2026-02-20T12:29:42.904Z

Interview

Keine "Lame Duck"

Interview mit dem scheidenden Trainer des FC Mosbach, Jonas Brezina

von SMD · Heute, 18:55 Uhr · 0 Leser
– Foto: Marcel Eichholz

"nicht reden, sondern liefern" +++ hervorragendes Team im Hintergrund +++ Grundprinzipien treu bleiben

Zum Auftakt der Rückrunde 2025/2026 mit den noch anhängigen Nachholspielen in der Kreisliga und A-Klasse, haben wir uns mit Jonas Brezina, dem Trainer des FC Mosbach unterhalten.

01) In der Saisonprognose haben Euch die FuPa-Experten auf Platz 15 getippt. Wie kam das bei Dir und dem Team an?

Natürlich nimmt man so eine Prognose erst einmal zur Kenntnis. Intern hat uns das aber eher motiviert als verunsichert. Die Tabelle mit der Prognose hängt bis heute in unserer Heimkabine – nicht aus Trotz, sondern als täglicher Ansporn.

Wir wussten, dass wir im Vorjahr unter unseren Möglichkeiten geblieben sind. Deshalb war mir klar, dass externe Einschätzungen sich stark an der vergangenen Saison orientieren würden. Für uns war jedoch entscheidend, welche Entwicklung wir im Sommer genommen haben – strukturell, personell und mental.

Die Jungs haben das sportlich aufgenommen. Unser Ansatz war klar: nicht reden, sondern liefern.

02) Aktuell steht Ihr auf Tabellenplatz 3. Warum lagen wir mit unserer Prognose so daneben?

Wir überwintern auf Platz 3 – und das kommt nicht von ungefähr.

Ein wesentlicher Faktor ist unsere Kaderstruktur. Wir sind breiter aufgestellt, verfügen über mehr Tiefe und können Ausfälle deutlich besser kompensieren als noch im Vorjahr. Dazu kommt ein hervorragendes Team im Hintergrund – Betreuer, Verantwortliche und Unterstützer im Verein. Das wird häufig unterschätzt, ist aber ein echter Wettbewerbsvorteil.

Vor der Saison hat uns unser treffsicherster Offensivspieler verlassen. Das haben wir natürlich gespürt. Entscheidend war jedoch, dass wir die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt haben. Wir sind mannschaftlich geschlossener geworden, torgefährlicher aus verschiedenen Positionen und insgesamt variabler.

Und ja – in engen Spielen gehört auch einmal das nötige Spielglück dazu. Aber ich bin überzeugt: Konstanz, Disziplin und harte Arbeit erhöhen die Wahrscheinlichkeit, solche Momente auf seine Seite zu ziehen.

03) Nach der Saison ist Schluss für Dich. Wie verhinderst Du eine „Lame-Duck“-Situation? Und was kommt danach?

Transparenz war mir extrem wichtig. Der Verein und ich haben frühzeitig Klarheit geschaffen – das sorgt für Ruhe und Planungssicherheit.

Ich bin nicht im Abschiedsmodus, sondern im Leistungsmodus. Mein Anspruch ist es, bis zum letzten Spieltag maximal professionell zu arbeiten. Eine Mannschaft spürt sehr genau, ob ein Trainer nachlässt – und das wird bei mir nicht passieren.

Die Nachfolge ist geregelt, alles ist sauber abgestimmt. Mein Ziel ist es, eine stabile sportliche und strukturelle Basis zu hinterlassen.

Was danach kommt, lasse ich bewusst offen. Ich bin seit vielen Jahren im Trainergeschäft aktiv – vom Juniorenbereich in der Kreisliga über den Damenbereich in der Verbandsliga bis hin zum Herrenbereich der Kreisliga. Diese Stationen haben mich geprägt. Sicher ist nur: Der Fußball bleibt Teil meines Weges. Der volle Fokus liegt jedoch auf dieser Saison.

04) Der FC ist Deine erste Trainerstation im Herren-Seniorenbereich – was sind die größten Unterschiede zu Deinen vorherigen Stationen im Jugend- und Damenbereich?


Ich bin jede Station mit der gleichen Professionalität angegangen – unabhängig davon, ob Junioren, Damen oder Herren.
Im Juniorenbereich arbeitest du stark entwicklungsorientiert. Dort geht es um Ausbildung, Individualförderung und langfristige Perspektive. Im Damenbereich – Verbandsliga – ist die taktische Disziplin oft sehr hoch, die Aufnahmefähigkeit enorm, aber du musst kommunikativ sehr klar und differenziert arbeiten.
Im Herrenbereich, speziell in der Kreisliga, spielt Mentalität eine noch größere Rolle. Hier geht es um Robustheit, Wettbewerbscharakter und auch darum, unterschiedliche Lebensrealitäten unter einen Hut zu bringen – Beruf, Familie, Fußball.
Du kannst Juniorenspieler, Damen und Herren nicht gleich „anpacken“. Führung bedeutet, situativ zu agieren. Aber die Grundprinzipien bleiben: Klarheit, Struktur, Respekt und Verlässlichkeit.

05) Du reist viel und schaust auch internationale Spiele. Wie bewertest Du die Situation rund um die WM 2026 in Mexiko und den USA?

Sportlich wird das Turnier mit Sicherheit ein Highlight. Große Stadien, internationale Strahlkraft und enorme Aufmerksamkeit sorgen für besondere Rahmenbedingungen. Eine Weltmeisterschaft hat immer das Potenzial, Begeisterung über Ländergrenzen hinweg zu erzeugen.

Ich hoffe, dass der Fußball bei diesem Turnier im Mittelpunkt steht – mit Leidenschaft, Fairness und Respekt. Große Wettbewerbe haben die Kraft, Menschen zu verbinden und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen.

Entscheidend wird eine professionelle Organisation sein, damit Mannschaften und Fans optimale Bedingungen vorfinden. Wenn das gelingt, kann es ein starkes sportliches Signal werden