Am Wochenende rollt vielerorts wieder der Ball.
Am Wochenende rollt vielerorts wieder der Ball. – Foto: Timo Babic

Kommentar: Hatten wir wirklich eine Sommerpause?

Am Wochenende starten die ersten Amateurligen am Niederrhein wieder in den Pflichtspielbetrieb. Aber hatten wir nicht gerade erst den letzten Spieltag? Gefühlt gab es kaum ein Durchatmen.

Da geht sie nun also am Wochenende schon los, die Fußball-Saison 2022/23 bei den Amateuren am Niederrhein. Und, hatten wir wirklich eine Sommerpause? Einige Ligen waren am 19. Juni noch im regulären Einsatz, es folgten noch einige Relegationsspiele da und dort, und in der Regionalliga begann der Pflichtspiel-Betrieb bereits am 22. Juli wieder. In der Summe war die Phase ohne Pflichtspiele also noch nicht einmal vier Wochen lang.

Ein besonderes Problem war das für den 1. FC Bocholt. Der absolvierte am 10. Juni sein letztes Pflichtspiel bei der SSVg Velbert, und musste am 23. Juli schon wieder zum nächsten Pflichtspiel der Regionalliga bei Mitaufsteiger 1. FC Düren antreten. Die Pause war also gerade 43 Tage lang. Trainer Jan Winking hatte also die Wahl zwischen einer zu kurzen Regeneration und einer zu kurzen Vorbereitung. Wie sich das am Ende auswirken wird, lässt sich wahrscheinlich erst zu einem späteren Zeitpunkt bewerten.

Ganz so krass war die Situation bei den meisten Mannschaften nicht, aber wirklich durchpusten konnten auch nur Wenige. Und so ist aus den Gesprächen mit Verantwortlichen Am Niederrhein nicht selten zu hören, dass das alles andere als optimal sei.

Die Schuld dafür dann allerdings an Verbände und Funktionäre auszulagern, wäre auch nicht richtig. Denn der FVN hat vor der Saison beispielsweise die Oberligavereine gefragt, ob sie eine normale Saison mit Hin- und Rückrunde absolvieren wollen oder es bei dem Modell mit einer Hinrunde und einer Meister- und Abstiegsrunde aus der abgeschlossenen Saison bleiben soll, das etwa zehn Pflichtspiele weniger bedeutet. Ein Gros der Vereine hat sich dabei für die reguläre Saison entschieden, obwohl das 40 Saisonspiele bedeutet. Immerhin hat der Verband sich vorbehalten, auf den anderen Modus umstellen zu können, sollte die Pandemie im Herbst wieder zuschlagen, was sich bei der aktuellen Inzidenz wohl kaum ausschließen lässt.

Große Unterschiede in den Spielplänen

Die kommende Spielzeit wird auf jeden Fall dazu dienen, die Gruppenzahl in der Landes- und Bezirksliga wieder auf den Wert zu bringen, den die Ligenreform vor einigen Jahren zutage gefördert hatte. Deswegen sind in den Landes- und Bezirksligen noch immer weniger Mannschaften unterwegs als in vielen Kreisligen. Denn den 40 Partie der Oberligisten stehen in Landesliga, Gruppe 1 etwa nur 26 Spiele für die Teams gegenüber. In der Saison 2023/24 ist dann das Niveau vor der Pandemie mit zwei Landesligen und sechs Bezirksligen wieder erreicht. Das hat in dieser Saison aber noch einmal zur Folge, dass prozentual mehr Mannschaften werden absteigen müssen. In den Landesligen 2 und 3 etwa müssen vier von 14 Mannschaften absteigen, da ist es kein Wunder, dass sehr viele Teams erst einmal den Verbleib in der Liga als Ziel ausgeben. Klar ist aber auch, dass ein Fehlstart bei so wenigen Pflichtspielen schnell teuer werden kann.

Einen weiteren Effekt hatte die Pandemie aber auch. Es war ein Trend festzustellen, dass mehr Spieler ihrem Verein treu geblieben sind oder gar zu einem Ex-Verein zurückkehrten, weil sie sich dort an eine gute Zeit erinnerten. Vielleicht kann das zu etwas mehr Identifikation führen, womöglich ist das aber auch nur ein frommer Wunsch. Ob das wirklich nachhaltig ist, wird auch erst die Zeit zeigen.

Aufrufe: 06.8.2022, 11:00 Uhr
Sascha KöppenAutor