
Wenige Minuten vor dem Anpfiff hielt sich die Laune bei Nils Wätcke am Sonnabend noch sehr in Grenzen. "Ursprünglich hatten wir für die Partie elf Zusagen", erzählt der Spielertrainer des TSV Grün-Weiß Kleinmühlingen/Zens II: "Dann aber kamen noch zwei ganz kurzfristige Absagen rein." Also trat die TSV-Reserve nur mit neun Mann zum Nachbarschaftsduell der 1. Kreisklasse Salzlandkreis beim VfB Glöthe an - und sorgte mit dem 1:0-Erfolg in doppelter Unterzahl für eine der Geschichten der Saison.
"Die Stimmung war vor dem Anpfiff ein bisschen im Keller", berichtet Wätcke. "Natürlich ist das ärgerlich, wenn man zum Derby die Mannschaft nicht voll bekommt. Wir hätten auch absagen können, aber das ist nicht unsere Art. Wir haben für uns beschlossen: Wir stellen uns der Sache und waren auf Schadensbegrenzung aus."
Taktisch waren die Mittel der TSV-Zweiten "natürlich begrenzt", schmunzelt Wätcke. Hinten agierten die Gäste mit einer Viererkette und die vier weiteren Feldspieler "waren davor", sagt Wätcke: "Insgesamt standen wir sehr tief und haben versucht, die Räume zuzulaufen. Das hatte schon was vom Handball, weil wir alle rund um den Strafraum verteidigt haben."
Und dieser Plan ging auf. Auch weil die Kleinmühlinger mit Martin Heinrich einen starken Rückhalt hatten. "Er hat einen richtig guten Tag erwischt und uns ein paar Mal im Spiel gehalten", sagt Wätcke und betont zugleich: "Ich möchte aber niemanden hervorheben. Alle neun Mann, die wir hatten, hatten mit ihrem Einsatz denselben Anteil an diesem Erfolg."
Torschütze des entscheidenden Treffers dieses Tages war Christopher Stengel bei einem der wenigen Ausflüge nach vorne (64. Minute). "Glöthe war - wie eigentlich die meiste Zeit des Spiels - in dieser Szene hoch aufgerückt. Nach einem weiten Abschlag von unserem Keeper hat Christopher den Ball stark behauptet und cool abgeschlossen", berichtet Wätcke.
Diese Führung gaben die zu neunt und mit einem Durchschnittsalter von knapp 35 Jahren angetretenen Gäste nicht mehr her. "Wir hatten die nötige Erfahrung auf dem Rasen" sagt der Spielertrainer mit einem Schmunzeln und ergänzt: "Und wir hatten den Fußballgott an diesem Tag auf unserer Seite." Denn wenn die Gastgeber des VfB Glöthe fünf oder sechs Tore erzielt hätten, "hätten wir uns sicherlich auch nicht beschweren können", sagt Wätcke: "Glöthe hat wirklich nicht schlecht gespielt und hatte viele Chancen, aber sie hatten einfach kein Glück im Abschluss. So ist das im Fußball manchmal."
Deshalb fuhren die neun tapferen Männer des TSV Grün-Weiß Kleinmühlingen/Zens II am Sonnabend einen Auswärtssieg ein, den vor dem Anpfiff wohl nur wenige für möglich gehalten hätten. "Wir können sehr stolz auf diese Leistung sein", betont Wätcke, der selbst mit auf dem Rasen stand. "Jeder hat sich reingeworfen, jeder hat 100 Prozent gegeben - das hat dann auch richtig großen Spaß gemacht."
Wird die TSV-Reserve in der 1. Kreisklasse des KFV Salzlandkreis künftig also nur noch zu neunt auflaufen? "Den Spaß haben wir uns natürlich auch schon gemacht", antwortet der 37-Jährige mit einem Lachen und wird dann ernst: "Wir wollen in den kommenden Wochen schon wieder vollzählig sein." Berufliche Verpflichtungen, Verletzungen und Urlaub hatten den Kader zu Ostern ausgedünnt. So aber schrieben die Kleinmühlinger zu neunt eine ganz besondere Erfolgsgeschichte.