
Es war einmal ein steinreicher Mann, der Spaß daran hatte, mit Fußballvereinen Erfolge zu feiern. In England war er Gesellschafter beim AFC Bournemouth, der in die Premier League aufstieg. Er verkaufte seine Anteile sehr, sehr teuer. In Deutschland entschied er sich nicht etwa für einen Einstieg bei Rot-Weiss Essen oder Alemannia Aachen, sondern für den KFC Uerdingen.
Er feierte mit dem Pokalsieger von 1985 innerhalb von eineinhalb Jahren zwei Aufstiege und marschierte von der Oberliga in die Dritte Liga durch. Auch dort sorgten die Blau-Roten zunächst für Furore, konnten aber kein Heimspiel in Krefeld austragen, weil das Stadion Grotenburg marode war. Nach zweieinhalb Jahren hatte der Investor, nachdem er rund 20 Millionen Euro in den Klub gesteckt hatte, ob dieser Bedingungen die Nase voll, drehte den Geldhahn zu und zog sich zurück. Der Verein musste Insolvenz anmelden und stieg ab – zweimal, bis in die Oberliga.
Diese geradezu märchenhafte Geschichte hat sich so oder so ähnlich tatsächlich abgespielt und bewegt nicht nur bis heute die Gemüter der Fans, sondern beschäftigt Juristen und Gerichte. Es geht an vorderster Front um Mikhail Ponomarev, der von 2016 an die Geschicke des KFC Uerdingen führte, im Dezember 2020 seinen Abschied ankündigte und ihn im Januar 2021 vollzog. Der für den Sport zuständige Geschäftsführer Nico Weinhart tat es ihm gleich, der für die Finanzen zuständige Geschäftsführer Frank Strüver hatte sich bereits sechs Wochen zuvor verabschiedet.
Die Staatsanwaltschaft Krefeld hat anlässlich des gegen den KFC Uerdingen eröffneten Insolvenzverfahrens ab 2021 den Fall besonders unter die Lupe genommen und Anklage beim Landgericht Krefeld wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung, des Vorenthaltens von Arbeitnehmerentgelten, Subventionsbetrugs und Untreue erhoben. Die Vorwürfe gegen Mikhail Ponomarev wiegen allerdings weniger schwer, die drei anderen verantwortlichen Personen, die Geschäftsführer sowie der Steuerberater, trügen demnach die Hauptschuld.
Ponomarev wird lediglich Beihilfe zur Untreue vorgeworfen, weil er einen Mercedes S400 nutzte, den der KFC zahlte, obwohl der Investor in keinem Arbeitsverhältnis zur Fußball GmbH gestanden habe. Was beinahe angesichts des Engagement des Russen geradezu witzig klingt, ist aber durchaus justitiabel. Außerdem soll Ponomarev 30.000 Euro in bar von den Geschäftsführern erhalten haben. Daher hatte das Amtsgericht eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten zur Bewährung verhängt. Außerdem solle er 10.000 Euro an caritative Einrichtungen zahlen. Ponomarev legte Widerspruch ein, weshalb es am 6. März zur Verhandlung vor dem Landgericht kommen sollte.
Doch auch im Jahr 2025 kam es nicht zur Verhandlung. „Die Sache am 06.03.2025 (Aktenzeichen 24 KLs 1/24) wurde aufgrund eines Verteidigerwechsels aufgehoben und wird voraussichtlich im September 2025 verhandelt werden“, teilte das Landgericht Krefeld auf Anfrage unserer Redaktion mit. Mikhail Ponomarev hat einen neuen Rechtsbeistand, der sich jetzt erst einmal in den Fall einarbeiten muss.
Das Insolvenzverfahren von 2021 muss also weiter aufgearbeitet werden, wobei das Interesse daran mit der aktuellen Situation zu wetteifern beginnt. Schließlich steht möglicherweise das nächste Insolvenzverfahren des KFC Uerdingen unmittelbar bevor. Aufschluss darüber, ob in dieser Angelegenheit Fortschritte zu verzeichnen sind, erhoffen sich viele Fans von der heutigen Mitgliederversammlung. Nicht ausgeschlossen, dass die Staatsanwaltschaft Krefeld den Verein dann erneut unter die Lupe nimmt.