
Nur 2.512 Zuschauer fanden den Weg ins Ratinger Stadion, um der Viertelfinal-Begegnung um den Niederrheinpokal zwischen dem heimischen Oberligisten Ratingen 04/19 und dem amtierenden Tabellenführer der Regionalliga West, dem MSV Duisburg, beizuwohnen. Nach zäher erster Halbzeit nahm das Spiel im zweiten Durchgang mehr Fahrt auf. In letzter Sekunde gelang Ratingen der Ausgleich, sodass es in die Verlängerung ging. Jesse Tugbenyo sorgte mit einem Traumtor für die Entscheidung in der 112. Minute.
Schwungvoll startete der Gast aus Duisburg in die Partie. Schon im gegnerischen Strafraum begann das Pressing. So eroberte Luis Hartwig bereits in der zweiten Spielminute den Ball, sein Zuspiel fand in der Mitte aber keinen Abnehmer. Einen ersten Akzent in der Offensive setzten die Hausherren nach acht Zeigerumdrehungen, als es Ali Can Ilbay aus der Distanz versuchte. Die MSV-Defensive war aber hellwach und konnte den Schuss abwehren. Hartwig war es wiederum nur vier Minuten später, der an einem starken Reflex von Luca Fenzl am Führungstreffer für den MSV scheiterte. In der Folge kam 04/19 immer besser in die Partie und es entwickelte sich eine Schlacht im Mittelfeld. Schnelles Kurzpassspiel war aufgrund des desolaten Zustandes des Rasens ohnehin nicht möglich.
Die bis dato beste Chance vergab Jonas Michelbrink nach einer halben Stunde. Er bekam den langen Einwurf von Moritz Montag genau auf den Fuß, doch wieder zeigte Fenzl eine überragende Reaktion. Kapitän Alexander Hahn, eigentlich Abwehrchef der Zebras, tauchte zwei Minuten später im Ratinger Strafraum auf und gewann das Luftduell gegen den herauseilenden Ratinger Schlussmann. Sein Kopfball ging allerdings über den Querbalken. Mehrfach verhinderte ein Ratinger Fuß den finalen Pass der Gäste. Das gelang aber nicht, als Montag über die rechte Seite marschierte und eine scharfe Hereingabe auf Hartwig absetzte. Der vollstreckte aus vollem Lauf und kurzer Distanz zur Führung für den großen Favoriten kurz vor der Pause (41.)
In den ersten zehn Minuten nach Wideranpfiff passierte nicht. Beide Teams waren zuvor ohne Wechsel aus der Kabine zurück auf das Feld gekommen. Ratingen erwischte aber den besseren Start und kamen nach einer Ilbay-Ecke, die perfekt auf den Kopf von Phil Spillman kam, zum Ausgleich. Dietmar Hirsch reagierte umgehend und brachte mit Jan-Simon Symalla und Steffen Meuer zwei neue Akteure für die Offensive. Und das Duo war keine 60 Sekunden auf dem Platz, als Michelbrink einen Freistoß hoch in den Ratinger Strafraum brachte. Da wartete Meuer und köpfte aus kurzer Distanz zur erneuten Duisburger Führung ein (63.). Kurz darauf erschwerten sich die Ratinger die erhoffte Aufholjagd selbst. Gianluca Silberbach stieg brutal im Mittelfeld gegen Michelbrink ein. Schiedsrichter Felix May zögerte keine Sekunde und zückte gleich die Rote Karte (71.).
In der Schlussphase warf Ratingen alles nach vorn, öffnete so aber auch Räume, die die Gäste zum Kontern einluden. Symalla vergab nach einem starken Solo-Lauf die Entscheidung, als er am starken Fenzl scheiterte (83.). Wenige Augenblicke später kam ein Zuspiel auf den Youngster zu ungenau. Gefährlicher wurde es durch Jesse Tugbenyo, der kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit die Latte zum Beben brachte. Ratingen gab sich nicht auf und nutzte durch Phil Spillmann einen Fehler in der Duisburger Defensive, um mit der letzten Aktion der regulären Spielzeit den Ausgleich zu erzielen. Es ging also in die Verlängerung.
Vom späten Ausgleich beflügelt, ging Ratingen mit viel Selbstvertrauen in die Verlängerung. Ilbay leitete Angriff nach Angriff ein, konnte aber die letzte Kette nicht überwinden. Auf der Gegenseite setzte sich Symalla stark im Strafraum durch, spielte den Pass zu Tugbenyo aber zu unplatziert, sodass der diesen nicht verwerten konnte. Meuer vergab gleich mehrere Großchancen denkbar knapp. Das alles spielte sich innerhalb weniger Minuten ab. Kurz vor der Pause in der Verlängerung musste 04/19 den nächsten Platzverweis hinnehmen. Tim Potzler sah nach einer vermeintlichen Tätlichkeit glatt Rot.
Aus der doppelten Überzahl konnte der MSV kein Kapital schlagen. Zunehmend frustriert liefen die Spieler über den Platz, während Ratingen aufopferungsvoll kämpfte. 112 Minuten waren absolviert, als Tugbenyo erkannte, dass Fenzl zu weit vor seinem Kasten stand. Aus rund 20 Metern überlupfte er den Ratinger Keeper und brachte den MSV zum dritten Mal an diesem Nachmittag in Führung. Dem erneuten Rückschlag konnte Ratingen nichts mehr entgegensetzen.
