2025-12-03T05:51:34.672Z

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Im Hintergrund agiert Kandemir in dieser Regionalliga-Partie zwischen dem 1. FC Düren und dem FC Gütersloh.
Im Hintergrund agiert Kandemir in dieser Regionalliga-Partie zwischen dem 1. FC Düren und dem FC Gütersloh. – Foto: Kamil Wilkowski

Kandemir vor zweiter Regionalliga-Saison: "Habe schnell Fuß gefasst"

Emircan Kandemir gilt gemeinhin als eines der größten Schiedsrichter-Talente am Niederrhein. Vor Beginn seiner zweiten Spielzeit in der Regionalliga-West wurde ihm noch ein echtes Highlight-Spiel anvertraut.

Der 23-jährige Emircan Kandemir vom TS Duisburg-Rahm 06 gehört erneut zu den zehn Schiedsrichtern des Fußball-Verbands Niederrhein (FVN), die in der kommenden Saison in der Regionalliga West pfeifen dürfen – ein erlesener Kreis. Im Gespräch mit FuPa Niederrhein blickt er auf seine ersten Einsätze in der vierthöchsten Spielklasse zurück und verrät dabei auch einen Aspekt, an dem er für seine Spielleitung zukünftig arbeiten möchte. Seine langfristigen Ziele hat er klar vor Augen – auch wenn er sie noch nicht offen ausspricht.

Auftakt ohne große Kopfschmerzen

Von der Bezirks- bis in die Regionalliga – Emircan Kandemirs Aufstieg verlief rasant. Jahr für Jahr ging es für den 23-Jährigen eine Spielklasse höher. Seit 2024 ist er nun Teil des Schiedsrichterteams in der Regionalliga West und darf damit erstmals Spiele im Profibereich leiten.

"Ich habe sehr schnell Fuß gefasst", lautet Kandemirs Fazit zu seiner Premierensaison in der Regionalliga. "Die Kommunikation mit den Spielern ist mir leichtgefallen, die Beobachter waren zufrieden. Sie haben gesehen, dass ich kommunikativ stark bin und auch in diese Liga gehöre."

Hier leitet Kandemir die Regionalliga-Partie zwischen dem KFC Uerdingen und Fortuna Düsseldorf II.
Hier leitet Kandemir die Regionalliga-Partie zwischen dem KFC Uerdingen und Fortuna Düsseldorf II. – Foto: Ralph Görtz

Acht Einsätze absolvierte er in der Regionalliga – ohne rote Karte, ohne großen Aufreger. Besonders brenzlige Situationen blieben aus, was für den jungen Unparteiischen eher ein Qualitätsmerkmal ist: "Ein Schiedsrichter ist dann gut, wenn er am Ende des Spiels nicht Thema war. Das war in meiner Saison in der Regionalliga zum Glück der Fall."

Wie sich ein Schiedsrichter verbessern möchte

Gleichzeitig weiß Kandemir, dass gerade in anspruchsvollen, engen Partien die wahre Reife eines Schiedsrichters sichtbar wird. Und genau dort möchte er sich weiterentwickeln. Erste Schlüsse hat er bereits gezogen.

"Ich könnte noch an der Entscheidungsschnelligkeit arbeiten", überlegt Kandemir. "Da habe ich auch ein Paradebeispiel: Ich hatte letzte Saison ein Spiel zwischen Türkspor Dortmund und dem FC Gütersloh. Bei einer Handsituation im Strafraum habe ich lange gezögert und dann erst entschieden." In der Nachbetrachtung war Kandemirs Bewertung im Spielmoment korrekt, fand aus seiner Sicht aber nicht schnell genug statt. Für die neue Saison will er sich daher eines vornehmen: "Wenn ich mir sicher bin, dann zeige ich auf den Punkt. Wenn ich es gesehen habe, dann brauche ich keinen Input mehr vom Linienrichter."

Schon am ersten Spieltag der neuen Spielzeit kann sich der 23-Jährige direkt wieder beweisen. Kandemir wird das Aufsteigerduell zwischen der U23 des VfL Bochum und dem Bonner SC (26. Juli, 14 Uhr) leiten. Wenige Tage zuvor kommt es für ihn zu einem weiteren "Highlight": Am Dienstagabend (22. Juli, 19 Uhr) wird Kandemir das Testspiel zwischen Regionalliga-Aufsteiger SSVg Velbert und Fortuna Düsseldorf pfeifen, das erste Mal, dass er mit einem Zweitliga-Klub auf dem Platz steht.

Doch auch wenn Kandemir nicht selbst auf dem grünen Rasen steht, möchte er sich in seiner Spielführung permanent und akribisch verbessern. Hilfreich dafür ist der Blick auf die Auftritte seiner Kollegen in der Regionalliga: "Ich schaue, was ich aus den Situationen lernen kann. Dabei ist mir nicht wichtig, ob eine Mannschaft gut oder schlecht drauf war. Ich schaue eher darauf, wie sich der Schiedsrichter positioniert und ob ich die Entscheidung vielleicht besser hätte verkaufen können, wenn ich in der Situation wäre."

"Ich mache so etwas mit Leidenschaft"

Platzverweis für den FC Kosova Düsseldorf im Landesliga-Duell mit der Holzheimer SG.
Platzverweis für den FC Kosova Düsseldorf im Landesliga-Duell mit der Holzheimer SG. – Foto: Markus Becker

Doch auch fernab der Regionalliga ist Kandemir ein gefragter Mann. Besonders wenn hochkarätige Partien am Niederrhein anstehen, ist er häufig im Einsatz. Für ihn persönlich sind solche Ansetzungen mehr als nur ein Pflichtauftritt: "Mir machen solche Spiele richtig Spaß. Ich bin mir nie zu schade in der Landesliga, Bezirksliga oder Kreisliga zu pfeifen. Ich habe letzte Saison auch ein Kreisliga-C-Spiel gepfiffen (für die zweite Mannschaft seines Stammvereins, dem TS Duisburg Rahm, Anm. d. Red.)", sagt Kandemir. "Ich mache so etwas einfach mit Leidenschaft und weil es mich freut, wenn die Teams jemanden auf dem Platz haben, der das Spiel leitet. Ich erinnere mich noch früher als bei mir in der D-Jugend ein Schiedsrichter nicht kam, dann ist das Spiel ausgefallen. Ich freue mich deshalb über jede Ansetzung."

Was seine Laufbahn betrifft, bleibt Kandemir fokussiert, aber zurückhaltend. Die nächsten Schritte wären ein Platz im DFB-Coaching-Kader für Regionalliga-Schiedsrichter sowie Einsätze als Assistent oder Vierter Offizieller in der 3. Liga – logische Ambitionen für einen jungen Schiedsrichter, auch wenn er sich hier noch bedeckt hält: "Ich spreche meine Ziele nicht gerne laut aus. Aber ich tue alles in dieser Saison dafür, dass ich am Ende Thema bin."

Aufrufe: 021.7.2025, 23:00 Uhr
Markus BeckerAutor