
Für Tim Richter wäre das Prädikat "Wintermeister" zwar klangvoll, aber überhaupt nicht wertvoll. Die Mannschaft aus Gera-Scheubengrobsdorf dürfte nach den jüngsten Ergebnissen als Favorit ins Duell mit zuletzt schwächelnden Gästen aus Kahla gehen...
Dabei scheint es so, als ob der TSV Gera-Westvororte und die BSG Chemie Kahla im Laufe der Hinrunde ein wenig die Rollen getauscht haben. Denn nachdem die Chemiker furios mit sechs Siegen in die Serie starteten und die Liga zu dominieren schienen, hat ihnen mittlerweile der TSV Gera-Westvororte den Rang abgelaufen. "Ohne-Worte-Westvororte" blickt auf eine Serie von neun Spielen ohne Niederlage, wobei die letzten sieben Partien allesamt gewonnen wurden. Bei den Gästen aus Kahla war das abgesagte Spitzenspiel in Schmölln ein wenig der Knackpunkt in dieser Hinserie. Nicht nur, dass die Partie im Nachgang am grünen Tisch als verloren gemeldet wurde, in der Folgezeit war auch bedingt durch weitere personelle Engpässe der Wurm drin. Kapitän Peter Rauscher fehlt der Mannschaft von Thomas Hurt bspw. schon einige Wochen und wird auch dieses Jahr nicht mehr auf dem Platz stehen. So gab es in den letzten vier Spielen drei Niederlagen für die Mannschaft vom Dohlenstein.
Doch obwohl die Form klar für Westvororte spricht, wird Tim Richter das Spiel nicht auf die leichte Schulter nehmen und erwartet ein Spitzenspiel: "Am Ende kommt es auf die Tagesform an. Wer kann den Spirit - die 100 Prozent - mehr auf den Platz bringen. Ich erwarte Kahla trotz sicher einiger Ausfälle als eine Mannschaft, die Situationen fußballerisch lösen will. Ich denke sie können uns sehr gefährlich werden. Ich erwarte ein Spiel auf Augenhöhe." Dass mit einem Heimsieg der Titel "Wintermeister" direkt mit einem kleinen Bierchen in 'Scheuben' gefeiert werden könnte, klingt für Tim Richter zwar verlockend, ist aber am Ende nicht wirklich von Bedeutung. "Wintermeister, klar klingt das schön. Aber von dem Titel kann man sich nichts kaufen. Natürlich wäre es eine schöne Momentaufnahme. Aber mehr ist es auch nicht. Es gibt auch noch eine Rückrunde. Und wenn man da nach dem letzten Spieltag oben steht, ist es sicher deutlich mehr wert", sagt er zum virtuellen Halbzeit-Titel.
Wichtiger als eine solche Bezeichnung ist für den Westvororte-Leistungsträger die Entwicklung bei seiner Mannschaft in den letzten Monaten. Der TSV hat sich nach dem nach dem Verbandsliga-Abstieg und einem "Akklimatisierungsjahr" weiterentwickelt. Bereits im Laufe der letzten Rückrunde war der Trend erkennbar, der sich nun unter Daniel Gehrt auch diese Saison fortsetzt. "Unsere größte Stärke ist der Teamgeist und der Zusammenhalt. Trotz vielen langwierigen Verletzungen von wichtigen Spielern und dem arbeitsbedingten Fehlen von Akteuren schaffen wir es immer als Mannschaft die Leistungsträger zu ersetzen. Jeder nimmt auch neue Rollen an und insbesondere in der Offensive haben wir Einzelspieler, die den Unterschied ausmachen können. Momentan spielen wir im System ordentlich Fußball und wissen unsere Stärken einzuschätzen. Vorne machen wir aktuell die Tore und hinten stehen wir solide und lassen wenig zu. Das ist der größte Pluspunkt und die größte Entwicklung im Vergleich zur Vorsaison", erklärt Richter die Erfolgsfaktoren in Gera-Scheubengrobsdorf.
