
Die Wahlen sind vorbei, doch die Parallelen sind frappierend. In der Politik hatten sich die Führungskräfte der Ampel auseinander gelebt, sodass es zum Bruch kam. Beim KFC Uerdingen war es noch etwas sportlicher zugegangen, da hatten sich die Protagonisten eine wochenlange Schlammschlacht geliefert. Was jedoch Wähler und Fans eint: Sie hatten von dem Theater und den Querelen die Nase gestrichen voll.
Inzwischen sind die Verhältnisse geklärt: Die Wähler haben die Ampel abgestraft, die Mitglieder des KFC den Vorstandsmitgliedern Peter Kahstein und Dirk Röthig die Rote Karte gezeigt. Doch während Friedrich Merz noch eine Koalition schmieden muss, ist Thomas Platzer einen Schritt weiter. Der Uerdinger Vorstandsvorsitzende hat Christian Ritzenfeld und Dmitry Voronov in sein Gremium berufen, das nun wieder handlungsfähig ist. Doch wer bitteschön sind Ritzenfeld und Voronov?
Christian Ritzenfeld ist so etwas wie die Stimme des KFC. Er betreibt seit einem Jahrzehnt das „Fan-Radio BlauRot“ gemeinsam mit Timon Ufermann. Die beiden haben in all den Jahren weder Kosten noch Mühen gescheut und fast von jedem Spiel berichtet. Bis zum Sommer vergangenen Jahres waren sie ihrem Grundsatz treu geblieben und hatten sich auf die sportliche Berichterstattung beschränkt. Doch seitdem trat das Sportliche – wie im gesamten Verein – in den Hintergrund. Christian Ritzenfeld nahm sich mehr und mehr vereinspolitischer Themen an, berichtete über die finanziellen Unregelmäßigkeiten und Defizite, über Hintergründe und Querelen. Dabei bot er Thomas Platzer per Fan-Radio eine Bühne und positionierte sich immer deutlicher.
Endgültig aufgegeben wurde die einstige Neutralität im Vorstands-Machtkampf, als Peter Kahstein und Dirk Röthig auf die verwegene Idee kamen, das Fan-Radio zu verklagen. Das „Radio BlauRot“ hatte sich nämlich die Rechte am Logo und am Vereinsnamen des KFC gesichert. Ritzenfeld betonte immer, dass dies nur geschehen sei, um möglichen, drohenden Schaden vom Verein abzuwenden. Es seien nie Lizenzgebühren gefordert worden und dies werde auch zukünftig nicht geschehen. Anstatt miteinander zu sprechen, wollten Kahstein/Röthig dies anwaltlich klären. Der Bruch war perfekt. Für Platzer war dies ein kleiner Glücksfall, denn dass das Duo, das beim KFC in keiner Weise vernetzt, geschweige denn verwurzelt war, diesen Machtkampf nicht mehr gewinnen konnte, war klar. Ob der Aufstieg in den Vorstand auch für Ritzenfeld zum Glücksfall wird?
Dmitry Voronov ist noch kein Jahrzehnt für den KFC tätig, aber immerhin schon im verflixten siebten Jahr. Im Oktober 2018 kam er als Nachwuchstrainer nach Uerdingen. Von da an hatte er viele Positionen inne: Nachwuchs-Cheftrainer, Leiter der Nachwuchsabteilung, Co-Trainer, Interimstrainer und Trainer des Regionalligisten. Der 39 Jahre alte gebürtige Moskowiter ist Inhaber der Uefa-A-Lizenz. Nach seiner Demission im Sommer 2023 kam es aber nicht zu dem erhofften Engagement als Cheftrainer in der Regional- oder Oberliga. Und die Zusammenarbeit in puncto Kooperation mit dem SC Bayer 05 Uerdingen, jetzt SC Krefeld, soll auch nicht ganz so reibungslos verlaufen sein.
Thomas Platzer hat den Vorstand mit zwei Uerdingern komplettiert, die hier viele Jahre aktiv sind. Das ist für den Quereinsteiger aus Bayern zunächst einmal ein Erfolg, der nun auch Fühler im Verein hat. Ob das Trio aber länger zusammenarbeiten wird, hängt davon ab, ob der Insolvenzverwalter Mitte März genügend finanzielle Mittel – nicht nur Zusagen – erhält. Ansonsten könnten Christian Ritzenfeld und Dmitry Voronov in der langen Vereinsgeschichte eine kurze Episode bleiben.