
Leo Kaiser konnte sich beim Gang in die Kabine kaum retten vor den vielen Händeschüttlern. Der 20-jährige Rechtsangreifer der U23 von Ratingen 04/19 schoss in der vierten Minute der Nachspielzeit mit einem spektakulären Treffer in den Winkel den 1:1-Endstand im Bezirksliga-Heimspiel gegen die SVG Weißenberg, und die Lage seiner Mannschaft wird immer sicherer. 16 Punkte wurden in den jüngsten sieben Spielen eingefahren, es ist eine beeindruckende Rückrunde, die die Blau-Gelben spielen. Und dann sagte Kaiser zum Tor des Tages: „Ich wurde ja großartig angespielt von Florian Saliji. So großartig, dass ich noch einen Moment Zeit bekam, zu überlegen, wo der Schuss hingehen muss. Klar, es konnte nur die lange Ecke sein. Letztlich war der Ball drin und das Unentschieden gesichert.“
Danach sah es kurz vorher überhaupt nicht aus. Denn die abwehrstarken Weißenberger konnten einen Fehlpass von Florian Rexha erobern und einen Konter laufen. So gerieten die Ratinger in der zweiten Minute der Nachspielzeit 0:1 in Rückstand, und wer glaubte da noch an einen Ausgleich? Niemand. Zumal die Gäste ein imponierendes Abwehrspiel aufgezogen hatten bis in diese Nachspielzeit. Torchancen waren auf beiden Seiten Raritäten, denn auch die Ratinger standen hinten überaus sicher mit dem überragenden Keeper Sam Koch, dem Linksverteidiger Philipp Mokwa und Innenverteidiger Nolan Manassa.
Jedenfalls waren bei der U23 alle hochzufrieden mit der Punkteteilung. Der Boss Jens Stieghorst sagte: „Klar, ein Dreier wäre uns allen lieber gewesen. Aber nach dieser dramatischen Schlussphase freuen wir uns auch über diesen einen Punkt.“ Ähnlich sah es Jugendvorstand Reinhold Mauermann: „Hätten wir dieses Spiel verloren, und danach sah es schließlich am Ende auch aus, wäre es richtig schade gewesen. Dieses 1:1 ist rundherum gerecht.“
Einige derartige „Bestrafung“ gab es beim SV Hösel noch nie. Denn beim Wechsel lag der Bezirksliga-Aufsteiger am heimischen Neuhaus gegen den Tabellendritten SG Benrath-Hassels 1:6 zurück. Schon das Hinspiel ging 0:6 verloren. Was sollte nun noch alles kommen? Hösel spielte grenzenlos unterlegen, und alles deutete auf eine noch üblere Nummer hin, und das vor den eigenen Fans.
Es kam schlimmer. Der SVH unterlag 1:10, die höchste Niederlage der letzten 50 Jahre in einem Punktspiel. Wahrscheinlich auch in der langen Vereinsgeschichte seit 1948. Trainer Tomy Mirosavljevic hatte dennoch eine plausible Erklärung: „Hassels stellt die beste Mannschaft der Liga. Das erkannten wir schon im Hinspiel. Deswegen war diesmal Schongang angesagt. Die nächsten drei Spiele sind erheblich wichtiger. Das beginnt am Donnerstag, wenn wir um 20 Uhr nach Uedesheim müssen. Das ist ein Tabellennachbar.“