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Aufreger der Woche

Kalt erwischt!

Der Winter schaute am vergangenen Wochenende in Bayern vorbei. Wahrlich nicht ungewöhnlich für Ende November, was aber zu teils chaotischen Zuständen im Amateurfußball führte

von Mathias Willmerdinger · 25.11.2025, 14:00 Uhr · 0 Leser
Unbespielbar: Im Hirsch-Sportpark in Eichstätt ging am vergangenen Samstag nichts. Man hat im November aber bestimmt schon schlechtere Plätze gesehen...
Unbespielbar: Im Hirsch-Sportpark in Eichstätt ging am vergangenen Samstag nichts. Man hat im November aber bestimmt schon schlechtere Plätze gesehen... – Foto: Verein

Dass der Winter Ende November manchmal ernst macht, ist so überraschend nun nicht. Und auch die Wetterprognose war seit Tagen eindeutig: Für das vergangene Wochenende waren knackige Minustemperarturen vorhergesagt. Dennoch wirkten im bayerischen Amateurfußball so manche völlig überrumpelt.

Die Ouvertüre im Streichkonzert der etwas anderen Art gab`s in der Bayernliga Nord: Bereits am Freitagabend musste der ASV Cham aus Erlangen wieder unverrichteter Dinge und zähneknirschend die Heimreise antreten, nachdem kurz vor dem geplanten Anpfiff die Entscheidung fiel, das kein Spiel stattfinden würde. Der Platz war gefroren.

Für viel Frust und Ärger sorgte vor allem der Umstand, dass überdurchschnittlich viele Partie erst kurz vorm Anpfiff durch die eingeteilten Schiedsrichter abgesagt worden sind. Doof für den Heimverein, der organisatorisch alles in die Wege geleitet hatte für ein Heimspiel. Aber noch viel ärgerlicher für die Auswärtsteams, die zum Teil hunderte Kilometer Fahrt für nichts und wieder nichts auf sich genommen hatten.

In der Regionalliga war in Eichstätt schon alles angerichtet, die Gäste vom TSV Schwaben Augsburg waren bereits da, dann folgte rund eine halbe Stunde vorm Spiel die Entscheidung: Spielabsage! Ein kleiner Teil des Platzes im Hirsch-Sportpark war noch gefroren. "Ein sensibles Thema. Wir als VfB Eichstätt akzeptieren die Entscheidung, haben aber auch beschlossen, dass wir uns dazu nicht mehr öffentlich äußern werden", erklärt Sportvorstand Marco Schiebel.

Eine Spielklasse tiefer und rund 60 Kilometer nördlich in Neumarkt in der Oberpfalz zeitgleich ein ähnliches Bild. Der Trainer der SpVgg Weiden, Michael Riester, dessen Team umsonst nach Neumarkt gefahren war, sagte zutreffend: "Wir fahren nach Neumarkt, in der Nacht herrschen minus acht Grad, jetzt sind es rund null Grad – da braucht man kein Experte sein, um zu wissen, dass ein Platz unter solchen Bedingungen nicht auftauen kann."

Noch deutlicher wurde Daniel Stöcker, Sportlicher Leiter beim TSV Neudrossenfeld. Eingedenk der äußeren Bedingungen hatten die Oberfranken mit einer Absage gerechnet. Die kam aber nicht, und so machte sich der TSV-Tross auf ins knapp 150 Kilometer entfernte Würzburg - mit einem unguten Gefühl, das sich dann leider bestätigte: "Wir hatten dies aus der Ferne schon befürchtet – dass es nun tatsächlich so kam, ist natürlich ein Witz und ärgerlich." Kurios an dieser Stelle: In der eigentlich klimatisch begünstigten Weinbauregion Würzburg machte Väterchen Frost dem Fußball einen Strich durch die Rechnung. Ausgerechnet in Hof aber, als Kälteloch verschrien und gerne als "Bayerisch Sibirien" bezeichnet, konnte gespielt werden…

Die vielen kurzfristigen Absagen führten allerdings zu keinem raschen Lerneffekt. So reiste am Sonntag die DJK Ammerthal, Tabellenführer in der Landesliga Nordost, nach Buckenhofen - und wieder folgte die kalte Dusche vor Ort. Spielabsage durch das eingeteilte Schiedsrichtergespann!


10. Dezember 2022: "Schneewalzer" in der Regionalliga Nordost zwischen dem ZFC Meuselwitz und TeBe Berlin.
10. Dezember 2022: "Schneewalzer" in der Regionalliga Nordost zwischen dem ZFC Meuselwitz und TeBe Berlin. – Foto: Tanja Kaltofen


Nun stellt sich die Frage: Wie konnte das alles passieren? Es ist doch schließlich jeden November wenn’s kalt wird dasselbe Spielchen. Ein wenig mehr Routine im Umgang mit der Situation hätte man schon erwartet. Und dennoch wirkte es, als wäre es so mancherorts eine Premiere. Wollten die Heimvereine nicht einsehen, dass es unter diesen Umständen keinen Sinn macht? Oder haben die Schiedsrichter einfach zu übervorsichtig reagiert? Früher war es keine Seltenheit, dass auf Schnee gespielt wurde. Das ist mittlerweile fast undenkbar. Was aber natürlich schon auch richtig und wichtig ist: Die Sicherheit der Akteure steht an erster Stelle. Hier gilt es sorgsam abzuwägen, was noch vertretbar ist, und wann es gefährlich und somit fahrlässig wird. Einen Verantwortlichen für die teils chaotischen Zustände am Wochenende zu finden, ist deshalb mehr als schwierig. Mit Pauschalurteilen würde man es sich zu einfach machen. Spiel ja, oder nein? Es ist oft ein schmaler Grat.

Ein Vorschlag, wie in Zukunft solche Szenarien wie am vergangenen Wochenende vermieden werden könnten: Jeder Verein hat Schiedsrichter oder Schiedsrichterinnen in seinen Reihen. Diese könnten vorab für das eingeteilte Schiedsrichtergespann die Platzbesichtigung übernehmen und eine Einschätzung abgeben, ob gespielt werden kann oder nicht - bevor die Gästemannschaften die Anreise antreten! So viel Expertise darf man den Kollegen durchaus zutrauen. Damit wäre am vergangenen Wochenende viel Ärger erspart geblieben.