
Nazir Saridogan ist beim FV Biebrich 02 längst mehr als nur Trainer. Seine erneute Verlängerung beim Verbandsligisten wirkt deshalb fast wie eine Formsache – und doch ist sie alles andere als selbstverständlich. 14 Jahre an der Seitenlinie desselben Vereins, in der sechsten Liga, im modernen Fußball: Das ist heute eigentlich undenkbar.
Während andernorts Trainer im Jahrestakt ausgetauscht werden, ist in Biebrich das Gegenteil der Fall. Hier bleibt der Trainer – und die Mannschaft verändert sich immer wieder. Dass dieses Modell funktionieren kann, ist vor allem Saridogans Verdienst. Er hat es verstanden, sich neu zu erfinden, ohne sich dabei untreu zu werden. Der Umbruch vor zwei Jahren war dafür das beste Beispiel: Mit dem Wechsel auf ein 3-4-3-System stellte er die Stärken seiner Spieler in den Mittelpunkt – mit sichtbarem Erfolg. Akteure wie Maurice Pinger, Nikos Iosifidis, Elias Walter, Tom Luft (jetzt beim SV Gonsenheim) oder Derrick Amoako machten enorme Entwicklungsschritte, der fast perfekte Lauf mündete beinahe im Aufstieg in die Hessenliga. Mit neuem Elan, einer aufblühenden Mannschaft und Offensivfußball, der Freude macht.
Der Respekt innerhalb der Mannschaft und bei Trainerkollegen ist entsprechend groß. Saridogan gilt als jemand, der zuhört, anpasst, mitgeht – und dennoch klare Linien vorgibt. Dass er es geschafft hat, die hauseigenen Talente zu absoluten Leistungsträgern zu formen, eröffnete auch für ihn und den Verein neue Möglichkeiten. Längst schaut man bei Neuzugängen zuerst im eigenen Stall, bevor der Blick nach außen geht. Möglich wird diese nachhaltige Entwicklung auch durch klare Strukturen im Hintergrund: Sportlicher Leiter David Schug hält Saridogan in organisatorischen und planerischen Fragen konsequent den Rücken frei – sodass sich der Trainer voll und ganz auf das Sportliche konzentrieren kann. Ein Zusammenspiel, das trägt.
Im Profifußball werden Trainer selten so lange getragen – allenfalls Ausnahmefiguren wie Frank Schmidt in Heidenheim oder Christian Streich in Freiburg bilden die bekannten Gegenbeispiele. Sich an einem Verein nach 14 Jahren noch nicht satt gesehen zu haben, ist ein Zeichen dafür, dass diese Ära noch nicht am Ende ist. Und vielleicht auch die schönste Bestätigung dafür, dass der FV Biebrich 02 für Nazir Saridogan längst mehr ist als nur eine Station: Es ist seine Fußballheimat.