
1.Eintracht Spandau – RFC Liberta 1:1
25.Spieltag Kreisliga C Berlin Staffel 2 Saison 2025/2026
Sonntag, 03.05.2025 14:15 Uhr
Stadion Haselhorst
20 Zuschauer
Der Muschelpo hat wirklich sehr selten einen Bock. Aber wenn, braucht es einiges an Geschick und gutes Zureden, um ihn da rauszuholen.
An diesem Samstag war es mal wieder so weit und der Sohnemann saß weinend auf dem Bordstein und wollte plötzlich und unbedingt zu Karls Erdbeerhof.
Es ist nicht so, dass wir diesem Wunsch generell abgeneigt gewesen wären. Aber es war ein verlängertes Wochenende mit fast 30 Grad und zum Zeitpunkt des Bocks war es auch schon kurz nach zwölf.
Der Erdbeerhof ist zu dieser Zeit immer schon brechend voll und gerade an einem sonnigen, langen Wochenende wie diesem ist es dort oft ein Horror.
Doch wie den kleinen Mann nun auf eine andere Fährte bringen?
Plötzlich klingelte es ganz hinten in meinem Schädel: Vor Kurzem wollte der junge Mann gerne mit Papi zur Fußball-Arbeit und war ganz begierig darauf, sich mal wieder an der Spiegelreflex zu probieren.
Ein Blick auf die Uhr, ein kurzes Überschlagen der Optionen und ich konnte ihm einen passablen Plan kredenzen:
Wir könnten zu seiner Omi fahren und von dort ins Stadion Haselhorst laufen, um das Spiel von Eintracht Spandau gegen den RFC Liberta zu fotografieren.
Ich hatte beide Teams noch nie gesehen, was bei der Eintracht natürlich nicht verwunderlich ist – gibt es den Verein ja auch noch nicht so lange.
Und eigentlich stehe ich diesem Verein skeptisch gegenüber. Und das, obwohl er aus Spandau kommt.
Zu sehr habe ich bei der Gründung der Fußballabteilung von Eintracht Spandau an Delay Sports denken müssen, die ja nun alles andere als ein normaler Verein sind.
Auch, dass die Eintracht den Club Italia aus dem Stadion Haselhorst gedrängt haben soll, war mir lange ein Dorn im Auge. Allerdings kristallisierte sich da eher heraus, dass die Haselhorster Alemannia keinen Verein im eigenen Nest haben wollte, der sportlich besser ist und daher beim Sportamt Spandau etwas mehr Bedarf im Stadion anmeldete, als eigentlich nötig war.
Und auch dieses generelle „Interesse am Fußball an sich“, was man bei Spielen von Delay irgendwie immer verspürt, ist hier nicht gegeben.
Es rennen keine Kids herum, die nur da sind, um ein Selfie mit irgendeinem Influencer haben zu wollen und am Ende enttäuscht sind, dass ihre Zahnspange den Blitz reflektiert hat und das Foto selbst mit einer KI nicht mehr zu retten ist.
Nein, nein. Das Spiel hier fühlte sich an wie ein ganz normales Kreisliga-C-Spiel. Was vielleicht etwas anders war, waren drei Herren hinter einer Eintracht-Spandau-Fahne, die aber ziemlich mit ihrer Mannschaft mitfieberten.
Ich breitete die Decke für den Lütten aus und dieser begann auch mit seinen mitgebrachten Autos diverse Szenen aus Cars 3 nachzuspielen. Ich hingegen begann damit, Spielszenen auf der SD-Karte für die Nachwelt festzuhalten.
Es dauerte gar nicht lange, da hatte ich das 0:1 für Liberta vor der Linse: Eine clevere, flach hereingebrachte Eckballvariante brachte die frühe Führung für die Gäste.
Kurz danach sprach mich eine junge Frau an. Sie gehörte zur Eintracht Spandau und wollte von mir nur wissen, für wen ich da Fotos mache. Offenbar hatte man hier schon schlechte Erfahrungen, speziell bei Spielen der Damen, mit unbekannten Fotografen gemacht.
Aber nachdem ich erklärt hatte, wer ich war und dass ich lediglich die FuPa-Welt mit Bildern füttern wollte, war alles gut.
Dann war auch schon Pause und der Sohnemann und der Papa gönnten sich ein Eis.
Im zweiten Abschnitt wurden die Spandauer immer stärker und konnten in der vierten Minute der Nachspielzeit den verdienten Ausgleich erzielen.
Der Muschelpo hatte sich bereits kurz nach der Pause von Mami und Omi abholen lassen. Daher verließ ich alleine den Platz.
Schade eigentlich. Ich hätte den Bericht gerne mit einem Zitat aus den Geschichten beendet, die man früher beim Sandmännchen gesehen hat: „Und Pikedi und Frederik gingen nach Hause.“
So muss ich mir ein Fazit aus den Fingern saugen: Eintracht Spandau ist mir heute etwas sympathischer geworden – auch wenn ich noch nicht so ganz schlau aus der ganzen Sache geworden bin.
Nächsten Samstag wird es dann zu Karls gehen.
Der Kutten König