2024-02-23T08:22:50.674Z

Kommentar
Luc Holtz
Luc Holtz – Foto: paul@lsn.sarl (Archiv)

Kommentar: die unvollendete Mission des Luc H.

Die monatliche Kolumne von Laurent Schüssler handelt von Nationaltrainer Luc Holtz

Um es gleich vorneweg zu sagen: die 17 Punkte, die Luxemburg im Laufe dieser EM-Qualifikation gesammelt hat, sind außergewöhnlich und haben die Latte für die Zukunft sehr hoch gelegt.

Ein solches Total ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Das werden uns die kommenden Monate zeigen, wenn es gilt, diese Leistung zu bestätigen. Einige Zahlen, um diesen fußballerischen Coup besser einschätzen zu können: die FLF-Auswahl wird von der bekannten Internetseite „transfermarkt.de“ aktuell mit einem Gesamtwert von 30,8 Millionen Euro bewertet (Weltranglistenplatz 87). Sie besiegte Bosnien-Herzegowina im Verlaufe dieser Kampagne zweimal. Dabei hat die Elf vom Balkan aktuell einen Wert von 86,4 Millionen Euro (also fast das Dreifache Luxemburgs) und steht in der Weltrangliste auf Platz 63. Gegen Island wurden vier von sechs Punkten geholt (mit etwas mehr Glück wären es deren sechs geworden); Islands Mannschaft wird auf 40,7 Millionen Euro geschätzt (Weltranglistenposition 67). Gegen die Slowakei (über 167 Millionen Euro „schwer“ und auf Position 50 der Weltrangliste stehend) sprang nur ein Punkt heraus, doch Luxemburg war in der Gruppe J neben Portugal die einzige Nation, die den Slowaken überhaupt einen Punkteverlust beibringen konnte.

Der Architekt dieser herausragenden Leistung heißt Luc Holtz. Ganz gleich wie man zur Person Luc Holtz steht, gebührt dem Nationaltrainer Anerkennung für das jetzt Geleistete. Trotz der beiden Debakel gegen Portugal, trotz so mancher diskutabler Personalpolitik (wie z.B. im Fall von Rodrigues oder der Gebrüder Thill) und trotz dem Umstand, dass er es (noch) nicht schaffte, Dany Mota von der Luxemburger Nationalelf zu überzeugen. Doch das ist Wehklagen auf hohem Niveau, wenn man bedenkt, wo Luxemburg noch vor zehn, fünfzehn Jahren stand.

Dass jetzt Diskussionen aufkommen, ob der zum Jahresende auslaufende Vertrag mit dem Nationaltrainer, verlängert werden soll oder nicht, ist Nonsens. Es gibt sicherlich gute Gründe sich zu überlegen, ob man nach dreizehn Jahren (eine außergewöhnlich lange Zeit im Fußballgeschäft) mit dem immer gleichen Trainer nicht einen Wechsel vornehmen soll. Auch auf der Trainerbank der Luxemburger Nationalmannschaft. Doch nicht jetzt – zu diesem Zeitpunkt. Die Mission von Luc Holtz ist noch nicht zu Ende. Eine Qualifikation für die Endrunde der Europameisterschaft 2024 in Deutschland bleibt weiterhin möglich! Natürlich startet Luxemburg nicht als Favorit in die Play-off-Begegnungen Ende März. Doch in einem einzigen Spiel kann die FLF-Auswahl so manchen Gegner schlagen. Es wäre grob fahrlässig, wenn der nationale Verband vor einem der wichtigsten Termine seiner Geschichte den Trainer wechseln würde. Vor allem, weil es absolut keine Not gibt – man kann Luc Holtz vieles vorwerfen, aber sicher nicht, dass er keine Resultate erzielt oder dass große Teile der Mannschaft nicht hinter ihm stehen würden.

Sollte der nationale Fußballverband mit Präsident Paul Philipp an der Spitze keine zeitnahe Einigung mit Luc Holtz finden (oder finden wollen), so muss der Vertrag zumindest jetzt gleich bis Ende Juni verlängert werden. Will der Verband unbedingt einen Wechsel forcieren (und dafür gibt es, wie bereits geschrieben, den einen oder anderen Grund), so wäre der Zeitraum vor den Qualifikationsspielen zur WM 2026 (also Juli/August) die weitaus bessere Option. Auf keinen Fall darf es vor den Play-offs zu einem Wechsel kommen!

Aufrufe: 025.11.2023, 11:30 Uhr
Laurent SchüsslerAutor