Bald Realität? Nur wer geimpft oder genesen ist, darf noch mitspielen.
Bald Realität? Nur wer geimpft oder genesen ist, darf noch mitspielen. – Foto: Imago R.Seidel Imagery/Montage FuPa

2G: Ein Verrat an den Grundwerten des Fußballs

Dürfen Ungeimpfte bald nicht mehr mitspielen? Ein Kommentar von FuPa-Redakteur Mathias Willmerdinger

"Es sind die Impfungen, die für uns als Gesellschaft die Pandemie beenden werden und sonst nichts." Diesen Satz hat Prof. Dr. Tim Meyer, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des DFB, zuletzt in einem Interview gesagt. Es ist klar, in welche Richtung es gehen soll. Gut oder böse - geimpft oder ungeimpft. Der politische und mediale Druck auf Menschen, die sich bisher nicht die Spritze(n) gegen das Corona-Virus haben setzen lassen, steigt immer mehr. In fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens werden Ungeimpfte mittlerweile ausgeschlossen. Und auch im Amateurfußball wird immer mehr deutlich, wo die Reise hingeht: Ungeimpfte sollen bald nicht mehr mitspielen dürfen! Kommt 2G verpflichtend, werden viele Vereine vor allem im ländlichen Raum die Existenzfrage stellen müssen. Beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV) müssten sämtliche Alarmglocken schrillen. Gesunde Menschen kategorisch vom Fußball ausschließen, weil sie nicht geimpft sind? Ein großer Fehler findet FuPa-Redakteur Mathias Willmerdinger.

Der BFV baut schon mal für den Fall der Fälle vor. Freilich werde der BFV die 2G-Regelung im Amateurfußball umsetzen, wenn es die staatlichen Vorgaben erfordern. Kein entschlossener Protest gegen politische Entscheidungen! Pflichtschuldig wird nur betont, "dass ein uneingeschränkter Spielbetrieb wieder möglich sein muss, sobald dies vertretbar ist".

Der Verband hat auch schon den sogenannten "Corona-Paragrafen" überarbeitet und sich abgesichert. Die Suppe auslöffeln dürfen wieder die Vereine. Statt klare Kante zu zeigen und sich tatsächlich für die kleinen Vereine einzusetzen, hechelt der Verband wieder nur der Politik hinterher.

Um eines klarzustellen: Der Autor dieser Zeilen ist dreimal geimpft und vom Nutzen überzeugt. Impfungen können Leben retten! Es ist aber immer noch eine persönliche Entscheidung, inwieweit der eigene Körper geschützt werden soll. So lange es keine Impfpflicht gibt, darf niemand ausgeschlossen werden. Eine flächendeckende 2G-Regelung wäre für viele Klubs vor allem im ländlichen Raum wohl der letzte Sargnagel. Schon in vor-pandemischen Zeiten war es für kleine Vereine schwer genug. Personalmangel war eher die Regel als die Ausnahme. Corona war dann ohnehin der Super-GAU für den Amateursport. Einige haben sich schlicht entwöhnt von ihrem einstigen Lieblingshobby Fußball. Und jetzt sollen nur noch Geimpfte oder Genesene mitspielen dürfen?

Sport im Freien kann nahezu bedenkenlos ausgeführt werden. Das haben zahlreiche Wissenschaftler mittlerweile hinlänglich bewiesen. Tatsächlich ist der Fußball bisher nicht als Infektionstreiber in Erscheinung getreten. Und auch der bekannte Sportmediziner Prof. Dr. Werner Krutsch sagt: "Spielt Fußball! Geht raus an die frische Luft, hier ist eine Ansteckung kaum möglich."

Und was sagt die Basis zu den 2G-Plänen? FuPa hat sich in der Region umgehört. Das Resultat ist ziemlich eindeutig. "Wir haben jetzt schon Aussagen von Spielern, dass sie nicht mehr spielen werden, wenn diese Regelung kommt", schildert ein Vereinsvertreter. Ein anderer sagt: "Bei der Einführung der 2G-Regelung müssten wir fünf, sechs Spieler ausschließen." Die 2G-Regelung würde den Personalmangel wie ein Brandbeschleuniger anheizen. Die ohnehin angespannte Kader-Situation wird sich bei vielen Vereinen noch einmal dramatisch verschärfen. Nicht wenige werden sich dann die Frage stellen müssen: Bringen wir noch eine Mannschaft zusammen? Nur so ein Beispiel: Ein Team aus der Kreisklasse muss im Frühjahr mit 14 Mann auskommen. Einer überlegt, ein Auslandssemester zu absolvieren, ein anderer wird einige Wochen wegen beruflicher Verpflichtungen fehlen. So, und dann dürfen zwei Akteure nicht mehr mitmachen, weil sie (noch) nicht geimpft sind. Da wird`s schnell dünn.

Ist es das wirklich, was wir wollen? Mannschaftskameraden ausschließen. Freunden sagen: So Jungs oder Mädels, das war`s, ihr seid raus! Die Kollateralschäden für den Fußball werden groß sein - und womöglich irreparabel. Die Zeit wird kommen, in der Corona endemisch wird und wie eine saisonale Grippe behandelt werden kann. Das prophezeien renommierte Experten. Aber die Spielerinnen und Spieler, die ausgeschlossen wurden, werden vermutlich nach Ende des ganzen Spuks nicht mehr zurückkehren. Sie hat der Fußball wohl für immer verloren. Vor allem auf dem Dorf wird dies auch zu gesellschaftlichen Verwerfungen führen.

Wofür steht aber der Fußball ganz grundsätzlich, mal abgesehen vom Leistungsgedanken? Der Deutschen liebster Sport vereint Menschen aller Couleur aus sämtlichen sozialen Schichten. Der Fußball soll zusammenführen, nicht separieren. Die Message: Egal wer du bist oder wo du herkommst, geht`s um das Spiel mit dem runden Leder, ist jeder willkommen. Die Ausgrenzung einer bestimmten Gruppe von Menschen wäre auch ein Verrat an den Grundwerten des Fußballs. Es wäre also eine große Geste des Bayerischen Fußball-Verbands, die klare Botschaft auszusenden: Bei uns wird niemand ausgeschlossen! Es wäre zudem ein wichtiges Signal gegen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Die Gräben sind ohnehin schon tief genug.



Aufrufe: 025.1.2022, 07:00 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor