
Die Hinrunde in der Oberliga Niederrhein ist längst beendet. Und die Vorbereitung auf die Rückrunde läuft schon auf Hochtouren. In dieser hat der KFC Uerdingen unter anderem die Krefelder Hallenstadtmeisterschaften und ein Kurzturnier in Bochum gewonnen, bei der U23 von Borussia Mönchengladbach kamen die Uerdinger in der vergangenen Woche derweil mit 1:7 unter die Räder, auch in Sprockhövel setzte es eine Niederlage.
Am dritten Adventswochenende war der KFC Uerdingen zum Abschluss des Fußballjahres 2025 beim Aufsteiger VfL Jüchen-Garzweiler gefordert, trotz Überlegenheit reichte es für die Uerdinger nur zu einem 1:1-Unentschieden. Entsprechend angefressen war Trainer Julian Stöhr nach dem Spiel auch auf der anschließenden Pressekonferenz. Er stehe mittlerweile fast jede Woche nach dem Spiel da und müsse das immer gleiche Resümee ziehen: „Wir hätten das Spiel gewinnen müssen.“ Dabei nannte er unter anderem das Nachholspiel gegen Ratingen, das 2:2 endete, sowie die beiden Auswärtsspiele in Dingden (0:0) und in Kleve (0:1).
Insofern sagte der Trainer im Dezember auch im Vorfeld des letzten Saisonspiels 2025, dass wenn man ihm vor der Saison gesagt hätte, dass der KFC nach der Hinserie auf dem dritten Platz stehen würde, er dann sehr zufrieden wäre. Zumindest das Wort „sehr“ wäre aktuell aber aufgrund der Möglichkeiten, die der KFC aus Sicht des Coaches hat liegen lassen, aber gestrichen.
Den sportlichen Ehrgeiz von Julian Stöhr kann man durchaus nachvollziehen. Wenn man aber bedenkt, unter welchen Bedingungen der KFC Uerdingen im Sommer den Neustart in der Oberliga angegangen ist beziehungsweise angehen musste, sollte diese Hinrunde nicht gering geschätzt werden. Es musste ein komplett neuer Kader und ein neues Trainerteam zusammengestellt werden. Wo andere Klubs auf jahrelange Konstanz oder zumindest auf Erfahrungswerte und einen Grundkader aus der Vorsaison zurückgreifen können, war beim KFC alles auf null gestellt. Nur Ole Päffgen und Alexander Lipinski hatten bereits in der Vorsaison für den KFC auf dem Platz gestanden, über die Saison hinweg aber keine Rolle gespielt – weil aussortiert oder gewechselt. Sie kannten aber zumindest das Gefühl, vor den Fans in der Grotenburg zu spielen.
Unter diesen Voraussetzungen ist das Abschneiden des KFC mehr als respektabel. Über die gesamte Vorbereitung hinweg blieb die neuformierte Truppe von Julian Stöhr ohne Niederlage, auch wenn die Ergebnisse nicht über spielerische Defizite hinwegtäuschen sollten. Teilweise haarsträubende Fehler in der Defensive, die zu Gegentreffern führten, wurden durch offensive Durchschlagskraft über die Vorbereitung hinweg immer wieder ausgeglichen. Das führte zu spektakulär klingenden Ergebnissen wie 4:3 gegen Wattenscheid, 3:3 gegen Hordel oder 4:1 gegen Obercastrop.
Von den 17 Oberliga-Spielen hat der KFC insgesamt acht gewonnen, fünfmal wurden die Punkte geteilt und nur vier Spiele gingen verloren. Darunter sind zwei knappe Niederlagen, jeweils 0:1 gegen den ETB Schwarz-Weiß Essen sowie gegen den 1. FC Kleve, und zwei deutliche Pleiten in Büderich (1:4) und in Homberg (0:4). Auch nur in diesen beiden Spielen war der KFC klar unterlegen und nahezu chancenlos. Angesichts der Umstände in der Sommerpause ist das ein guter Wert. Dass die Uerdinger zudem mit 23 gefangenen Toren die drittbeste Defensive stellen nach den Aufsteigern Jüchen (16 Gegentreffer) und Dingden (21 Gegentreffer), ist ebenfalls beachtlich und spricht für die Entwicklung der Mannschaft im Saisonverlauf.
Auch wenn Julian Stöhr mit einigen Punkten noch unzufrieden ist und in dem ein oder anderen Spiel noch mehr drin gewesen wäre, so hat der KFC Uerdingen doch eine Hinserie gespielt, auf der der Klub aufbauen kann und die auch vielversprechend für die Zukunft sein kann. Denn im Hinblick auf die Zielsetzung, die Saison unter den ersten sechs Teams zu beenden, sind die Krefelder voll im Soll.