2026-09-24T14:13:03.613Z

Spielbericht

K oder F

von Jörn Kutschmann · Gestern, 23:32 Uhr · 0 Leser

SV Hertha Otze – SUS Sehnde II 1:1

8.Spieltag 2.Kreisklasse Region Hannover St.1 Saison 2026/2027

Donnerstag, 24.09.2026 19:30 Uhr

40 Zuschauer

Sportanlage am Heeg

Ich mag ja eher stilvolle und subtile Witze.

Flachwitze sind bei mir natürlich auch gerne gesehen.

Rüder Männerwitz dagegen ist bei mir eher unbeliebt.

Aber ein Witz, der in diese Kerbe schlägt, hat es mir angetan.

Erzählt hat ihn der Sänger der Band „die ärzte“ … aus Berlin (auuuus Berlin) in irgendeinem TV-Auftritt. Und er geht so:

Auf einer Party lernen sich ein Junge und ein Mädchen kennen. Nach einer Weile Flirten fragt er sie nach ihrem Namen.

Sie grinst ihn an: „Ich heiße wie die Muschi, nur ohne den ersten Buchstaben.“

Irritiert sieht er sie an: „Hä?! Du heißt Otze?!“

Brüller, oder?

Jetzt könnt ihr euch sicher vorstellen, wie ich geguckt habe, als der Matchkalender für den Donnerstagabend ein Spiel des SV Hertha Otze vorschlug.

Kein Zweifel – da musste ich hin.

Also verließ ich am frühen Abend mein Hotel und war kurz darauf am Hauptbahnhof von Hannover.

Ich checkte noch mal kurz meine Verbindung und sah, dass die S6, die ich eigentlich nehmen wollte, ausfiel.

Gut, dass ich noch einen Plan B in der Tasche hatte: Mit dem Regio nach Lehrte und dann mit der S-Bahn weiter.

Leider hatte der Regio genau so viel Verspätung, dass ich eine Minute nach der Abfahrt der S-Bahn in Lehrte ankam.

Was nun?

Die nächste Verbindung wäre erst um 19:45 Uhr in Otze angekommen. Einen Bus fand ich nicht. Genauso wenig wie einen Mietwagen oder einen E-Scooter. Mit Letzterem wäre es eh knapp geworden.

Die letzte Option, die mir einfiel, war ein Uber.

Leider habe ich aktuell Probleme mit meinem PayPal-Konto und viel Bargeld hatte ich auch nicht mehr im Portemonnaie.

Und davon brauchte ich gegebenenfalls noch etwas, denn der Instagram-Account des SV Hertha hatte mir zugesichert, ein Souvenir zum Spiel mitzubringen.

Aber es gab keine Wahl.

Ich änderte die Zahlungsart in der Uber-App auf Bar und orderte den Wagen.

Zehn Minuten später stieg ich in das kostenpflichtige Transportmittel und befand mich sofort in einem lustigen Gespräch mit dem Fahrer.

Ein Mann, der trotz langer Arbeitszeiten glücklich mit seinem Job war.

Denn damit kann er seine Familie ernähren und leistet seinen Teil für ein angenehmes Leben in Deutschland.

Sowieso liebt er jeden Stein und jeden Grashalm in diesem Land.

Warum erzähle ich das? Weil der Mann erst seit vier Jahren in Deutschland lebt und unheimlich stolz darauf ist, mit einem Job dem Land etwas zurückzugeben, das ihm, seiner Frau und seinen Kindern so viel gegeben hat.

Und jeder, der von Remigration spricht und damit das Leben meines neuen Freundes und seiner Familie gefährdet, ist einfach eine Otze!

Da ich mein Uber etwas panisch und hektisch bestellt hatte, hatte ich die Ortsmitte von Otze als Ziel angegeben.

Hier schmiss mich mein Fahrer jetzt auch raus und machte sich auf den Weg in den verdienten Feierabend.

Ich schmiss Maps an und stellte fest, dass ich noch einen viertelstündigen Spaziergang vor mir hatte. Planmäßige Ankunft am Platz: 19:31 Uhr … Also wurde der Weg mit zügigen Schritten in Angriff genommen und ich erreichte das Ziel genau in dem Moment, als beide Teams den Rasen betraten.

Da die Anlage hier überschaubar war, konnte ich mir trotzdem in Ruhe alles ansehen und freute mich, es pünktlich geschafft zu haben.

Der SV Hertha Otze spielte in Leibchen, da seine blau-weißen Trikots den dunkelblauen Jerseys der Gäste wohl zu ähnlich waren.

Ich glaube, dem Schiri hätte es eigentlich gepasst, aber er hatte einen Beobachter da und wollte deswegen wohl alles genau nach den Regularien machen.

Während Otze in den ersten Minuten des Spiels hinten reingedrängt wurde, kam ein älterer Herr mit einer Geldkassette in der Hand auf mich zu.

3 € wollte er dafür, dass ich das Spiel hier gucken darf. Ich gab ihm das Geld gerne. Leider bekam ich keine Eintrittskarte dafür. Aber einen Schwatz gab es gratis dazu.

Aber ich verstand den Mann irgendwie nicht. Ich fand das merkwürdig, denn ich dachte, in Niedersachsen und gerade in Hannover wird das hochdeutscheste Deutsch im Land gesprochen.

Im ersten Durchgang passierte auf dem Feld nicht mehr viel und es ging mit einem 0:0 in die Pause. Ich nutzte die Halbzeit, um die Bilder vom Sportplatz an ein paar Freunde zu senden.

Bei den Bildern, auf denen das Wort Otze zu lesen war, schickte ich die Frage mit, ob da vielleicht ein Buchstabe fehlt.

Ronny antwortete umgehend: „Na, entweder ein K oder ein F.“

Ich war die ganze Zeit so bei Farins Witz, dass ich gar nicht daran gedacht hatte, dass ein K auch passen würde.

Allerdings war hier alles andere als zum Kotzen. Obwohl ich mir die Finger an der heißen Bratwurst in Otze verbrannt habe … macht da mal einen Joke draus.

Ich wusste auch gar nicht, dass ich hier schon so nördlich war, dass keine Schrippe mehr zur Wurst gereicht wird.

Schmeckte aber auch so und die zweiten 45 Minuten waren auch ein Schmackofatz.

Obwohl der SV Hertha nun besser ins Spiel kam, gingen die Gäste in Führung.

Aber die Jungs aus Otze gaben nicht auf und kamen in der letzten Minute der regulären Spielzeit nach einem Torwartpatzer zum verdienten Ausgleich.

Danach gab es hüben wie drüben noch Möglichkeiten, einen Sieger zu küren. Am Ende blieb es aber bei einer Punkteteilung.

Ich checkte noch mal meinen Nachrichteneingang, ob denn noch mal jemand etwas wegen eines Souvenirs geschrieben hatte (dem war leider nicht so), und dann ging es schnellen Schrittes zur S-Bahn.

Von dieser sah ich nur noch die Rücklichter und hatte so eine Stunde Zeit.

Gut, dass mein privater und beruflicher Posteingang voll war. So konnte ich die Zeit für Korrespondenz nutzen, bis die Bahn kam und mich gen Hotel brachte.

Vor dem Einschlafen spielte ich mit dem Gedanken, mir einfach aus dem Internet ein paar Otze-Artikel zu bestellen. Die Herthaner haben nämlich einen Online-Fanshop.

Eigentlich mache ich das ja nicht, aber irgendwie will ich von diesem Verein unbedingt ein Andenken haben. Muss am „Hertha“ im Vereinsnamen liegen …

Am nächsten Tag, nach vollendeter Arbeit, sollte es nach Hause gehen.

Allerdings kam mir am Hauptbahnhof Hannover fast das (K)otzen …

Irgendwo waren Personen im Gleis, die Oberleitung war defekt, der Zug musste repariert werden und Personal fehlte auch wieder überall.

Diverse Züge fielen aus und alle anderen kamen zu spät.

Mein Zug kam mit 65-minütiger Verspätung, mein Sitzplatz war irgendwie nicht da und durch einen Umweg kam ich zwei Stunden später zu Hause an als geplant.

Mann, Deutsche Bahn, du blöde Otze.

der Kutten König