Pleite-Liga? Klubs setzen sich für schärfere Auflagen ein.
Pleite-Liga? Klubs setzen sich für schärfere Auflagen ein. – Foto: Imago/osnapix / Titgemeyer

Kein zweiter Türkgücü-Fall: Drittligaklubs bewirken harte Maßnahmen

Auflagen auf Wunsch der Klubs verschärft

Die 3. Liga soll aus dem Insolvenzfall bei Türkgücü München lernen, hofft der DFB. Die Klubs haben sich dafür ausgesprochen, die Maßnahmen zu verschärfen.

München/Frankfurt a.M. – Der DFB verschärft das Zulassungsverfahren für die 3. Liga. Über die Corona-Pandemie war der Verband recht nachsichtig mit Lizenzauflagen umgegangen, der KFC Uerdingen, der 1. FC Kaiserslautern und Türkgücü München gingen als Drittligisten insolvent.

Vor allem die Pleite der Türkgücü-KGaA hat DFB und Klubs aufgerüttelt. Dass ein Verein den Spielbetrieb während der laufenden Saison einstellt, geschah erstmals in der Geschichte der 3. Liga.

Maßnahmen auf Wunsch der Klubs verschärft: 3. Liga will ein zweites Türkgücü-Szenario ausschließen

Es soll bei einem Mal bleiben: „Der Fall Türkgücü München ist die Ausnahme“, sagt Tom Eilers, Vorsitzender des Drittliga-Ausschusses, zu den Ergebnissen des Saisonreports 2021/2022.

„Wir versuchen, einen Lerneffekt daraus zu generieren“, verspricht er. Die Vereine scheinen aufgepasst zu haben: „Auf Initiative der Klubs haben wir die Maßnahmen noch einmal verschärft, um einen ähnlichen Fall in Zukunft zu verhindern“, erklärt Eilers. Die Verschärfung des Zulassungsverfahrens hatte der DFB bereits Ende Oktober beschlossen. Klubs drohen nun unter anderem strengere Sanktionen, wenn sie ihre Personalaufwendungen überschreiten. Darüber hinaus verlangt der Verband eine „Liquiditätsreserve“, sprich: einen Notgroschen, in Höhe von einer Million Euro von Klubs, deren Gesamterträge zu 80 Prozent oder mehr für Gehälter im Spielbetrieb verwendet werden.

3. Liga: Nur vier Klubs fahren Gewinn ein – „wir haben noch einen weiten Weg zu gehen“

„Manchmal muss man die Klubs vor sich selbst schützen“, fügt Manuel Hartmann an. Der Geschäftsführer-Spielbetrieb erklärt: „Man spricht gerne von einem ‚Rattenrennen‘ um den Aufstieg oder gegen den Abstieg. Da müssen wir aufpassen.“ Grundsätzlich ist er mit der wirtschaftlichen Stabilität und der Entwicklung zufrieden. Aber: „Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen“, sagt Hartmann auch, „nur vier Vereine haben einen Saisonüberschuss erwirtschaftet. Das ist eine Entwicklung, die wir genau im Blick behalten müssen.“

Vor allem neue Drittligaklubs werden unter die Lupe genommen, sagt Eilers: „Wichtig und erforderlich ist, die Klubs auf die 3. Liga vorzubereiten. Bei manchen Vereinen sieht man, dass diese Vorbereitung aus der bestehenden Struktur in den unteren Spielklassen schwierig erscheint. Die Professionalisierung der 3. Liga ist vorangeschritten, wir werden die verschärften Maßnahmen durchsetzen müssen.“ Professioneller wird es ab der Saison 2023/24 auch am Seitenrand: Die 3. Liga führt den vierten Offiziellen ein. (moe)

Aufrufe: 025.1.2023, 11:01 Uhr
Moritz BletzingerAutor