
1. FC kassiert elf Tore in zwei Spielen, hält aber am Coach fest. Der nächste Gegner der Ansorge-Elf ist der kriselnde SVN München.
Der Sport ist voll von ihnen: Redensarten. „Vom Regen in die Traufe kommen“ ist eine aus dem riesigen Reich der Phrasen. Sie passt derzeit so gut zum 1. FC Garmisch-Partenkirchen wie die Faust aufs Auge. Ihr Ursprung liegt im Bild eines Menschen, der im Regen steht und Schutz unter einem Dach sucht, dann aber an der Traufe, der Tropfkante des Daches, das ganze abfließende Wasser abbekommt.
Beim Fußball-Landesligisten dachten sie, sie hätten mit dem triumphalen Derby-Erfolg gegen Murnau ihre Dachrinne installiert. Somit das fließende Wasser nach dem missglückten Saisonstart mit vier Punkten aus fünf Spielen umgeleitet. Stattdessen wurde die Konstruktion direkt im Anschluss vom VfB Hallbergmoos-Goldach wieder abgerissen – 0:5. Was folgte, war der Auftritt am vergangenen Freitagabend beim TSV Kastl. Trotz Führung standen die Werdenfelser am Ende mit dem 1:6 da wie begossene Pudel. Spätestens mit dem vierten Gegentor waren alle Dämme gebrochen.
Noch auf der Rückfahrt von Kastl funkte Markus Ansorge SOS. Die 200 Kilometer im Auto nutzte der Coach, um mit Arne Albl zu telefonieren, der das Debakel ebenfalls live mit angesehen hatte. Sie sprachen auch darüber, ob Ansorge der richtige Mann für den 1. FC sei. Die einhellige Meinung: ja. „Ich kann gut reinfühlen in die Mannschaft. Ich erreiche die Jungs“, sagt der Trainer. Albl betont: „Ich habe keinerlei Zweifel an ihm.“ Der Fußball-Chef ist naturgemäß kein Fan von Aktionismus und Panikmache, „das hat noch nie etwas gebracht“.
Ein Trainerwechsel sei also nicht der richtige Rettungsanker. Das sehen die Spieler laut Ansorge ebenso. Am Samstag telefonierte er mit einigen von ihnen, fragte nach ihren Erklärungen für die Wankelmütigkeit des 1. FC. Die Antworten: Training, Vorgaben, Art und Weise – alles passt. Sie würden schlichtweg nicht ihr Potenzial auf den Platz bekommen.
Spiegeln auch die zuletzt kassierten elf Gegentore wider. Zwei seien das Resultat spielerischer Klasse des Gegners. „Der Rest basiert auf individuellen Fehlern“, beklagt Ansorge. Schwache Zweikampfführung, Querpass direkt zum Gegner, Einwurf in die Füße des Kontrahenten. „Solche Dinge werden in der Landesliga halt knallhart bestraft.“ Dem Coach ist zudem das mangelhafte Umschaltvermögen ins Auge gestochen, wenn seine Spieler von Offensive zu Defensive switchen müssen. „Das dauert zu lange, da hat der Gegner zu viel Raum.“
Ein weiterer Punkt ist das Personal. Dieselbe Aufstellung in Serie konnte der Peitinger bisher nie aufbieten – Urlauber, Verletzte, Gesperrte. Darunter viele Stammspieler. Problematisch, wenn der an sich breite Kader einem Leistungsgefälle unterliegt. „Ab 16, 17 wird’s schwierig“, sagt Ansorge in Bezug darauf, dass (noch) nicht all seine Kicker auf Landesliga-Niveau mitschwimmen können.
Noch hält sich der 1. FC aber über Wasser, zwei Punkte ist der erste von zwei direkten Abstiegsplätzen entfernt. Den zweiten belegt der nächste Gegner, der SVN München. Den Landeshauptstädtern steht das Wasser bis zum Hals angesichts von nur drei Zählern und 44 Gegentoren. Entsprechend spricht Ansorge von einem „Muss-Spiel“. Es muss eine Reaktion des Teams her, es müssen Punkte her.
Wer das realisieren soll, wird sich die Woche zeigen. 25 Mann hatten sich zum Montagstraining angemeldet. Ansorge setzt auf das Prinzip Leistung. Auf Namen werde er keine Rücksicht nehmen. „Persönliche Eitelkeiten müssen hinten angestellt werden – meine und die der Spieler. Es geht in erster Linie um den 1. FC.“ Der muss seine Schäfchen ins Trockene bringen.