
Die Hälfte der Saison in der Kreisklasse A ist absolviert und es ist eine in vielerlei Hinsicht hochinteressante Liga. Ganz vorne scheint der TSV Ittlingen nicht einzuholen, während sich dahinter drei Klubs in Stellung für die Vizemeisterschaft gebracht haben. Kurios wird es im Abstiegskampf. Streng genommen müssen sich elf von 16 Klubs über die Winterpause noch Sorgen machen. In unserer Halbzeitbilanz gehen wir detailliert auf die Vorrunde ein und wagen einen Ausblick auf 2026.
Es wirkt beinahe surreal, was der TSV Ittlingen bislang abgeliefert hat. Ohne Niederlage und lediglich zwei abgegebene Punkte aufgrund eines Unentschiedens stehen in der Statistik des unangefochtenen Tabellenführers.
"Waibstadt ist meine große Liebe, aber in Ittlingen habe ich mich sofort schockverliebt", sagte Michael "Mike" Keitel und brachte seine Anfangsphase als neuer TSV-Trainer damit schnell auf den Punkt. Unter dem Trainerfuchs rufen die Ittlinger ihr vollstes Potenzial ab und bestätigen dies Woche für Woche mit starken Leistungen und regelmäßigen Dreiern. Deshalb ist es schwer vorstellbar, dass sich 2026 daran etwas ändern soll. Die wahrscheinlichste Variante ist der frühzeitige Titelgewinn des TSV, der gleichbedeutend mit der Kreisliga-Rückkehr nach zwei Jahren Abstinenz wäre.
Der TSV Steinsfurt hält sich nicht lange in einer Liga auf. Seit 2021 absolvierte der Sinsheimer Stadteilklub nicht mehr zwei Spielzeiten in Folge in der gleichen Liga. Von der Landesliga ging es schnurstracks runter in die Kreisklasse B und dort in diesem Sommer über die Vizemeisterschaft umgehend zurück in die Kreisklasse A.
Dort wirbeln viele Junge Wild neben dem erfahrenen Goalgetter-Spielertrainer Ben-Richard Prommer die Liga auf. "Mittelfristig ist es unser Ziel wieder in die Kreisliga aufzusteigen", sagte der Coach Mitte der Vorrunde und dafür sieht es zum Jahreswechsel alles andere als schlecht aus. Der TSV ist der Favorit für Rang zwei und damit für die Aufstiegsrelegation.
Mitte der Vorrunde hätten man diesen inoffiziellen Titel vermutlich noch der SG Untergimpern verleihen müssen, der SV Babstadt hat aber dank eines fulminanten Endspurts großen Anspruch darauf erhoben. "Die Geschichte ist schnell erzählt", erläuterte Babstadts Trainer Stefan Bartsch warum es bei einem vermeintlichen Kandidaten für die zweite Tabellenhälfte so gut läuft, "wir haben weniger Pech mit Verletzungen im Vergleich zum Vorjahr als wir fünf regelrechte Kollateralschäden zu verzeichnen hatten."

Man könnte auch festhalten, dass es überhaupt kein Mittelfeld gibt. Am ehesten fällt der TSV Angelbachtal noch darunter, der jeweils rund zehn Punkte nach oben wie nach unten als Puffer, beziehungsweise Rückstand aufweist. Die Littig-Elf kann daher schon jetzt für eine weitere A-Klassen-Saison planen.
Die üblichen Verdächtigen belegen die vorderen Ränge in der Torjägerliste. Prommer auf Rang eins mit 15 Treffern und Paul Reischl vom FC Eschelbronn mit nur einem Tor weniger direkt dahinter. Das Ittlinger Offensivduo Luca Carlos Retter Gomes (12) und Jannis Rodewald (11) folgt.
Während in Ittlingen der Meistersekt schon kaltgestellt werden darf, ist der Abstiegskampf an Spannung wahrlich nicht zu überbieten. Ab Rang sechs, den der FC Eschelbronn einnimmt, kann und darf sich niemand sicher sein. Wie schnell es gehen kann, hat der TSV Waldangelloch bewiesen. Der Tabellensiebte zierte Anfang Oktober noch das Tabellenende, ehe Sieg auf Sieg folgte.
Weitere Teams aus dieser Tabellenregion, wie der SV Adelshofen, der SV Sinsheim oder der FVS Sulzfeld besitzen eigentlich zu große individuelle Qualität, um ernsthaft den Abstieg befürchten zu müssen. Doch im Fußball hat es schon alles gegeben und wenn man erst einmal unten drinsteht, muss man einiges dafür tun, um selbst den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Auf den ein oder anderen Rückkehrer setzt die SG 2000 Eschelbach. Wenn der amtierende B-Klassen-Meister nach der Winterpause auf seine vielen offensiven Jungspunde zurückgreifen kann, sollte es in der Tabelle nach oben gehen. Wenn nicht, könnte es bis zum Schluss sehr eng werden.

Mit einem Trainerwechsel hat es die SG Stebbach/Richen versucht. Der erhoffte positive Effekt nach dem Ende der Ära Georg Wegmann ist jedoch schnell verpufft. In den sieben Partien danach gab es vier Zähler. Wenn der Durchmarsch von der Kreisliga in die Kreisklasse B verhindert werden soll, muss der Punkteschnitt in der zweiten Saisonhälfte besser werden.
Nach einer sehr schwachen Vorbereitung und angesichts der personellen Verluste, galt der VfB Bad Rappenau gemeinhin als Abstiegskandidat Nummer eins. Doch dann gab es vier Punkte aus den ersten beiden Partien und plötzlich war die schlechte Vorbereitung beinahe vergessen. Im weiteren Verlauf der Vorrunde kamen gegen Dühren und Sinsheim zwei weitere Dreier hinzu. Zum Jahresende macht das dennoch Platz 16 und damit die Rote Laterne, jedoch liegt das rettende Ufer gerade einmal zwei Zähler entfernt. Es ist also alles drin und vielleicht bekommt die Wirch-Truppe die eine oder andere Verstärkung über den Winter.
Der TSV Ittlingen wird Meister. Mit dieser Prognose lehnt man sich wahrlich nicht weit aus dem Fenster. Alles andere zu tippen, ist ungleich schwieriger. Steinsfurt wird im Kampf um die Vizemeisterschaft den SV Babstadt am meisten fürchten müssen und im Abstiegskampf wird vieles darauf ankommen, wer wie aus dem Winter kommt und personell ein wenig aufrüsten kann. Hier einen Tipp abzugeben, kommt dem Blick in die Glaskugel gleich.