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KFC-Vorstand schweigt – Wieczorek plant

Während sich den Verantwortlichen auch am Tag nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens keine Reaktion entlocken lässt, hat Jörg Wieczorek mit seinem Team am Dienstagabend sein Konzept für die Zukunft des KFC Uerdingen vorgestellt.

von Marc Fischer · 03.04.2025, 08:15 Uhr · 0 Leser
Ein neues Konzept für den KFC Uerdingen?
Ein neues Konzept für den KFC Uerdingen? – Foto: Ralph Görtz

Der Tag danach war rund um die Krefelder Grotenburg offenbar ein ganz normaler. Nachdem am Dienstagmorgen das Insolvenzverfahren gegen den KFC Uerdingen eröffnet worden war und wenige Stunden später die Nachricht die Runde machte, dass am Freitag der Spielbetrieb eingestellt werden könnte, ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten.

Auch am Mittwoch liefen die Kommentarspalten in den Sozialen Netzen heiß. Der Verein und seine Verantwortlichen hielten es hingegen mit Shakespeares Hamlet: „Und der Rest war Schweigen“. Die KFC-Entscheider waren bis zum Druckbeginn dieser Ausgabe nach wie vor nicht für telefonische Statements erreichbar. Auch auf der Homepage des Vereins wurde keine Stellungnahme veröffentlicht.

Gesprächsthema war die KFC-Insolvenz derweil auch am Dienstagabend im Uerdinger Bahnhof. Dorthin hatte Jörg Wieczorek zu einem Informationsabend geladen. Der frühere Hauptsponsor des KFC Uerdingen hat ein Team um sich gescharrt, mit dem er den Verein in eine seiner Meinung nach bessere Zukunft führen möchte. Während er sein Konzept am Montag bereits neuen möglichen Sponsoren vorgestellt hatte, waren am Dienstag die KFC-Fans geladen.

Mit einem emotionalen Imagevideo wurde der Abend eröffnet. Anwesend waren etwa 100 Anhänger der Blau-Roten sowie die wortführenden Personen auf dem Podium, namentlich Jörg Wieczorek, Norbert Philipp, Jörg Heydel, Michael Nagorny und Dirk Mewesen. Zu Beginn direkt die öffentlichkeitswirksame Information, dass auf der Sponsorenveranstaltung angeblich 60 Unternehmen eine mündliche Zusage ihrer Unterstützung gegeben hätten.

Die Ereignisse des Tages hallten natürlich auch an diesem Abend deutlich nach. Am Dienstagmorgen war das Insolvenzverfahren gegen den KFC eröffnet worden, am Nachmittag kam dann die Nachricht, dass der Spiel- und Geschäftsbetrieb wohl massiv gefährdet ist. Wieczorek spricht von einem „Scheißtag“ für den Klub. „Wir haben alle gehofft, dass das, was heute passiert ist, nicht passiert.“ Vor allem die Mannschaft tue ihm leid.

Das Gegenkonzept

Dann aber: genug der Gefühlsduselei – schnell wird der Fokus auf das Konzept der Gruppierung gelegt. Zu lange sei man abhängig von Einzelpersonen gewesen, erklärt Wieczorek, der für den Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden kandidieren möchte. Es solle die gesamte Führungsetage neu besetzt werden, 14 mögliche Kandidaten wurden gleich präsentiert und waren teils auch anwesend. Unter anderem der ehemalige KFC-Steuerberater Claus Röttges, oder auch die ehemals für die Sponsorenakquise zuständige Yvonne Zell.

Anschließend übernimmt der ehemalige Insolvenzverwalter des KFC, Eberhard Stock. Für ihn habe Berater Mehmet Eser klar gegen die Spielordnung des DFB verstoßen. „Irrsinn, dass ein Spielerberater so viel Macht über einen Verein hat“, so der Finanzexperte. Das „Chaos“ versuche man nun zu beseitigen, die Insolvenz sei erwartungsgemäß eröffnet worden. Nun solle das komplette Aus durch einen Insolvenzplan vermieden werden.

Für das Wieczorek-Team soll künftig die Jugendarbeit das Fundament des gesamten Erfolges werden. Darauf aufgebaut brauche es die drei Stützen „Struktur“, die durch Gremien, die Satzung und Organisation herbeigeführt werden soll, die „Finanzen“, die die Punkte Etat, Marketing und Stadion beinhalten, und erst dann den Sport, der die Jugendteams, die erste Mannschaft und weitere Abteilungen beinhaltet. Zudem sollen neue Gremien eingeführt werden. So soll es künftig einen Wirtschaftsausschuss sowie einen Rat der Mitglieder bzw. Fans geben. Beide sollen beratend dem Vorstand unterstellt sein. Auch ein neues Leitbild soll für den KFC entstehen.

Status Quo der Jugend sei eine Schande

Anschließend meldete sich Jörg Heydel zum Thema Jugendarbeit zu Wort. Er wurde nicht müde zu betonen, wie schlecht es seit Beginn der aktuellen Saison läuft. „Eine Schande, wie man mit der eigenen Jugend umgeht.“ Ihn im sei zunächst der Entschluss „aus tiefster Überzeugung“ gereicht, sich nie wieder beim KFC zu engagieren, da jegliches Vertrauen aufgebraucht sei. Die Herangehensweise von Jörg Wieczorek aber habe ihn überzeugt, sich doch mit einzubringen.

Dann folgte der sportliche Teil des Abends. Das Konzept sieht zunächst eine Konsolidierung in der Oberliga vor. Währenddessen soll der Kader entwickelt und die Vereinsidentität gestärkt werden. Mittelfristig soll in zwei bis drei Jahren der Aufstieg in die Regionalliga gelingen. Langfristig soll sich der Verein wieder im Profifußball etablieren und finanzielle Unabhängigkeit erlangen sowie die Jugend weiter ausbilden. Das Budget dafür berechnete man anhand der Zahlen, die der Claus Röttges als früherer KFC-Steuerberater gemeinsam mit dem Verwaltungsrat bereitgestellt hatte. Immer davon ausgehend, dass man in der Oberliga antreten werde. So soll das Planbudget bei insgesamt 1,3 Millionen Euro liegen, allein 500.000 davon entfallen als größter Posten auf die erste Mannschaft. Die Kosten hierfür sollen ausschließlich durch Sponsoreneinnahmen gedeckt werden.

Für die Verwaltung fallen rund 250.000 Euro an, für die Jugend 200.000 Euro. Die restlichen Posten sollen sich aus Organisation, Merchandise, Catering, etc. zusammensetzen. Zusätzlich soll eine Reserve von 100.000 Euro für ungeplante Ausgaben angelegt werden. Den Zuschauerschnitt würde man in diesem Fall mit 1800 Zuschauern pro Heimspiel veranschlagen.

Nächste Mitgliederversammlung steht an

Vor einer Fragerunde wurden dann noch die möglichen nächsten Schritte besprochen. So soll zeitnah – im April oder im Mai – eine weitere Mitgliederversammlung stattfinden. Ebenso muss eine neue sportliche Leitung gefunden werden. Dazu ein neuer Kader, ein neues Trainerteam und Mitarbeiter für die Geschäftsstelle. Am Ende erklärte Wieczorek: „Der KFC ist mit der Insolvenz nicht tot. Wir sind eine Option, wir sehen einen Weg, der alle ins Boot holt und vereint.“

Danach wurden noch Fragen aus dem Publikum beantwortet. Etwa, warum Wieczorek keine Zukunft mit Thomas Platzer und Mehmet Eser sehe. „Zu unterschiedlich sind die Ansichten, wie man einen Verein seriös und nachhaltig führt.“ Man habe dem Duo die Chance gegeben. Eine Zusammenarbeit aber sei nicht möglich. Das Tischtuch scheint demnach zerschnitten. Davon zeugte auch ein Satz, den Eberhard Stock spät fallen ließ: „Ich kann nur davon abraten, sich mit Eser und seinen Ideen weiter zu beschäftigen.“ So soll auch der Westdeutsche Fußballverband inzwischen laut Stock ein genaues Auge auf Eser und seine Verträge mit dem KFC geworfen haben. Demnach sei eine Kündigung des Kooperationsvertrages sehr sicher.

Ob der Spielbetrieb in den kommenden Wochen gesichert ist, entscheidet hingegen Insolvenzverwalter Thomas Ellrich. Dieser sei nun der Mann, der den Hut aufhabe, wie Wieczorek und auch Stock mehrmals betonen. Bis zu einer endgültigen Entscheidung werden sich wohl alle Parteien noch gedulden müssen – um dann zu schauen, wie und mit welchem Personal es weitergeht.