
Die Schlussphase der Oberliga-Partie zwischen dem KFC Uerdingen und dem VfB Homberg hatte es in sich. Die Uerdinger, nach der Herausstellung gegen Jesse Sierck in Unterzahl, standen mächtig unter Druck. Der VfB hatte bereits mehrere Großchancen auf den Ausgleich vergeben, die Angreifer waren entweder am fantastisch reagierenden KFC-Keeper Jonas Holzum oder am eingewechselten Pierre Rogasik gescheitert, der per Kopf auf der Linie geklärt hatte. Ein Mal stand auch der Pfosten im Weg. In der sechsminütigen Nachspielzeit rannten die Homberger, begleitet von Pfiffen der KFC-Fans, immer weiter an, während die Uerdinger sich in jeden Zweikampf warfen und versuchten, den Ball vom eigenen Tor fernzuhalten.
Einen Ball klärte die Abwehr in Richtung Trainerbank des KFC. Dort in der Coaching-Zone stand Trainer Julian Stöhr, der den Ball nicht zum heraneilenden Homberger warf, sondern ihn ein paar Meter weiter weg bugsierte. Der Unparteiische Christian Szewczyk, der zu diesem Zeitpunkt schon durch mehrere Entscheidungen den Unmut des Publikums auf sich gezogen hatte, zeigte dem Trainer die Rote Karte – was vom Publikum entsprechend quittiert wurde. „Das war dumm“, gab Stöhr im Anschluss der Partie zu. „Ich weiß, das ist unsportlich und gehört sich nicht. Im Eifer der Emotionen wollte ich etwas Zeit rausholen“, sagte er. Von der Roten Karte war er merklich überrascht. Er hatte mit Gelb gerechnet, sonst hätte er den Ball auch nicht weggeworfen. „Die Mannschaftskasse freut sich“, sagte Stöhr, der angesichts des knappen Sieges seine Sperre verkraften wird.
Maximilian Dimitrijevski ist da das beste Beispiel. Der 19-Jährige stand vor dieser Woche zuletzt im September in der Startelf. Er sei vor ein paar Wochen auf Stöhr zugegangen und habe um ein Gespräch gebeten. „Er war unzufrieden mit seiner Spielzeit, was ich absolut verstehen kann“, sagt der Trainer. Er habe ihn gebeten, geduldig zu bleiben und auf seine Chance zu warten. Die kam in der Englischen Woche gegen Baumberg. Dimitrijevski spielte von Beginn an, machte seine Sache im zentralen Mittelfeld ordentlich. Auch gegen Homberg durfte er starten, dieses Mal etwas defensiver als in Baumberg. „Mir liegt eher der offensivere Part, aber im Zentrum kann ich alles spielen“, sagte der Mittelfeldspieler nach dem 1:0-Sieg. So sei von ihm erwartet worden, die Bälle abzuräumen, Zweikämpfe zu gewinnen und etwas Ruhe auszustrahlen. Diese Vorgaben setzte er gut um, erntete für die ein oder andere Grätsche Szenenapplaus vom Uerdinger Anhang. „Das macht schon was mit einem, gerade für mich als junger Spieler ist das geil“, sagte er.
Seine Unzufriedenheit mit seiner Spielzeit ließ sich der 19-Jährige nicht anmerken. Stattdessen antwortete er diplomatisch: „Es gibt immer Höhen und Tiefen in einer Saison. Es ist mein erstes Herrenjahr, da muss man sich auch mal gedulden. Und wenn man die Chance bekommt, muss man abliefern.“ Mit seinen Leistungen ist er zufrieden, nun gelte es, daran anzuknüpfen.
Auch Pierre Rogasik hat in dieser Saison eher wenig gespielt. Offiziell als Außenverteidiger gelistet, kann er auch in der Offensive die Außen bespielen. 17 Minuten bekam er am Sonntag, mehr als in dieser Saison bis dato zusammen. „Für Pierre ist es sehr schwierig in diesem Spiel gewesen, da wir in Unterzahl waren“, sagt Stöhr. Dennoch sei sein Plan aufgegangen, Rogasik konnte das ein oder andere Mal den Ball vorne erlaufen und so wichtige Sekunden von der Uhr nehmen. Dass es dann ausgerechnet der 19-Jährige war, der auf der eigenen Torlinie den sicheren Ausgleich verhinderte, rundet die Aussage von Stöhr perfekt ab. Jeder in dieser Mannschaft hat seinen Teil am Erfolg.