2026-05-15T09:36:57.455Z

Spielbericht

Kleefuß als Glücksbringer

von Daniel Kunze · Heute, 00:06 Uhr · 0 Leser

Es dauerte fünf Monate oder 149 Tage oder 12 Spiele oder 1.080 Spielminuten, dann war endlich der erste Punktgewinn des SV Rot-Weiß Queckenberg in der Rückrunde in Sack und Tüten. Dass Rot-Weiß Röttgen II der Ausgleich erst in der 95.Spielminute und somit quasi auf der allerletzten Rille gelang, trübte ein wenig die Freude bei Leifers Beelzebuben. Denn einen Dreier sich so kurz vor Ladenschluss noch wegschnappen zu lassen – das muss man erstmal verdauen. Doch der Madbach-Vulkan fand die richtigen Worte, um seinen Jungs trotzdem das Gefühl zu geben, heute den großen Bock endlich umgestoßen zu haben.

Nach einer heftigen 0:15 Auswärtsklatsche bei Rot-Weiß Lessenich III mussten die Kerle von der Madbach in dem vorgezogenen Heimspiel am Dienstagabend bei ihren Fans einiges wieder gut machen. Und das gelang ihnen eindrucksvoll. Bereits nach dem Anpfiff war gehörig Dampf unterm Queckenberger Kessel. Die Einheimischen suchten ihr Heil gnadenlos in der Offensive. So hatte Hermanns in der 367. Spielsekunde einen Riesen auf dem Schlappen, erwischte die Kugel aber nicht richtig – Glück für die Gäste. Diese agierten zwar etwas ballgewandter und gefälliger, doch blieben sie bis auf zwei oder drei halbe Gelegenheiten, die allesamt vom prächtig aufgelegten Wappenschmidt entschärft wurden, relativ harmlos. Ansonsten wurde nach Herzenslust geZimmert, geSchüttet, geHocket und sogar ein bisschen geBeckert und Phantomisiert! Hinten gefielen Nehring, Fatone und Meurer als gnadenlose Türsteher, die mit grimmiger Fratze unerlaubtem Personal rigoros den Eintritt in den Sechzehner verweigerten. Im defensiven Mittelfeld adelte sich Jentsch in seinem einhundertsten Pflichtspiel zum Kaiser der Blutgrätsche und setzte nebenbei auch den einen oder anderen Offensivakzent. Alles in allem überzeugte der RWQ durch eine geschlossene Mannschaftsleistung. Nach dem Motto „elf Freunde sollt ihr sein“, wurde vorbildlich für den Nebenmann mitgekämpft. Sei es ein Fehlpass gewesen oder ging ein Zweikampf verloren – sofort schmiss sich der nächste Queckie mit Heißa und Geronimo ins Gefecht und bügelte den Fehler für den anderen wieder aus. In dieses Kampfgeschwader rotierten sich die Verstärkungen von der Reservebank nahtlos hinein. Zur Pause stand auf beiden Seiten die Null.

Nach dem Seitenwechsel drückten die Madbachelfen weiter das Gaspedal durch bis aufs Bodenblech. Dabei wurde immer wieder über Wappenschmidt das Spiel aufgebaut. Doppelpässe wurden wie golden glänzende Bindfäden eingewebt, und man ergaunerte sich tatsächlich ein Mehr an Spielanteilen und Ballbesitz. Nach einer Stunde wurden die Kiebitze am Seitenrand lautstarke Zeitzeugen, denn fast schon historisches wurde vollbracht: Nehring lud an der Mittellinie die Freistoßkanone und jagte die Kugel in feindliche Gefilde. Neuzugang Kleefuß pflückte sich die Kirsche im gegnerischen Sechzehner galant vom Himmelszelt und ließ dem Schlussmann der Röttgener keine Abwehrchance. Dies bedeutete gleichzeitig die erste Führung des RWQ seit dem 15. März. Nun steppte der Papst im Kettenhemd auf dem Mount Queck. Glücksgefühle wie nach einer atemberaubenden Liebesnacht überströmten alle Anwesenden. Danach hatten u.a. Mr. Überall, Hocke und Watty die Möglichkeit, um den Siegerdrops endgültig auszuwickeln und genussvoll zu lutschen. Doch das Glück war den Gastgebern jeweils nicht hold. Als der Schiedsrichter eine fünfminütige Nachspielzeit anzeigte, begann das große Bibbern um den ersten Sieg im Jahr 2026. Zum Leidwesen aller Queckianer hielt der Fußballgott an jenem Abend nicht die Hand schützend über die Kerle von der Madbach. Kurz vor Ablauf der 300 Extrasekunden bekam man die Kugel nicht aus dem eigenen Strafraum geklärt und ein Gästespieler klaute nicht nur zwei Punkte, sondern obendrein auch noch Wappenschmidt einen Shutout. Für ein paar Minuten watete man durch ein Tal der Tränen. Doch Leifers inbrünstige, mitreisende Art, das Spielgeschehen analysieren, baute alle wieder auf und man feierte den Punktgewinn.

Ein Nachtrag zum Flutlichtspiel in Lessenich: in den letzten acht Spielminuten wurde der Kunstrasen einer extremen Belastungsprobe unterzogen. Mit Clemens Pietzsch feierte ein wahres Schwergewicht im zarten Alter von 45 Lenzen sein Pflichtspieldebüt im RWQ-Trikot! Eigentlich kämpft er jedes Heimspiel bravourös an der Frittenfront. Doch an jenem Abend tauschte der Chefsmutje den Schneebesen gegen Fußballschuhe. Und seine Statistiken waren All-Star-verdächtig: 3 Ballkontakte und eine einhundertprozentige Passquote sind eine mehr als eindrucksvolle Bilanz. Zudem schob er sich zweimal zwischen Ball und Flutlicht und verdunkelte sonnenfinsternisgleich den Lessenicher Sechzehner.

Durch den Rückzug des SC Villip II haben die Queckies nur noch ein Heimspiel vor der Brust. Am 05.06. gastiert der SV Niederbachem III auf dem Mount Queck. Und wer weiß, vielleicht kann man zum Saisonfinale dann doch noch den ersten Dreier in der Rückrunde einheimsen.