2026-06-12T06:52:44.557Z

Allgemeines

KFC Uerdingen: Ein dritter Platz, der gefeiert werden darf

Kein Aufstieg, kein Meistertitel, aber auch keine große Krise: Der KFC Uerdingen beendet die Saison auf Platz drei – und das nach Insolvenz, Trainerwechsel und fast komplett neuem Kader. Ob das reicht, um das Chaos-Image endgültig loszuwerden?

von Marvin Wibbeke · Gestern, 22:00 Uhr · 0 Leser
Die KFC-Fans können zufrieden sein
Die KFC-Fans können zufrieden sein – Foto: Sven Hanisch

Die Oberliga-Saison 2025/2026 ist Geschichte. Am Ende steigt der VfB Hilden als Meister in die Regionalliga auf, der KFC Uerdingen landet hinter Ratingen 04/19 auf dem dritten Platz. 69 Punkte haben Hilden zum Aufstieg gereicht. Bei dem einen oder anderen Uerdinger dürfte das Gefühl aufkeimen, dass da etwas mehr drin gewesen wäre in dieser Saison. Mit dem Saisonausklang war Trainer Julian Stöhr auch alles andere als zufrieden. Man sei weder die beste Heimmannschaft geworden, noch weise man die beste Defensive der Liga aus. Beides kleine Ziele, die im Falle eines abschließenden Sieges erreicht worden wären. Dennoch können die Verantwortlichen beim KFC Uerdingen auf eine insgesamt ordentliche Spielzeit zurückblicken. Das vom Verein ausgerufene Saisonziel, einen Platz unter den ersten sechs zu belegen, hat die Mannschaft souverän erfüllt. Und das sollte nicht als Selbstverständlichkeit abgestempelt werden.

Denn als der KFC Uerdingen im Sommer 2025 in die Vorbereitung auf die anstehende Spielzeit in der Oberliga Niederrhein gestartet ist, war dieser Neustart mit vielen Fragezeichen behaftet. Ein neues Trainerteam, eine fast komplett neue Mannschaft, eine gespaltene Fanszene und das laufende Insolvenzverfahren, all das waren Komponenten, die den Neuaufbau des Traditionsvereins nicht gerade einfach gemacht haben. Dass nun, ein knappes Jahr später, die Saison auf dem dritten Tabellenplatz beendet werden konnte, die Mannschaft über weite Strecken erfolgreichen und phasenweise sogar schönen Fußball gezeigt hat und der schuldenfreie Neustart nach dem Ende des Insolvenzverfahrens geglückt ist, hätte vor einem Jahr vermutlich kaum jemand für möglich gehalten. Das Image des Chaos-Klubs vom Niederrhein haftet natürlich nach wie vor an dem Verein, aber es arbeiten viele Menschen daran, dieses nach und nach abzulegen und den Verein wieder in sportlich erfolgreiche und wirtschaftlich gesunde Fahrwasser zu führen.

Ende des Insolvenzverfahren als Highlight

Dazu haben auch viele Entscheidungen abseits des Platzes beigetragen, die in den abgelaufenen zwölf Monaten getätigt wurden. Da wäre zum einen die Verpflichtung von Sebastian Schmidt als hauptamtlicher Geschäftsführer zu nennen, zum anderen die außerordentliche Mitgliederversammlung, die auf Initiative einiger Mitglieder gerichtlich durchgesetzt wurde. Und da wären der neu formierte Vorstand um den Vorsitzenden Norbert Philipp zu nennen und das Ende des Insolvenzverfahrens in diesem Frühjahr. All diese Ereignisse haben einzeln und in Kombination eine gewisse Euphorie und Aufbruchstimmung rund um den gebeutelten Traditionsverein entfacht.

Die sportlichen Leistungen haben ihren Teil dazu beigetragen. Denn das Trainerteam um Julian Stöhr hat es geschafft, aus dem kurzfristig zusammengestellten Kader ein Team zu formen, das nicht nur in der Oberliga bestehen, sondern auch mehr als ordentlich mitspielen kann. Das vom Verein ausgerufene Saisonziel, einen Platz unter den ersten sechs zu erreichen, war nicht konservativ, sondern realistisch gewählt. Viele, gerade von außen, haben im KFC den großen Favoriten auf den Aufstieg gesehen, den Klub, der in dieser Liga im Grunde nichts verloren hat. In Sachen Infrastruktur ist diese Aussage sicher berechtigt. Doch andere Teams waren eingespielt, kannten die Liga seit Jahren. Die Uerdinger hingegen mussten sich zunächst finden.

Die Euphorie am Anfang wurde durch die sportlich erfolgreiche Vorbereitung geschürt. Ohne Niederlage blieb die Mannschaft von Julian Stöhr in den Testspielen und den ersten Pflichtspielen. Auch wenn nicht immer ein Sieg zu Buche stand, so schafften es die Uerdinger doch zumindest, die Spiele unentschieden zu gestalten.

Von Anfang an hatte der Coach erklärt, kein Freund von Spektakel zu sein und lieber aus einer sicheren Defensive heraus agieren lassen möchte. Davon war, so viel gehört zur Wahrheit, in der Vorbereitung und der Frühphase der Saison noch nicht allzu viel zu sehen. Erst im Laufe der Hinrunde und speziell dann zum Start der Rückserie hatte der KFC sich soweit eingespielt und zu einer Grundstabilität gefunden, dass die Mannschaft bis kurz vor Ende der Saison die beste Defensive der Liga gestellt hatte.

Ordentliche Saison für den KFC

In der Offensive hingegen hakte es hier und da dann doch etwas. Schnell kristallisierte sich heraus, dass der KFC vorne abhängig von Einzelspielern ist. Zunächst war es Vize-Kapitän Alexander Lipinski, der den Uerdingern immer wieder wichtige Punkte sicherte, später war es Etienne-Noel Reck. Mohamed Benslaiman Benktib brauchte eine gewisse Anlaufzeit, um die gewünschte Verstärkung zu werden. Wenn dieses Trio nicht traf oder Tore auflegte, wurde es oft schwierig. Die Mannschaft spielte sich in den meisten Spielen zwar mehr Torchancen heraus als der Gegner, doch zu oft war die Chancenverwertung nur unzureichend. So sah sich Julian Stöhr mehrfach nach den Spielen zu der Aussage genötigt, dass man das Spiel anhand der Chancen zwingend hätte gewinnen müssen.

In der Endphase der Saison hatte der KFC sich nach Siegen in den Top-Spielen gegen Hilden und in Ratingen zurück in den Meisterkampf gespielt, doch bei der 1:6-Klatsche in Schonnebeck brach das Team förmlich auseinander. Nach diesem Spiel war klar, auch wenn es rein rechnerisch noch möglich ist, wird Uerdingen mit der Meisterschaft nichts mehr zu tun haben. Dass die Saison danach nur so ausgetrudelt ist, trübt das vergangene Jahr in der Nachbetrachtung ein wenig, sollte für die Verantwortlichen in der Analyse der vergangenen zwölf Monate aber nicht die entscheidende Rolle spielen. Denn insgesamt hat der KFC eine ordentliche Saison gespielt und abseits des Platzes einige Baustellen beseitigt, sodass der Verein auf lange Sicht in ruhigere Fahrwasser gelangen kann. Eine weitere Spielzeit in der Oberliga ist für den eingeschlagenen Weg kein Stolperstein.