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Kommentar zur Situation in der Bezirksliga St. 4

Ignoranz und Arroganz! - Kommentar von Norbert Feder

BEZIRKSLIGA 4

Wer macht denn sowas, das fragen sich in diesen Tagen nicht nur fussball-interessierte Leute. In der Ausgabe der Aachener Nachrichten/Zeitung war zu lesen, dass der FVM Verbandsspielausschuss einen Verein aus dem FVM Kreis Bonn in die Bezirksliga Mittelrhein Staffel 4 eingliedert. Die für diese Entscheidung relevanten Argumente wurden von den Verbandsverantwortlichen ausführlich dargelegt.

Warum wird das in der Öffentlichkeit nicht verstanden? Weil diese Entscheidung unverhältnismäßig ist. Die finanziellen Folgen für den Verein sind enorm und die klimarelevanten Auswirkungen sind nicht vermittelbar.

Im Einzelnen: Diese Entscheidung führt dazu , dass der Verein SV Niederbachem Distanzen zu Auswärtsspielen von bis zu 100 km (einfache Strecke) zurücklegen muss. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass die Einnahmen bei Heimspielen aufgrund der minimalen Bereitschaft der Anhängerschaft der Spielgegner diese Belastungen in Kauf zu nehmen, erheblich sinken werden. Viele Leute fragen sich mit Recht , warum ausgerechnet ein Fußballverband die aktuellen gesamtgesellschaftlichen Probleme im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels und den explodierenden Energiepreisen ignoriert.

Wie glaubhaft ist es, wenn einerseits der Präsident des größten und reichsten Sportverbandes (DFB) bei der Politik vorstellig wird, um für die Unterstützung von Vereinen zu werben, deren Existenz durch die explodierenden Energiepreise gefährdet ist und andererseits Landesverbände (FVM) hingehen und Vereine mit Maßnahmen wie im vorliegenden Fall in eine finanzielle Krise drängen?

Der Öffentlichkeit zu vermitteln, das diese Maßnahmen alternativlos seien, ist äußerst fragwürdig. Die Fragen welche noch nicht erörtert worden sind: Wie konnte es zu dieser Situation kommen? War der Antrag des SV Niederbachem regelkonform? Aus heutiger Sicht war er regelkonform, was durch das Urteil des höchsten Rechtsorgan des WDFV bestätigt wurde.

Warum und wieso wurde die Situation von Seiten des Verbandsspielausschuss falsch eingeschätzt? Selbst wenn das oberste Rechtsorgan des FVM den Antrag des Vereins zurückgewiesen hat, konnte der Verbandsspielausschuss nicht zwingenend davon ausgehen, dass letztinstanzlich das WDFV-Verbandsgericht zum gleichen Urteil kommen würde.

Hier liegt ein wesentlicher Grund für die aktuelle Problematik und die Frage lautet: Warum wurde hier keine Risikoabschätzung getätigt bzw. ein Weg für einen etwaiges Worst-Case-Szenario erarbeitet. Übrigens werden vier der acht Sitze im WDFV-Verbandsgericht durch den FVM entsandt. Vielleicht hätte ein Meinungsaustausch im Vorfeld auch Sinn gemacht.

Eine weitere Frage stellt sich: Warum sind zwischen dem Zeitpunkt des Antrages und des letztinstanzlichen Urteils fast 3 Monate vergangen? Hätte dieses Verfahren nicht vor Saisonbeginn abgeschlossen werden können? Diese Fragen muss der FVM beantworten !

Dem Fussball im Allgemeinen schaden solche Entwicklungen, die Amateurvereine leiden einsam vor sich hin. Solidarität zwischen den Vereinen ist, ob der von vielen Vereinen befürchteten Konsequenzen, eher selten. Fussballfunktionäre vor allem in Verbandsgremien sollten immer das Wohl der Vereine im Blick haben. Ist das in diesem Fall so?

Viele Ehrenamtler in den Amateurvereinen leiden nicht zuletzt auch unter solchen unverständlichen Entscheidungen der Verbandsführungen. Eines sollte man in den Führungsetagen der Verbände immer beachten, wenn der letzte Ehrenamtler und der letzte Amateurverein die "Segel streicht" - dann braucht man die Verbände und ihre Funktionäre nicht mehr.

Aufrufe: 019.9.2022, 15:00 Uhr
Nico DahlmannsAutor