2026-05-06T12:44:31.715Z

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"Keine hängenden Köpfe": Hansa Rostock im Endspurt gegen VfB Stuttgart

Im letzten Heimspiel der Saison geht es für die Kogge um einen versöhnlichen Abschied der Saison in der 3. Liga und die Minimalchance auf den Aufstieg.

von fue · Heute, 15:10 Uhr · 0 Leser
– Foto: Pressefoto-Bildredaktion Eibne

Am 37. Spieltag der 3. Liga empfängt der F.C. Hansa Rostock am Samstag, 09.05.2026, um 14 Uhr den VfB Stuttgart II im Ostseestadion. Während die Gäste den Klassenerhalt längst gesichert haben, kämpfen die Hausherren als Tabellensechster vor 28000 erwarteten Zuschauern um die letzte theoretische Aufstiegschance und das realistische Ziel DFB-Pokal-Qualifikation. Emotionen, Verletzungssorgen und der unbedingte Wille auf einen Heimsieg prägen die Ausgangslage.

Ein würdiger Abschied vor sensationeller Kulisse
Der F.C. Hansa Rostock bereitet sich auf ein hochemotionales letztes Heimspiel vor. Wenn am Samstagmittag der Ball in der 3. Liga rollt, wird das Ostseestadion kochen. Für Daniel Brinkmann, den Trainer der Rostocker, ist die Zielsetzung glasklar. Er sagte auf der Pressekonferenz vor dem Spiel: "Wir haben in diesem Jahr zu Hause nicht die Punkte geholt, die wir uns vorgenommen haben, und ich glaube einfach, dass wir unseren fantastischen Fans, die jetzt auch wieder eine brutale Kulisse bilden, einen würdigen Abschied aus der Saison geben wollen."

In der Tat belegt das Team in der Heimtabelle lediglich den zwölften Platz mit acht Siegen, fünf Unentschieden und fünf Niederlagen. Die meisten trostlosen Auftritte fanden auf dem heimischen Rasen statt, das gilt es gegen den VfB Stuttgart II zwingend zu verhindern.

Realistischer Blick auf die Tabellensituation

Sportlich ist der Aufstieg für die Kogge mittlerweile in weite Ferne gerückt. Mit 61 Punkten aus 36 Spielen und einem Torverhältnis von 65:43 steht die Mannschaft auf dem sechsten Tabellenplatz. Fünf Punkte Rückstand auf den Tabellenzweiten FC Energie Cottbus und den Dritten MSV Duisburg bedeuten, dass Rostock auf zwei eigene Siege sowie Ausrutscher der Konkurrenz angewiesen ist.

Auch der Tabellenfünfte SC Verl und Duisburg müssten patzen, damit der Sprung in die Top 3 noch gelingt. Das realistische Ziel lautet nun Platz vier, der zur direkten Qualifikation für den DFB-Pokal berechtigt. Trainer Daniel Brinkmann bleibt kämpferisch und betonte auf der Pressekonferenz: "Ich glaube, wir haben gar keine Wahl. Es geht für uns einfach darum, dass wir jetzt die Spiele gewinnen wollen. Die Chancen gerade sind nicht besonders groß, was aber nichts daran ändert, dass wir in beiden Spielen natürlich punkten wollen."

Ein Blick auf die anderen Plätze während der Partie kommt für ihn nicht infrage: "Nein, werde ich in dem Spiel nicht machen. Das Spiel ist für uns sowieso ganz, ganz klar, dass wir das gewinnen müssen, und dann können wir nachher schauen." Nach zuletzt drei Spielen ohne Sieg und dem jüngsten 1:1-Unentschieden bei Alemannia Aachen muss nun wieder ein Dreier her.

Der bittere Ausfall eines Publikumslieblings

Überschattet wird das Saisonfinale von einer regelrechten Hiobsbotschaft. Rechtsverteidiger Jan Mejdr hat sich am 25.04.2026 beim Spiel gegen den SSV Jahn Regensburg einen Kreuzbandriss im rechten Knie zugezogen. Bereits in der vierten Minute prallte der Tscheche ohne Ball mit einem Gegenspieler zusammen, spielte aber trotz Schmerzen bis zur Halbzeitpause weiter. Mittlerweile wurde der 30-Jährige in Berlin operiert und fällt mindestens sechs Monate aus.

Da sein Vertrag im Sommer 2026 ausläuft und eine Verlängerung im verletzten Zustand als unwahrscheinlich gilt, wird der Publikumsliebling womöglich nie wieder im Trikot der Rostocker auflaufen.

"Was das Menschliche angeht, ist es natürlich ein Riesenschock, weil Jan einfach einen fantastischen Charakter hat und man wünscht es eh keinem, aber so lieben, guten Menschen wie ihm noch viel weniger", erklärte Daniel Brinkmann emotional berührt auf der Pressekonferenz.

Die sportliche Zukunft des Spielers sei ein Thema für Sportdirektor Amir Shapourzadeh, doch der Schock sitze in der gesamten Mannschaft tief.

Schlüsselspieler fehlen im entscheidenden Moment

Neben Jan Mejdr muss der F.C. Hansa Rostock am Samstag auf weitere Akteure verzichten. Verletzungsbedingt fehlt weiterhin Paul Stock, und bei Florian Carstens "wird es wahrscheinlich auch sehr eng zum Wochenende", verriet der Coach auf der Pressekonferenz.

Erschwerend kommt hinzu, dass mit Maximilian Krauß und Marco Schuster zwei essenzielle Stützen aufgrund von Gelbsperren ausfallen. Besonders der Ausfall von Marco Schuster wiegt schwer. "Ja, Marco ist schon ein Schlüsselspieler für uns, weil er so dieser Stratege ist, der alles zusammenhält, und wir haben es im letzten Jahr gesehen, wenn er nicht gespielt hat, hat uns das unheimlich wehgetan", gestand Daniel Brinkmann.

Dennoch sieht er den Kader auf dieser Position breit genug aufgestellt: "Ich finde, dass wir in diesem Jahr, was das angeht auf der Position, besser aufgestellt sind und weiter sind." Mit Spielern wie Kenan Fatkic, Jonas Dirkner, Benno Dietze und Lukas Kunze stehen starke Alternativen bereit, die diese Lücke füllen sollen.

Die Stuttgarter Wundertüte und die Profi-Debatte

Mit dem VfB Stuttgart II reist der aktuelle Tabellendreizehnte an (46 Punkte, 51:60 Tore), der seit Wochen den Klassenerhalt sicher hat. Obwohl die Schwaben in der Rückrundentabelle nur auf Platz 16 stehen und vor ihrem letzten Auftritt vier Spiele ohne Sieg hinnehmen mussten, feierten sie in der vergangenen Woche einen herausragenden 6:1-Erfolg gegen Rot-Weiss Essen.

Daniel Brinkmann weiß um die immense Qualität der Stuttgarter Reserve. "Wenn ich mir allein die Offensive jetzt angeschaut habe mit Justin Diehl, mit Noah Darvich, mit Jeremy Arevalo, das ist schon ein Brett und eine besondere Qualität, die gilt es natürlich zu stoppen", analysierte der Coach präzise auf der Pressekonferenz.

Er übte zudem leise Kritik an den Einsatzregeln von Zweitvertretungen: "Wenn du gegen Zweitvertretungen spielst und dann Spiele dabei hast, wo auf einmal drei, vier Profis dabei sind, die verändern natürlich das Spiel. Man schadet in solchen Spielen einem Verein, der um Existenzen und für Massen spielt. Das kann schon sehr wehtun."

Positive Energie und Stolz für den Endspurt

Trotz der Verletzungssorgen, der ausbleibenden Siege und der schwindenden Aufstiegshoffnungen fordert der Cheftrainer eine bedingungslose Hingabe seiner Profis.

Auf die Frage nach möglichen Frustrationen in der Kabine fand Daniel Brinkmann auf der Pressekonferenz deutliche Worte: "Nein, geht nicht, dass wir hängende Köpfe haben und hängende Köpfe sehen, weil wir für Hansa Rostock spielen, also das sagt doch alles. Wir dürfen für so einen Verein arbeiten, wir sind so privilegiert, dass wir Fußballer sein dürfen oder Fußballtrainer, da darf es keine hängenden Köpfe zu keiner Zeit geben."

Die letzten beiden Partien stehen unter der klaren Prämisse, den Fans alles zu geben und die Saison positiv abzuschließen. "Es ist wichtig, einen guten Abschluss zu haben. Und unabhängig von dem Endresultat nachher, ist es ein Gefühl, was du mitnimmst, und ich möchte einfach, dass es ein positives Gefühl ist", schloss der Trainer seine Ausführungen.

Mit viel Stolz, breiter Brust und der bedingungslosen Unterstützung von den Rängen will der F.C. Hansa Rostock an diesem Samstag den Platz als Sieger verlassen.