– Foto: Michael Zöllner

Was Gol­fer freut, bringt Fuß­bal­lern we­nig

Nach den Lo­cke­run­gen der Lan­des­re­gie­rung hält FVN-Prä­si­dent Pe­ter Fry­muth ei­ne Fort­set­zung des Spiel­be­triebs im Ama­teur­fuß­ball trotz­dem für mög­lich. Kreis 5 ist skep­tisch. Spä­tes­ter Ter­min für Trai­nings­start wä­re wohl der 11. April.

Un­ver­hofft kommt oft. In der jüngs­ten Bund-Län­der-Run­de hat­te das The­ma Sport kaum ei­ne Rol­le ge­spielt hat, doch die ak­tu­el­le Fas­sung der Co­ro­na­schutz­ver­ord­nung in Nord­rhein-West­fa­len hält gu­te Nach­rich­ten für Sport­ler be­reit:

Seit Mon­tag ist Trai­ning, auch un­ter An­lei­tung, wie­der auf Sport­an­la­gen un­ter frei­em Him­mel ge­stat­tet, so­fern ein Min­dest­ab­stand von fünf Me­tern ein­ge­hal­ten wer­den kann.

Da­von pro­fi­tie­ren in ers­ter Li­nie In­di­vi­du­al­sport­ar­ten wie Golf, Ten­nis, Rei­ten oder auch ei­ni­ge Dis­zi­pli­nen der Leicht­ath­le­tik. Er­freut über die Lo­cke­run­gen zeigt sich je­doch auch der Ama­teur­fuß­ball, der seit dem 1. No­vem­ber kom­plett auf Eis liegt. So stellt Pe­ter Fry­muth, Prä­si­dent des Fuß­ball­ver­ban­des Nie­der­rhein (FVN), fest: „Ich bin sehr froh, dass die Lan­des­re­gie­rung nun in ei­nem ers­ten Schritt ent­schie­den hat, dass die Sport­plät­ze wie­der ge­öff­net wer­den kön­nen und ei­ne Nut­zung un­ter en­gen Vor­ga­ben mög­lich ist.“ Da­mit sieht er im Nach­hin­ein auch die Stra­te­gie der im Ver­band für den Spiel­be­trieb zu­stän­di­gen Stel­len, die sich in den ver­gan­ge­nen Wo­chen und Mo­na­ten mit Pro­gno­sen zu­rück­ge­hal­ten hät­ten, be­stä­tigt. „Die Ver­fü­gungs­la­gen ga­ben da­für kei­ne Grund­la­ge.“ Trotz­dem, ver­si­chert er, wür­den Über­le­gun­gen so­wohl für den Spiel­be­trieb auf Kreis­ebe­ne wie auch für die Spiel­klas­sen auf Ver­bands­ebe­ne an­ge­stellt, um auf Ent­wick­lun­gen vor­be­rei­tet zu sein. Und kon­kret: „Es zeich­net sich ab, dass zu­nächst die Hin­run­de fort­ge­setzt wer­den soll und der Zeit­raum bis zum 30. Ju­ni ein­ge­plant ist.“

Op­ti­mis­mus, den die Ver­ant­wort­li­chen im Fuß­ball­kreis 5 Gre­ven­broich/Neuss frei­lich nicht un­be­dingt zu tei­len ver­mö­gen. Wäh­rend der Vor­sit­zen­de Dirk Gärt­ner auf sei­ner Face­book­sei­te le­dig­lich zur Vor­sicht mahnt: „Trotz­dem müs­sen wir auf­pas­sen ...“, ist der Post von Heinz Hü­bin­ger, als Bei­sit­zer Mit­glied im Kreis­ju­gend­sport­ge­richt, ein­deu­tig: „Das bringt kei­nen Ver­ein wei­ter. Zwei Per­so­nen dür­fen trai­nie­ren!“ Auch der Lan­des­sport­bund NRW stellt klar: „Mann­schafts-/Grup­pen­trai­ning Ball­sport, Paar­trai­ning Ball­sport mit wech­seln­den Part­nern sind nicht er­laubt.“ Die seit Mon­tag gel­ten­de Co­ro­na­schutz­ver­ord­nung schafft zwar neue Aus­nah­men, un­ter­sagt aber grund­sätz­lich wei­ter­hin den Frei­zeit- und Ama­teur­sport­be­trieb auf und in al­len öf­fent­li­chen so­wie pri­va­ten Sport­an­la­gen und die Nut­zung der Ne­ben­räu­me wie et­wa Du­schen.

Au­ßer­dem drän­gen sich Rein­hold Doh­men, un­ter an­de­rem Vor­sit­zen­der im Fuß­ball­aus­schuss des Krei­ses 5, so­fort zwei Fra­ge auf: „Wenn ich fünf Me­ter Ab­stand zu mei­nem Ne­ben­mann ha­ben muss, wie soll ich denn da ver­nünf­tig trai­nie­ren kön­nen? Und was hat das dann noch mit Fuß­ball zu tun?“ Trotz­dem kön­ne er den öf­fent­lich zur Schau ge­stell­ten Op­ti­mis­mus sehr gut nach­voll­zie­hen. „Ei­nes ha­be ich in der Pan­de­mie ge­lernt: Man muss Ge­duld ha­ben – und die ha­ben lei­der vie­le nicht. Aber für mich ist das al­les Wunsch­den­ken. Ich bin da mehr Rea­list, das kommt wahr­schein­lich noch von mei­nem frü­he­ren Job als Po­li­zist.“ Wäh­rend er für den Er­wach­se­nen­fuß­ball das Licht am En­de des Tun­nels noch nicht zu ent­de­cken ver­mag, hat er im­mer­hin Hoff­nung für den Nach­wuchs­be­reich: „Wenn wir jetzt die Schu­len wie­der auf­ma­chen und se­hen, dass die In­fek­ti­ons­zah­len in den nächs­ten 14 Ta­gen sin­ken, dür­fen viel­leicht die Al­ters­klas­sen Bam­bi­ni bis zur D-Ju­gend wie­der nor­mal ih­rem Sport nach­ge­hen.“ Trotz sei­ner gro­ßen Skep­sis, was die Fort­set­zung des Spiel­be­trie­bes bei den Se­nio­ren an­be­langt, so ganz ver­stan­den hat er das strik­te Sport­ver­bot ei­gent­lich nie: „Die ho­he Po­li­tik hat den Sport seit dem 1. No­vem­ber ei­gent­lich ab­ge­hakt. Und das är­gert mich. Da­bei hat­ten wir zum Bei­spiel in un­se­rem Fuß­ball­kreis bis zum Lock­down ins­ge­samt nur 17 Ver­dachts­fäl­le, von de­nen sich ge­ra­de mal zwei be­stä­tigt ha­ben. Es gab nir­gend­wo ei­nen Hot­spot auf dem Fuß­ball­platz.“

Was müss­te pas­sie­ren, um un­ter­halb der Ober­li­ga bis zum 30. Ju­ni zu­min­dest ei­ne Ein­fach­run­de zu be­en­den? Als Bei­spiel dient die mit 15 Mann­schaf­ten be­stück­te Be­zirks­li­ga, Grup­pe 1: Für das noch zu be­wäl­ti­gen­de Pro­gramm (für die meis­ten Teams sechs oder sie­ben Spie­le) be­nö­tig­te die Li­ga (oh­ne Eng­li­sche Wo­chen) gut sie­ben Wo­chen. Da­zu kä­me ei­ne schon recht kurz be­mes­se­ne Vor­be­rei­tung von ei­nem Mo­nat, wo­mit sich der 11. April als Ter­min für den Re­start an­bö­te. „Ist bis da­hin der Kon­takt­sport nicht wie­der er­laubt, wür­den wir die Sai­son ab­bre­chen“, sagt Doh­men. Laut Sat­zung gä­be es kei­ne Auf- und Ab­stei­ger. Ei­ne Ver­län­ge­rung der Spiel­zeit ist nicht mög­lich, da das vom Welt­ver­band FI­FA fest­ge­leg­te Da­tum 30. Ju­ni bis hin­un­ter zur Kreis­li­ga C gilt.

Seit Mon­tag gilt die neue Ver­ord­nung

Aus­nah­me­re­ge­lun­gen Nach wie vor ist der Frei­zeit- und Ama­teur­sport­be­trieb auf und in al­len öf­fent­li­chen und pri­va­ten Sport­an­la­gen, Fit­ness­stu­di­os, Schwimm­bä­dern und ähn­li­chen Ein­rich­tun­gen un­zu­läs­sig. Für Au­ßen­sport­an­la­gen gel­ten ab so­fort die­se Aus­nah­me­re­ge­lun­gen:

A) Zu­läs­sig oh­ne Ab­stands­ge­bot ist „der Sport al­lein, zu zweit oder aus­schließ­lich mit Per­so­nen des ei­ge­nen Haus­stan­des auf Sport­an­la­gen un­ter frei­em Him­mel ein­schließ­lich der sport­li­chen Aus­bil­dung im Ein­zel­un­ter­richt.

B) Soll­ten sich gleich­zei­tig meh­re­re Per­so­nen oder Per­so­nen­grup­pen auf der glei­chen Sport­an­la­ge auf­hal­ten, so ist zwi­schen die­sen Per­so­nen­grup­pen dau­er­haft ein Min­dest­ab­stand von 5 Me­tern ein­zu­hal­ten.

C) Die Nut­zung von Sport­an­la­gen in meh­re­ren gleich­zei­tig trai­nie­ren­den, or­ga­ni­sier­ten Grup­pen un­ter An­lei­tung ei­nes Trai­ners oder Übungs­lei­ters ist je­doch un­zu­läs­sig (auch bei Ein­hal­tung der er­laub­ten Per­so­nen­zahl in je­der ein­zel­nen Grup­pe).

D) Die Nut­zung von Ge­mein­schafts­räu­men ein­schließ­lich Räu­men zum Um­klei­den und Du­schen ist un­zu­läs­sig.

313 Aufrufe26.2.2021, 07:00 Uhr
RP / Dirk SitterleAutor

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