
Was hatten sie nicht alles in den (inklusive Nachspielzeit) knapp 100 Minuten am Sonntagnachmittag versucht – und wie glücklos agierten die Akteure des TuS Mosella Schweich am und im Strafraum der personell arg geschwächt in die Partie gegangenen SG Ruwertal/Gutweiler. Nachdem Tobias Krämer die Gastgeber mit einem herrlichen Schuss aus 25 Metern fast genau in den linken Torwinkel mit 1:0 in Führung gebracht hatte, sah es sogar nach einer Niederlage des Tabellenzweiten im Derby aus. Bis in die Nachspielzeit hinein: Die scharf vors Tor gezogene Ecke von Julius Kalweit wurde lang und länger. Jordan Nkamgove im Kasten der Ruwertaler war noch am Ball dran, konnte aber nicht mehr verhindern, dass dieser hinter ihm einschlug.
Trainer Bastian Jung war ganz weit davon entfernt, seinem Schlussmann auch nur ansatzweise einen Vorwurf zu machen: „Jordan hat ein brutales Spiel gemacht, wie alle heute.“ Fast eine ganze Mannschaft fehlte den Ruwertalern. Die Bank war entsprechend dünn besetzt. Andreas Steffen ließ sich dabei angeschlagen einwechseln, musste aber unter Schmerzen vorzeitig wieder vom Platz. Aus der zweiten Garnitur half Nicolas Repplinger. Andere wiederum mussten auf für sie ungewohnten Positionen ran, darunter Torschütze Krämer, der diesmal als rechter Außenverteidiger agierte. „Tobi hat einen super Abschluss und hat sich mit seinem Treffer für seinen großen Aufwand, den er immer betreibt, belohnt“, unterstrich Jung, dessen Team trotz aller Personalprobleme die Serie nun auf fünf Partien ohne Niederlage ausbaute.
Die Ruwertaler überließen den Schweichern die Spielkontrolle und versuchten, über Nadelstiche zu Chancen zu kommen. Bereits früh wäre dieses Konzept ums Haar belohnt worden: Nach klugem Zuspiel von Fynn Martin düpierte Mathias Biwer gleich zwei Abwehrspieler der Mosella, fand dann aber in Torwart Bendix Große seinen Meister (vierte Minute).
Davor und danach brannte die Mosella aber ein Chancenfeuerwerk ab. Gerade Stephan Schleimer und Jens Schneider kamen ein ums andere Mal zu vielversprechenden Möglichkeiten. Mal war Nkamgove zur Stelle, mal fehlte die Präzision, mal mangelte es schlicht an der nötigen Portion Glück.
Die Ruwertaler versuchten es in ihren Offensivbemühungen zur Not auch unkonventionell. So etwa Mitte des ersten Durchgangs. Der Ex-Schweicher Steve Kirchen nahm etwa von der Mittellinie aus Maß und zwang Große dazu, sich lang zu machen, um so den Ball noch über die Latte zu lenken (27.).
Bastian Jung, Coach der SG Ruwertal/Gutweiler
Im zweiten Durchgang forcierte die Mosella das Tempo. Es häuften sich Chancen aus zentraler Position, die aber zum Teil sogar kläglich vergeben wurden. „Es war wie verflixt. Wir hatten solch eine Vielzahl an Chancen. Wenn du die alle nicht verwertest, kriegst du dann auch mal eins“, wusste Schweichs Trainer Thomas Schleimer um eine uralte Fußball-Logik.
Als Krämer die Ruwertaler in Front gebracht hatte, wurden die Aktionen der Mosella zunehmend hektischer. „Die können noch drei Stunden spielen und schießen kein Tor mehr“, meinte einer der 204 Zuschauer in Kasel bereits. Nach Kalweits Kunststück schienen die Fesseln gelöst zu sein. Die über die volle Distanz aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeber sehnten den Abpfiff des souveränen Schiedsrichters Arndt Collmann entgegen. Nkamgove rettete noch zwei Mal stark bei Kalweits Distanzschuss und dem anschließenden Eins-gegen-eins gegen Schneider.
Trotz des spät kassierten Ausgleichstreffers überwog bei den Ruwertalern die Freude über den einen Punkt, den sie den favorisierten Schweichern abgeknöpft hatten. Nach oben und unten geht nicht mehr viel. Trotzdem blickt Coach Jung den kommenden Wochen motiviert entgegen: „Wir spielen noch gegen einige Mannschaften, die um den Aufstieg oder gegen den Abstieg kämpfen. Da gebietet es die Fairness, weiter Gas zu geben. Wir wollen andere ärgern und selbst Spaß haben.“
Mit dem FSV Salmrohr (1:2 in Lüxem) patzte zwar einer der Schweicher Mitkonkurrenten um Relegationsplatz zwei, Mosella-Trainer Schleimer nahm das „positiv zur Kenntnis“ und freut sich über den komfortablen Vorsprung seiner Elf. Kurz nach dem Abpfiff überwog aber bei ihm doch noch ein wenig die Enttäuschung, das trotz eines phasenweise richtig guten Auftritts überlegen geführte Match nicht gewonnen zu haben.
Am Rande der Begegnung bestätigte Schleimer TV-Informationen, wonach Angreifer Niklas Cillien nach der Saison zum aktuellen A9-Ligisten SV Wittlich wechselt.
SG Ruwertal/Gutweiler - Mosella Schweich 1:1 (0:0)
Ruwertal: Nkamgove - J. Jung (77. Repplinger), Pieper, Hofmann, Neumann, Biwer (63. Steffen, 90.+2 Stöckel), S. Kirchen (87. Bernarding), Bonn, Herres, Martin, Krämer
Schweich: Große - Schwarz, Kurz (77. Ossen), Schmitt (53. Pitsch), Schneider, Kreber (65. Maldener), S. Schleimer, Schäfer (65. Hansjosten), Kalweit, Grundmann, Rodrigues (73. Stüttgen).
Schiedsrichter: Arndt Collmann (Welschbillig) - Zuschauer: 204
Tore: 1:0 Tobias Krämer (69.), 1:1 Kalweit (90.+2)