
Zwei große Namen des Thüringer Fußballs stehen sich gegenüber – und beide kämpfen aktuell ums sportliche Überleben. Nur vier Wochen nach dem Hinspiel kommt es bereits zum Rückspiel, das für beide Mannschaften richtungsweisenden Charakter besitzt.
Die Ausgangslage ist brisant: Wacker und Wismut trennen aktuell lediglich zwei Punkte. Keinem der beiden Teams ist es nach der Winterpause gelungen, sich mit der nötigen Konstanz aus dem Tabellenkeller zu befreien. Schwankende Leistungen, bittere Rückschläge und verpasste Chancen prägen bislang das Frühjahr – umso größer ist nun die Bedeutung des direkten Duells.
Das Hinspiel Anfang März dürfte bei beiden Teams noch präsent sein. Damals sah Nordhausen lange Zeit wie der mögliche Sieger aus, ehe die BSG Wismut das Spiel dank eines Doppelpacks von Andy Haupt noch drehte. Wackers Trainer Stefan Wilke sieht trotz der Niederlage positive Ansätze aus dem ersten Vergleich. „Wir haben im Hinspiel über weite Strecken gezeigt, dass wir die bessere Mannschaft sein können. Genau daran knüpfen wir an. Der kurze Abstand spielt uns eher in die Karten, weil wir genau wissen, was funktioniert hat. Jetzt geht es darum, das noch konsequenter durchzuziehen und über die komplette Spielzeit unser Niveau zu halten.“
Für die Nordhäuser ist das schnelle Wiedersehen mit der Wismut also keineswegs ein Nachteil – vielmehr die Chance, offene Rechnungen zu begleichen. Auf Geraer Seite bewertet Trainer Rico Heuschkel die Situation etwas nüchterner. Zwar lasse das erste Aufeinandertreffen Rückschlüsse zu, doch die Voraussetzungen seien diesmal andere: „Dass Nordhausen und wir erst vor Kurzem gegeneinander antraten, lässt schon ein paar Eindrücke hinsichtlich der Fähigkeiten zu, wobei das Spiel am Wochenende aber aufgrund der völlig anderen äußeren Bedingungen nichts mit dem letzten Aufeinandertreffen zu tun hat.“
Während Nordhausen zumindest phasenweise gute Ansätze zeigte, musste die Wismut zuletzt zwei empfindliche Niederlagen einstecken. Gegen Geratal und Schleiz blieb die BSG ohne Punkte – auch weil die Spiele durch Platzverweise stark beeinflusst wurden. „Wir haben die beiden Niederlagen besprochen und ausgewertet, verdauen kann man sie nur durch Trainingsarbeit. In dieser zeigten sich meine Spieler leistungsbereit und einsatzfreudig“, erklärt Heuschkel. Vor allem die personellen Nachteile hätten den Ausschlag gegeben: „Die Gründe liegen im Geratal-Spiel eindeutig in der langen Unterzahl. Ohne diese hätten wir das Spiel mit hoher Wahrscheinlichkeit gewonnen. Gegen so eine starke Mannschaft wie Schleiz können wir ebenfalls nichts holen, wenn wir so lange mit einem Spieler weniger agieren müssen. Hinzu kamen in diesem Spiel zu viele individuelle Fehler.“
Die tabellarische Situation verleiht dem Traditionsduell zusätzliche Brisanz. Beide Mannschaften wissen, dass ein Sieg im direkten Vergleich im Abstiegskampf besonders wertvoll sein kann. Für Wacker-Coach Wilke ist die Richtung klar: „Wir freuen uns extrem auf das Spiel im Stadion – solche Spiele willst du haben. Die Atmosphäre wird intensiv, und genau das nehmen wir an. Wir wollen von Anfang an zeigen, wer das Spiel bestimmt. Wismut wird dagegenhalten, aber wir gehen mit einem klaren Anspruch rein: Wir wollen das Spiel ziehen. Wenn wir unsere Energie und Qualität auf den Platz bringen, sind wir sehr schwer zu stoppen.“
Auch Heuschkel erwartet eine intensive Partie – und spart dabei nicht mit Selbstkritik: „Dass beide Mannschaften in der Tabelle so weit unten stehen, haben sie sich wahrscheinlich in hohem Maße selbst zuzuschreiben – für uns kann ich das jedenfalls bestätigen. Es ist schon in gewisser Hinsicht traurig, dass zwei Traditionsvereine um den Klassenerhalt kämpfen – unverschuldet jedoch nicht.“
Gerade deshalb rechnet der Wismut-Trainer mit einem Duell, das vor allem über Mentalität entschieden wird: „Es wird wieder ein Kampfspiel, bei dem es um Willen, Galligkeit und körperliche Robustheit geht. Wer es mehr will, wird den Sieg davontragen.“
Fest steht: Wenn am Ostersamstag angepfiffen wird, geht es um weit mehr als nur drei Punkte. Für beide Traditionsvereine könnte dieses Duell zu einem wichtigen Wendepunkt im Abstiegskampf werden.