
Viel zu Lachen gab es beim TSV Brunnthal in den letzten drei Jahren nicht: Nachdem sich der Dorfverein 2023 nach zwei Jahren aus der Landesliga verabschieden musste, folgten zwei weitere Abstiege. Und auch der Verbleib in der Kreisklasse ist für das Team von Trainer Sebastian Schmid noch nicht gesichert. Da kommt diese Vollzugsmeldung gerade recht: Mit Fabian Porr (32), Luis Fischer (31) und Jakob Klaß (30) kehren zur kommenden Saison drei absolute Identifikationsfiguren des Klubs vom FC Unterföhring an die Jahnstraße zurück.
Über ein Jahrzehnt prägten sie die erfolgreichsten Zeiten der 78-jährigen Vereinsgeschichte mit, stiegen gemeinsam von der Kreisklasse bis in die Landesliga auf. Nun kommen sie im Herbst ihrer Karriere zurück, wenn auch nicht mehr mit 100-prozentiger Belastung. "Sie werden sicher nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine und im Umfeld eine Bereicherung für unsere Mannschaft und den Verein sein", weiß Stephan Wullrich, Sportlicher Leiter der Grün-Weißen, dennoch um die Wichtigkeit der Rückkehrer. Ihre Namen sind eng mit dem märchenhaften Aufstieg der "Brunnthaler Marder" bis in die Landesliga verknüpft – auch dort gehörten sie zu den wichtigsten Stützen des damaligen Trainers Raphael Schwanthaler.
Der Kontakt zu dem Verein, bei dem sie ihre mit Abstand erfolgreichste Zeit im Amateurfußball erlebten, ist nach ihren jeweiligen Abgängen nie abgerissen. Alle drei sagten unabhängig voneinander, dass mit Blick auf ihren Karriereausklang im Amateurfußball "nur ein Verein in Frage" kam. Bei einem Champions-League-Abend im Hause Fischer war auch Alois Bachmann dabei, mit dem das "Trio Infernale" jahrelang gemeinsam auf dem Platz stand und der mittlerweile neben seiner Rolle als Spieler gemeinsam mit Wullrich die sportlichen Geschicke leitet. "Wir haben bei ein paar Bier und Pizza ganz entspannt über das Thema gesprochen und danach war eigentlich alles geklärt", erzählt Fischer von den Transferverhandlungen, bei denen es nicht viel zu verhandeln gab.
Mit dem Abstieg aus Bayerns dritthöchster Amateurspielklasse entschied sich Jakob Klaß als Erster für eine Luftveränderung: Beim FC Unterföhring konnte er sich weiterhin in der Landesliga und zum ersten Mal außerhalb der heimischen Brunnthaler Gefilde beweisen. Einer starken ersten Spielzeit mit 19 Torbeteiligungen in 22 Partien folgten allerdings zwei, die von einer schweren Verletzung geprägt waren: Im November 2024 riss sich der Stürmer im Training das Kreuzband und musste knapp ein Jahr pausieren. Seit seinem Comeback Ende Oktober 2025 kam er in zehn Einsätzen meist als Joker zum Einsatz, in denen er zwei Treffer beisteuerte.
Nun verschieben sich die Prioritäten des 30-Jährigen zunehmend: Im Sommer erwarten Klaß und seine Frau ihr erstes Kind: "Aufgrund der bevorstehenden Geburt meines Sohnes wird alles reduzierter stattfinden", weiß Klaß um den Zeitaufwand in der Landesliga, der sich mit den Verpflichtungen als Vater nur schwer verbinden lässt. Ganz auf Vereinsfußball verzichten kann und will er aber nicht. Als sich die Möglichkeit einer Rückkehr eröffnete, zögerte er deshalb nicht lang. "In meiner persönlichen Situation kam nur ein Verein in Frage. Ich lege nun mehr den Fokus auf Gemeinschaft, Vereinsleben und darauf, mit den besten Freunden Fußball spielen." Nur Gaudi und Larifari soll das aber nicht bedeuten: "Wir wollen natürlich die Klasse halten", stellt der Stürmer, der bisher 98 Tore in 184 Spielen für den TSV in seiner Vita stehen hat, klar und ergänzt: "Es fühlt sich wie Heimkommen an. Ich bin einfach nur glücklich und freue mich auf das, was kommt!"
Für Luis Fischer ist es bereits das dritte Engagement in Brunnthal: Im Januar 2015 kam er erstmals von seinem Jugendklub FC Deisenhofen, zu dem er im Sommer 2017 wieder zurückging. Nur ein halbes Jahr später schlug er dann wieder an der Jahnstraße auf und blieb für sechseinhalb Jahre. Mit 36 Toren in 143 Partien lieferte der 31-Jährige Mittelfeldstratege in diesem Zeitraum eine starke Quote ab.
Die bestätigte er mit 16 Scorerpunkten in 24 Partien auch in seiner ersten Spielzeit in Unterföhring. Nach zwei Jahren feiert er nun seine zweite Rückkehr nach Brunnthal. "Wir haben dem Verein sehr viel zu verdanken und wollen ihm etwas zurückgeben", sprach Fischer, der vor kurzem zum zweiten Mal Papa wurde, für sich und seine beiden Kollegen. "Durch die familiäre Veränderung wird der Aufwand jetzt deutlich geringer ausfallen. Trotzdem freue ich mich riesig, die alten Gesichter wieder öfter zu sehen und werde die Zeit genießen."
Und dann ist da noch Fabian Porr, der in seiner ersten Zeit beim TSV nicht umsonst den Spitznamen "Porrmaschine" verliehen bekam. Von der Kreisklasse bis zur Landesliga brachte die Nummer 9 die gegnerischen Defensivreihen über Jahre zur Verzweiflung. Mit insgesamt 197 Toren in 211 Spielen ist er der wohl beste Torjäger der Brunnthaler Vereinsgeschichte. Anfang 2024 wechselte Porr nach Hallbergmoos, zog im vergangenen Sommer nach anderthalb durchwachsenen Jahren weiter nach Unterföhring, wo ihn seine Kumpels Klaß und Fischer mit offenen Armen empfingen. Dort legte er mit zehn Toren und elf Assists nochmal eine für ihn sehr erfolgreiche Spielzeit hin – seine vermutlich letzte im gehobenen Amateurfußball.
Denn: Nachdem der Sport jahrelang für ihn in seiner Freizeit ganz oben stand, haben sich die Dinge mittlerweile geändert. "Fußball hat bei mir nicht mehr die höchste Priorität, weswegen ich meine Karriere entspannt ausklingen lassen will", erklärt der 32-Jährige. Die Verbindung zum Verein ist seit seinem Abschied nie abgerissen. "Da ich Brunnthal viel zu verdanken und immer noch viel Kontakt mit Spielern habe, war für mich klar, dass nur der TSV in Frage kommt. Ich freue mich, wieder 'zu Hause' zu kicken."
Ob Porr, Fischer und Klaß das dann in der Kreisklasse tun – dort, wo vor vielen Jahren ihre Reise in Brunnthal begann – werden die nächsten Wochen zeigen. Dann entscheidet sich, ob der TSV den Klassenerhalt schafft. Für das Trio steht das aber nicht mehr an erster Stelle, sondern der Spaß am Kicken – zu Hause, bei ihrem TSV, gemeinsam mit ihren Freunden.
