
Am Anfang war es eine Idee zur Feier des 125. Geburtstags von Borussia Mönchengladbach im August 2025. Viele frühere Borussen waren gekommen und der Klub nutzte die Gelegenheit. Die Männer, die in sieben Jahrzehnten für Gladbach gespielt haben, zogen noch einmal ihre Trikots von einst an.
Klub-Fotograf Christian Verheyen lichtete sie ab. Herausgekommen ist eine Sammlung imposanter Bilder, die nun zu einer sehenswerten Ausstellung im Vereinsmuseum „Fohlenwelt“ geworden sind, die bis Anfang November 2026 zu sehen sein wird.
„Stoff für Legenden – Borussen in ihren Trikots“ heißt die achte Sonderausstellung seit Eröffnung der Fohlenwelt 2019. Es ist die erste Fotoausstellung in der Reihe – doch es ist mehr als nur eine Bildersammlung. „Die Trikots erzählen Vereinsgeschichte“, sagte Geschäftsführer Markus Aretz am Donnerstag bei der Eröffnung der Ausstellung.
„Das Besondere ist, mit wie viel Ehrfurcht und Freude die Spieler ihre alten Trikots angezogen haben.“ Eben diese Momente sind eingefangen in den Bildern. „Man sieht, was es ihnen bedeutet, ein Teil der Vereinsgeschichte zu sein“, sagte Aretz.
Die Schau funktioniert auf zwei Ebenen. Zum einen sind da die über 70 Spieler, die abgelichtet wurden. Sie sind Geschichte und stehen für die Geschichten, die Borussia ausmachen. Normalerweise sieht man sie in jungen Jahren als Aktive, nun gibt es ihre älteren Versionen in der Dienstkleidung von einst, zwei Zeitebenen verschmelzen. Und dann sind da die Trikots, die für Fans wie Zeitkapseln sind – voller Erinnerungen an Spiele, Reisen, Erlebnisse, Emotionen.
Bei der Vernissage waren Rainer Bonhof, einst ein Mitglied der legendären Fohlenelf und heute Gladbachs Präsident, und Wolfgang Kleff dabei, der frühere Meistertorwart der Borussen. „Beim Anziehen war das Gefühl von früher sofort wieder da. Vor allem der Stolz und die Freude, das Trikot noch einmal tragen zu dürfen“, sagte Bonhof. Beim einen oder anderen spannt der Stoff etwas. „Das ist ja normal, das ist die Zeit“, sagte Kleff. Er trägt auf dem Foto in der Ausstellung das kultige Torwarttrikot mit dem vertikalen schwarzen Streifen in der Mitte – in Rot. „Eigentlich habe ich vor allem Grün und Blau getragen“, sagte Kleff.
Die Kluft von früher zu tragen, war für die Ehemaligen wie eine Zeitreise. „Alles im Leben kannst du nehmen, aber nicht die Erinnerungen. Die bleiben für immer im Kopf“, sagte Kleff. „Wenn die Spieler in Erinnerung schwelgen, wenn sie ihre Trikots wieder in die Hand nehmen und anziehen, ist das einfach schön“, sagte Fotograf Verheyen.
Es gibt einen begleitenden Katalog zur Ausstellung und einen Film. In dem trifft Trikotsammler Stefan Sandlos, der über 700 Gladbach-Trikots in seiner Kollektion hat und viele Hemden zur Verfügung gestellt hat, den Ex-Borussen Christoph Kramer, der eine große Sammlung von Trikots früherer Gegenspieler hat. „In mir macht es Wow“, sagt Kramer im Film, als er in der Sandlos-Sammlung stöbert.
„Die eigenen Trikots an einem Jugend- oder Kindheitsidol wie Hans-Günter Bruns, Ewald Lienen oder Uli Sude zu sehen, macht einen froh. Aber viel wichtiger war, zu erleben, was es in den Spielern auslöst. Das warfür uns alle das Entscheidende. Es ist einfach eine einmalige Aktion, die sich so kaum wiederholen lässt“, sagte Sandlos bei der Vernissage. „Ein Trikot ist mehr als ein Stück Stoff“, sagte Museumsleiter Matthias Rech. Das ist die Quintessenz der Ausstellung.
Info: Fans können sich dort in ihrem Lieblingstrikot fotografieren lassen. Das Foto wird dann hochgeladen und später sichtbar auf einer Projektionsfläche in der Ausstellung.