2026-02-20T12:29:42.904Z

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Justin Kuhlen beim PSV MG: „Die einfachen Dinge sind so viel wert“

Mit nur 24 Jahren erleidet der vom Polizei SV bekannte Fußballer Justin Kuhlen plötzlich einen Schlaganfall. Knapp ein halbes Jahr später ist er wieder genesen und will fit für den Fußballplatz werden. Wie sich der Gladbacher zurückgekämpft hat.

von Arnd Janssen · Gestern, 23:00 Uhr · 0 Leser
Justin Kuhlen kämpft sich nach einem Schlaganfall nicht nur wieder in den Fußball.
Justin Kuhlen kämpft sich nach einem Schlaganfall nicht nur wieder in den Fußball. – Foto: Heiko van der Velden

Der 10. September 2025 war für ihn der Schicksalstag. Justin Kuhlen, im Fußballkreis als torgefährlicher Stürmer des Polizei SV Mönchengladbach bekannt, erlitt an diesem Tag einen Schlaganfall – mit 24 Jahren, ohne Vorwarnung. Wie es dazu kam, wie er jetzt kaum ein halbes Jahr später schon wieder Fußball spielen kann und warum er nach einem kurzen Gastspiel bei TuRa Brüggen zurück beim PSV ist, erzählte er unserer Redaktion.

Wenige Tage zuvor hatte Kuhlen sein erstes (und letztes) Spiel für Brüggen gemacht, gegen den 1. FC Mönchengladbach war er eingewechselt worden. Dennoch ging er am Abend vor seinem Schlaganfall normal ins Bett. „Ich bin am Morgen aufgewacht und hatte plötzlich dolle Probleme mit den Augen. Ich fiel nach dem Aufstehen erst mal um, weil ich kaum sehen konnte. Ich habe mich dann noch mal schlafen gelegt“, berichtet Kuhlen.

Im Treppenhaus gestürzt

Dann habe sein Vater unten an der Haustür geklingelt. Kuhlen stieg die Treppe hinab, um ihm zu öffnen. Im Treppenhaus sei er gestürzt und habe anschließend benommen drei Stunden auf dem Boden gelegen. Erst dann habe Kuhlen wieder in seine Wohnung hochgehen können, auch seine Sicht habe wieder ein wenig besser funktioniert. Da mittlerweile 13 Uhr war, meldete sich Kuhlen auf seiner Arbeitsstelle krank.

„Ich bin dann zum Augenarzt. In der ersten Zeit war ich verwirrt und habe viel vergessen, habe mich aber selbst normal gefühlt. Doch die anderen Leute merkten schon, dass etwas nicht stimmt“, erklärt Kuhlen. Der Augenarzt machte Tests, stellte aber bald fest: Der Auslöser für Kuhlens Sichteinschränkung sei neurologischer Natur und nicht visueller. Der Arzt habe ihn noch hingehalten, kurze Zeit später standen die mittlerweile zugerufenen Sanitäter in der Tür. Kuhlen wurde ins Krankenhaus gebracht.

Dort folgten viele Untersuchungen, schließlich stand schnell die Diagnose Schlaganfall fest. Bis auf einer Wunde am Kopf vom Sturz ging es ihm gut, der Schlaganfall bereitete ihm aber Erinnerungslücken. „Ich habe verwässert gesprochen, gelallt, meine Angaben haben keinen Sinn ergeben, und am Anfang schielte ich“, so Kuhlen. Aufgrund seines geistigen Zustands habe man ihm auch erst nach einer Woche seine Diagnose mitgeteilt. „Vorher konnte ich damit nichts anfangen, weil ich so verwirrt war. Aber Brüggen, der Polizei SV und mein Vater wussten natürlich Bescheid“, sagt der mittlerweile 25-Jährige. Spieler und Trainer des PSV kamen ihn im Krankenhaus besuchen, besonders PSV-Kapitän Marvin Küsters kümmerte sich da und in den Folgewochen um Kuhlen.

OP nach Schlaganfall notwendig

Nach neun Tagen wurde Kuhlen entlassen, doch einen Monat nach dem Schlaganfall musste er operiert werden: „Ich habe ein Loch über dem Herzen, in dem sich ein Blutgerinnsel gebildet hat, das den Schlaganfall ausgelöst hat. Das Loch wurde geschlossen mit einer Art Wand, sodass kein Blut mehr durchfließen kann“, erklärt Kuhlen und fährt fort: „Schlaganfälle sind immer durch das Hirn oder das Herz bedingt. Ältere Menschen bekommen die meist übers Hirn. Ich hatte Pech, da ich das Loch überm Herz hatte und dazu noch das Blutgerinnsel.“ Eine familiäre Vorgeschichte hatte er nicht.

Die Operation vertrug Kuhlen dann gut. Weitere Folgeuntersuchungen bestätigten, dass sein Herz die neue Wand gut annimmt. Von November bis Januar ging es für ihn dann in Kur in einer Meerbuscher Klinik, in der er einer der Jüngsten war. „Viel Programm wie Gehen lernen oder Physiotherapie brauchte ich gar nicht. Ich brauchte nur die Therapie für den Kopf, für das Erinnerungsvermögen“, sagt er. Natürlich war auch an Sport kaum zu denken, nach der OP hatte Kuhlen einen Monat Sportverbot. In der Kur war nur Rehafitness möglich.

Zurück daheim wollte er eigentlich die Wintervorbereitung in Brüggen mitmachen, auch wenn er ein halbes Jahr nicht Fußball gespielt hatte. Doch es war dafür noch zu früh, folglich sagte man ihm: „Mach erst mal ruhig.“ Verständlich, dennoch kam Kuhlen ins Grübeln. „Ich weiß gar nicht, wie mein Körper das mitmacht. Ich überlegt mir, dass es besser wäre, im gewohnten Umfeld weiterzumachen. Der Polizei SV ist direkt bei mir um die Ecke, ich spiele mit meinen Freunden. Und wenn ich beim PSV die ersten Wochen nicht auf Top-Niveau spielen kann, ist das nicht schlimm“, erklärt er.

Bei Brüggen in der Bezirksliga ist das Niveau natürlich noch mal ein anderes. Er entschied sich also für einen Winter-Wechsel zum alten Verein zurück. „Ich wollte einfach wieder locker spielen und ging lieber zum PSV zurück, um wieder reinzukommen. Ich will mit dem PSV wieder Gas geben können“, sagt Kuhlen, der aber auch betont: Auch in Brüggen habe es nicht an Unterstützung gemangelt, man habe viel Verständnis für seine Situation gehabt und auch gegen einen Wechsel nichts einzuwenden gehabt. „Es ist immer schon was anderes, beim PSV zu spielen, als bei anderen Vereinen. Und nach dem Schlaganfall merke ich: Die einfachen Dinge sind so viel wert“, versichert er.

Ausschlaggebend für seinen ersten Wechsel vor einigen Jahren zum Polizei SV war auch Trainer Erhan Kuralay, zuvor hatte Kuhlen nämlich bereits eine Menge Stationen durchlaufen. Angefangen beim SV Lürrip durchlief er in der Jugend noch die Vereine Teutonia Kleinenbroich, FC Wegberg-Beeck und den 1. FC Mönchengladbach. Ein halbes Jahr spielte er sogar beim Wuppertaler SV in der U19-Bundesliga. In der Seniorenzeit folgte zunächst der VfL Jüchen-Garzweiler, dann DJK Giesenkirchen, noch einmal Teutonia und dann 2021/22 die erste Saison beim PSV. Ein halbjähriges Gastspiel bei den SF Neuwerk 2022/23 fiel unter die Kategorie Missverständnis, seither spielte Kuhlen bei „Polizei“, von dem einem Pflichtspiel in Brüggen mal abgesehen.

Und beim PSV trainiert Kuhlen mittlerweile nicht nur mit, sondern kam auch im Februar in zwei Testspielen zum Einsatz, zunächst für 20 Minuten gegen den Dülkener FC und dann beim 7:0-Sieg gegen Kleinenbroich noch mal für 25 Minuten – mitsamt eigenem Tor. „Im ersten Spiel musste ich mich noch etwas umgucken, doch im zweiten Spiel ging es besser. Ich merke, dass ich immer fitter werde“, so Kuhlen. Von seinem Körper habe er wohl nichts mehr zu befürchten, sein Loch am Herz sei schließlich geheilt. Er will sich mit der Mannschaft weiterentwickeln und oben in der Tabelle festigen: „Richtung Platz zwei wird noch was gehen. Und wenn die Mannschaft so zusammenbleibt, ist nächste Saison noch viel drin“, hofft Kuhlen.

Sein Trainer Kuralay, der Kuhlen seit zehn Jahren kennt, ist jedenfalls sehr glücklich über seine Rückkehr: „Ich habe immer seinen Weg verfolgt, damit er auch merkt, dass er einen gewissen Rückhalt hat. Ich freue mich unheimlich auf ihn, es hat eine Riesenbedeutung für uns, dass er zurückkommt.“ Wenn Kuhlen fit sei, könne er jedes Team im vorderen Drittel verstärken, sei eine Statement-Verpflichtung für den PSV. „Doch seine Gesundheit steht im Vordergrund. Er soll fit bleiben und sich heranarbeiten“, betont Kuralay.