichtiger sei, dass Kinder und Jugendliche schnell wieder auf die Plätze kommen, wenn es erlaubt ist. „Ich finde, dass ist eine tolle Botschaft“, erklärt Dirk Gärtner.

Der Kreisvorsitzende wird nächste Woche Donnerstag wie seine zwölf Amtskollegen im Verbandsbeirat die Meinung der Basis vortragen. Doch obwohl das das Gremium ist, was am Ende auch über eine Annullierung der Saison bestimmt, wird dann noch keine Entscheidung fallen. Anschließend soll noch abgewartet werden, wie die Beschlüsse der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz Mitte April ausfallen. „Wenn wir dann wissen, wie die Rahmenbedingungen für den Sport sind, können wir berechnen, zu welchem Zeitpunkt die Saison auch mit der 50-Prozent-Regel nicht mehr zu Ende gebracht werden kann“, erklärt Gärtner. Dabei, so der Kreisvorsitzende, müsse sich der Verband nach der kleinsten Staffelgröße richten. Denn solange eine Liga noch Zeit habe, um die nötigen Spiele zu absolvieren, könne es theoretisch sein, dass ein Verein den Weg der Sportgerichtsbarkeit beschreite, um sich eventuell auf diesem Weg den Aufstieg zu erstreiten. „Und das soll unbedingt vermieden werden“, betont Gärtner.

Aber auch wenn die Meisterschaftssaison tatsächlich annulliert wird, heißt das nicht, dass die Seniorenteams vor der Sommerpause nicht mehr auf den Platz zurückkehren. Der Kreis denkt darüber nach, wenigstens den Pokalwettbewerb und Freundschaftsspiele auszurichten, wenn es die Pandemie zulässt. Im Raum steht auch weiter ein früherer Beginn der nächsten Saison. „Dann hätten wir mehr Luft nach hinten, wenn uns Corona weiterhin Probleme bereitet“, sagt Reinhold Dohmen, Vorsitzender des Kreisfußballausschusses.

Aufrufe: 02.4.2021, 05:35 Uhr
RP / David BeinekeAutor

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