
Bei großen Unternehmen erfolgen Analysen gerne im Quartalsrhythmus – für Oliver Kirch hat mit dem 2:2 bei den Sportfreunden Siegen am vergangenen Wochenende gewissermaßen das zweite Quartal seiner Trainertätigkeit bei der U23 von Borussia Mönchengladbach begonnen.
Inklusive des ersten Spiels im April steht der 43-Jährige bei vier Siegen, einem Remis und vier Niederlagen. Nach einem schwierigen Start hat sich die U23 in den vergangenen Wochen in ein Formhoch gespielt und steht stabil im oberen Mittelfeld der Regionalliga West.
„Wir haben die erwartbaren Schwankungen drin gehabt. Zu Beginn war das ergebnistechnisch nicht zufriedenstellend. Dann haben wir besser reingefunden: Die Spielweise war besser, die Ergebnisse waren besser. Gerade mit den Ausfällen im Offensivbereich sind wir gut umgegangen. Die Trainingsbereitschaft und die Harmonie in der Mannschaft sind wirklich top“, resümiert Kirch.
Zuvor war der ehemalige Bundesligaprofi sechseinhalb Jahre im U19-Bereich tätig, 2023 übernahm er diese Altersklasse bei Borussia. Mit dem Schritt zur U23 hat sich auch für den Trainer einiges verändert. „Wir haben viel mehr Zeit, die Jungs sind den ganzen Tag für den Sport verfügbar, weil die Schule wegfällt“, sagt Kirch und nennt einen weiteren Unterschied in der täglichen Arbeit.
„Wir haben eine Altersstruktur mit älteren Spielern, die Führungsaufgaben übernehmen. Da merkst du schon, dass viele Kleinigkeiten gar nicht zu dir vordringen, weil die Mannschaft es selbst regelt“, erklärt Kirch. „Die Spieler stellen mehr Gegenfragen. Und das bringt mich als Trainer auch weiter, wenn du mündige Spieler hast, die den Sinn hinter Dingen verstehen wollen.“
Kirch ist anzumerken, wie sehr er für diesen Schritt in den noch professionelleren Bereich gebrannt hat. „Ich habe jetzt noch mal einen anderen Anspruch an die Spieler. Das ist etwas, bei dem ich mich als Trainer noch mehr ausleben kann – das finde ich angenehm“, sagt Kirch.
In den kommenden Tagen wird dieser höhere Fokus noch einmal besonders gefordert: Für die U23 steht eine Englische Woche an. Am Samstag (14 Uhr) geht es zu Hause gegen die Sportfreunde Lotte, am Mittwoch (17 Uhr) ist die U23 des BVB zu Gast und am Sonntag (16 Uhr) darauf spielt Gladbach beim Wuppertaler SV. „Wir haben wegen der Verletzten weiterhin keinen Riesenkader. Ansonsten ist es aber gar keine Schwierigkeit, es ist eher reizvoll. Das ist ja auch ein Teil vom Profifußball: alle drei Tage zu spielen, einen anderen Trainingsrhythmus zu haben, sich vielleicht nicht so inhaltlich vorbereiten zu können. Das gilt auch für uns als Trainerteam“, erklärt Kirch.
Mit Lotte (8.) und Dortmund (3.) gibt es in kurzer Zeit zwei Aufgaben aus dem direkten Tabellenumfeld. Im Grunde ist die Verfolgergruppe bis zum zweiten Platz vor dem Endspurt eng beieinander. „Wir haben darüber diskutiert, es aber nicht für notwendig erachtet, eine Zahl als Ziel rauszuhauen. Wir sehen jedes Spiel für sich und wollen natürlich jedes positiv gestalten. Gegen Lotte wollen wir unsere Position verteidigen und den Abstand groß halten, um definitiv im oberen Drittel zu bleiben“, sagt Kirch vor der intensiven Woche, die mit Lotte eine anspruchsvolle erste Aufgabe birgt.
Personell ändert sich derweil nicht viel. Jan Urbich könnte zurückkehren. Für Fritz Fleck kommt ein Einsatz gegen Lotte noch zu früh. Josiah Uwakhonye, Nico Vidic, Yannik Dasbach und Elias Vali Fard fallen weiter aus.