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KFC-Versammlung abgebrochen: Insolvenz, Schulden und Emotionen

Am Dienstag hat die ordentliche Mitgliederversammlung des KFC Uerdingen stattgefunden. Die Emotionen kochten hoch. Auch Insolvenzverwalter Thomas Ellrich war vor Ort – seine Einschätzungen lassen Böses erahnen. Die Veranstaltung wurde vorzeitig abgebrochen.

von RP / Marc Fischer & Markus Plüm · 19.03.2025, 08:45 Uhr · 0 Leser
Bei der KFC-Mitgliederversammlung am 18. März 2025 sitzen (v.l.n.r.) Thomas Platzer, Dmitry Voronov, Bernd Limberg und Christian Ritzenfeld auf dem Podium.
Bei der KFC-Mitgliederversammlung am 18. März 2025 sitzen (v.l.n.r.) Thomas Platzer, Dmitry Voronov, Bernd Limberg und Christian Ritzenfeld auf dem Podium. – Foto: Marc Fischer

Am Dienstagabend fand im Krefelder Stadtteil Fischeln die Mitgliederversammlung des KFC Uerdingen statt. Aufgrund des Ansturms und wegen interner Unklarheiten begann die Versammlung mit knapp dreißigminütiger Verzögerung.

Insgesamt 20 Tagesordnungspunkte standen zur Debatte. Entsprechend viel Klärungsbedarf gab es bei den rund 200 anwesenden Mitgliedern. Und es dauerte nur wenige Minuten, ehe es erstmals hoch herging mit Wortmeldungen aus dem Publikum. Im Anschluss beruhigte sich das Geschehen aber schnell und es ging gesittet weiter. Auf Bitten der Mitglieder wurde dann der Insolvenzverwalter Thomas Ellrich auf die Bühne gebeten, der sich dann auch äußerte.

Insolvenzverwalter warnt vor Finanzierungslücke

Er erklärte die beiden Insolvenzanträge und wie mit diesen verfahren werden müsse. „Wenn sich in den kommenden 14 Tagen nichts mehr tut, ist die Insolvenz da.“ Mit Hilfe eines Insolvenzplans soll auch die fünfte Insolvenz überstanden werden, dennoch sei der Schuldenberg sehr hoch. „Das kann sich morgen oder auch nächste Woche schnell ändern.“ Die Zeit aber laufe dem KFC davon.

Die Angst, dass der Verein bei einer erneuten Insolvenz liquidiert würde, wollte er den Mitgliedern nehmen. „Der Verein hat bereits vier mal eine Insolvenz durchschritten. Mit dem richtigen Plan wird es auch das fünfte Mal gelingen.“ Dennoch gebe es noch ab April eine Finanzierungslücke, die geschlossen werden muss, wenn der Spielbetrieb aufrecht erhalten werden soll.

Im Verlaufe der Diskussion kamen dann auch Zahlen durch den ehemaligen Steuerberater Claus Röttges auf, der erklärte, dass der KFC an fixen Personalkosten aktuell rund 140.000 Euro pro Monat zu stemmen habe. Zudem würden noch die Abgaben für die Berufsgenossenschaft, die die Summe noch mal um zehn bis 15 Prozent anheben würden, fehlen.

Buchführung ein „Albtraum“, keine Entlastungen

Anschließend ging es mit den Tagesordnungspunkten und den Abschlussberichten der Jahre 2022, 2023 und 2024 weiter. So gab es 2022 letztlich einen Fehlbetrag von rund 400.000 Euro, insgesamt bezeichnete Bernd Limberg, der Moderator des Abends, die Vorgänge als „Albtraum“. Ein Brief des Ex-Vorstands Christoph Lenz, den Limberg anschließend auszugsweise vorlas, zeigte den zuvor erwähnten „Albtraum“ im Detail auf: Krasse Fehlkalkulationen und eine Vielzahl von Rechnungen, die nicht zugeordnet werden konnten, hätten zur Finanzlücke beigetragen. Zusammenfassend schrieb Lenz: „Die schwarze Null konnten wir seit der letzten Insolvenz nie halten.“ Letztlich wurden der Vorstand und der Verwaltungsrat von 2022 nicht entlastet.

Danach folgte das Rumpfgeschäftsjahr 2023 von Januar bis Juni. Demnach gab es allein in diesem halben Jahr einen Fehlbetrag von rund 300.000 Euro, Teile davon sollen aber bereits in den 400.000 Euro aus 2022 liegen. Somit liegt der gesamte Fehlbetrag aus der Saison 2022/23 bei rund 550.000 bis 600.000 Euro, wie Limberg vorrechnete.

Von Juli 2023 bis Juni 2024 ergab sich ein weiterer Fehlbetrag von rund 140.000 Euro. „Man hat sich die Finanzplanung für die Saison 2023/24 schön gerechnet“, ergänzte Limberg dazu. Die Entlastung für 2023 sowie für das Jahr 2023/24 wurde schließlich von beinahe allen Mitgliedern im Anschluss verschoben, bis die vollständigen Zahlen vorliegen.

Emotionen kochen hoch

Im Anschluss wurden weitere Tagesordnungspunkte wie etwa mögliche Änderungen an der Satzung und eine Kommission zur Satzungsänderung besprochen. Dabei merkte man den Mitgliedern an, wie groß der Redebedarf auf der Veranstaltung war und wie tief einige der Probleme des Vereins liegen. Einige der Anwesenden konnten mit fortschreitender Dauer ihre Emotionen nur schwer im Zaum halten. Je länger der Abend ging, umso mehr lief die Versammlung aus dem Ruder. Immer öfter griffen einige Teile der Fans den Vorstandsvorsitzenden Thomas Platzer und die übrigen Vorstandsmitglieder direkt an. Es entwickelten sich Diskussionen, die wenig zielführend waren und immer öfter in Beleidigungen und Schuldzuweisungen endeten.

Letztlich führte der Abend vor allem zu viel Frust, denn Teile der Mitglieder fühlten sich immer weniger verstanden, viele Zahlen wurden durcheinander geworfen und Tatsachen aus dem Zusammenhang gerissen. Dies gipfelte letztlich in einem Vorschlag um 23 Uhr, die Versammlung zu diesem Zeitpunkt abzubrechen, da keine gemeinsame Lösung mehr abzusehen war.

Abschließend wurde noch die Frage gestellt, ob der Verwaltungsrat, der seinen Rücktritt zur nächsten Mitgliederversammlung vor einigen Wochen bereits angekündigt hatte, tatsächlich zurückgetreten sei. Diese Frage wurde von dessen stellvertretendem Vorsitzenden Harald Grassen beantwortet, der bekräftigte, dass der Verwaltungsrat seit diesem Abend offiziell nicht mehr im Amt sei. Allerdings werde er, bis ein neuer Verwaltungsrat gewählt ist, weiterhin kommissarisch tätig sein.