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Wie Le Quotidien am 26.August unter Berufung auf einen Vereinssprecher aus Junglinster berichtete, würde der Verein 2027 wieder ein Frauenteam anmelden. Etwas, das man in der Pressemitteilung, die FuPa am 4. August im Rahmen eines Artikels übernahm, bereits andeutete. Nach der Abwanderungswelle, die letztlich zur Auflösung der 1. und 2. Frauenmannschaft führte, wollte man keine zweite Entente WMH werden. Ein freiwilliger Abstieg in einer tiefere Liga ist zudem in Luxemburg nicht möglich. Spielerinnen aus dem B-Team wurden für die Saison 2026/2027 laut den im Le Quotidien getätigten Aussagen an andere Vereine ausgeliehen, um 2027 zurückzukehren. Das erwähnte Vorstandsmitglied Tom Emeringer, dessen Tochter und Nichte auch in Jugendteams von Junglinster spielen, bestätigte am Freitagvormittag FuPa gegenüber, dass der FC Jeunesse für die Spielzeit 27-28 definitiv plane, wieder ein Frauenteam anzumelden. „Es gab und gibt keinen Grund, das nicht zu tun. Die Darstellung, dass man die Frauen fallenlassen würde, stimmt einfach nicht“ unterstrich er klar und deutlich.
In den vergangenen Wochen hat FuPa Informationen und Aussagen von mehreren ehemaligen Spielerinnen aus der 1. Mannschaft von Junglinster gesammelt, um ein Gesamtbild der Situation zu erhalten. Wichtig in diesem Zusammenhang zu erwähnen ist, dass immerhin drei Spielerinnen, die den FC Jeunesse über den Sommer verlassen haben, sich nicht äußern wollten, was auf eine gewisse Art natürlich trotzdem als Aussage interpretiert werden könnte. Eine der ersten, die an die Öffentlichkeit gegangen war, war Sara Olivieri - über ein Jahrzehnt in Diensten des FC Jeunesse hat sie mittlerweile ihre Karriere beendet - als sie Anfang August gegenüber wort.lu u.a. Folgendes zu Protokoll gab: „Bei einer Versammlung am 20. April mussten wir leider feststellen, dass der Vorstand andere sportliche Ambitionen verfolgt als wir Spielerinnen.“
Sie war es auch, die in den sozialen Netzwerken den FuPa-Bericht vom 4. August bzw. das darin wiedergegebene Presseschreiben des FC Jeunesse Junglinster kritisierte. Daraufhin nahm FuPa mit ihr und einigen anderen ehemaligen Spielerinnen aus Junglinster Kontakt auf. Olivieri bekräftige ihre Aussagen von wort.lu gegenüber FuPa und gab uns eine sehr detaillierte Auskunft über ihre Sicht der Dinge. Dass der Verein mehrfach die Generalversammlung vom 10. Februar in seiner Argumentation anführte, hätte Spielerinnen zufolge vom realen Auslöser der später auftretenden Probleme ablenken sollen.
„Ein großer Teil unserer Mannschaft (d. Red.: 1. Frauen) war da, wenn auch nicht alle. Was ich zurückbehalten hatte war, dass der Verein erklärte, dass es eine neue asbl-Gesetzgebung gibt. Darüber wurde lang und breit geredet. Das interessierte das Gros der Spielerinnen natürlich weniger, da dies nicht direkt etwas mit der Mannschaft und ihren Leistungen zu tun hatte und mit dem, weshalb wir eigentlich da waren. Als es um die Zahlen ging, wurde eine ganze Berechnung aufgelistet und es wurde gesagt, dass für die Frauen das gleiche Budget beibehalten werde“ so ein erster Auszug aus den Erklärungen von Olivieri. „Es ging in der Affäre im Grunde gar nicht um die Generalversammlung, bzw. um das, was dort besprochen wurde“ ließ Ex-Spielerin Noémie Tiberi in einer separaten Stellungnahme zu jener Versammlung wissen.
Dem auf der Website des Vereins verfügbaren Bericht der erwähnten Jahreshauptversammlung ist zu entnehmen, dass man drei Mädchenteams eingeschrieben hatte, was 57 Jugendspielerinnen bzw. 18 Prozent entsprach, Tendenz steigend erklärte man später ergänzend gegenüber unserem Portal. Der Jahresetat für die gesamte Jugend, Jungs und Mädchen, belief sich auf 70.000 Euro. Dies untermauert Aussagen des Vereins, dass der Bereich der Mädchen und Frauen weiter eine wichtige Rolle spielen würde. In den Folien ist ebenfalls zu sehen, dass der Club sich in einer stabilen Finanzsituation befinden würde, das Budget der Saison 25/26 jedoch sehr beschränkt sei, was einem wenig Handlungsspielraum geben würde. Weiter wurden den Angestellten des Vereins, der Jugendabteilung und dem allgemeinen Betrieb des Vereins finanzielle Prioritäten eingeräumt.
Genaue Finanzangaben zur Mädchen- und Frauenabteilung des Clubs waren der Präsentation nicht zu entnehmen. Ein Ziel von 2025 wurde im Bereich der 2. Frauen erklärt, nämlich dass dieses Team es erlauben sollte, junge Talente an den Erwachsenenfußball heranzuführen. Dieses Ziel wurde unter den Vereinsvisionen eine Seite später bekräftigt und man hob es als Erfolg hervor, dass Spielerinnen aus Junglinster es in verschiedene FLF-Auswahlen geschafft hatten. Die später vom Verein getätigten Aussagen, dass man z.B. den Damenfußball nicht vernachlässigen würde und weiter in diesen Bereich investierte, man aber Vorsicht walten lassen wolle, dürften also auch im Nachhinein noch durchaus zutreffend sein.
Noémie Tiberi fand es FuPa gegenüber begrüßenswert, dass der Verein junge Spielerinnen einbauen wollte. Sara Olivieri meinte dazu: „Es gab keine Einwände, vor allem nicht von Seiten der Spielerinnen, die eigentlich keine Ahnung von den Zahlen hatten und im Prinzip nur wegen dem Sport da sind, ihr Training abhalten und versuchen, die nötigen Ergebnisse zu erzielen und sich anzustrengen, um den Verein in ein bestmögliches Licht zu rücken. Wenn dann gesagt wird, dass das gleiche Budget beibehalten wird, dann ist es für uns klar, dass das in Ordnung ist und das Team beibehalten wird. Das Ziel des ganzen Stabs und der Mannschaft war es, sich um diesen sportlichen Aspekt zu kümmern.“
Zwischen dem Abschluss der regulären Saison und den Playoffs 2025-2026 hätte Trainer Turnau der Mannschaft die Finanzsituation und die Ambitionen des Vorstandes erklärt. Daraufhin habe das Team ein Treffen mit dem Vorstand beantragt. Am 20. April kam es dann zu dieser viel zitierten und diskutierten Unterredung, in der das Team laut Tiberi erklärt hatte, in Junglinster bleiben und etwas erreichen zu wollen, was so auch Sara Olivieri bestätigte: „Wir waren uns einig, dass der ganze Trainer- und Betreuerstab und das Team zusammenbleiben wollen, wohl wissend, dass drei Spielerinnen aus dem bestehenden Kader weggefallen würden. Aus diesem Grund war es für uns wichtig, uns mit dem Vorstand zusammenzusetzen. Wir unterstrichen mehrmals in der Versammlung, dass sich eine Torhüterin darunter befinden würde und wir auf eine Keeperin angewiesen sein würden.“ Die damals aktuelle Torhüterin könnte den Angaben zufolge aus schulischen bzw. beruflichen Gründen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr so zur Verfügung stehen, wie sie es sich selbst gewünscht haben soll und wie es von den Trainingspräsenzen her nötig gewesen wäre.
„Rechnet man eins und eins zusammen und es wird einem erzählt, dass man über das gleiche Budget verfügt und man weiß, dass drei Spielerinnen den Verein verlassen bzw. aufhören, dann weiß man auch, dass man drei Spielerinnen als Ersatz holen muss, damit der Kader mehr oder weniger gleich bleibt. Das war unsere Anfrage, mit der wir an den Vorstand herantraten.“ Man sei in besagtem Treffen aber kühl und abweisend behandelt worden. Zum Meeting am 20. April erklärte der Verein, dass dieses kurzfristig von den Spielerinnen gefordert worden war, so dass nicht der ganze Vorstand dabei sein konnte. Die anwesenden Vorstandsmitglieder sollen einer großen Zahl an Spielerinnen gegenüber gesessen haben, nicht nur dem Mannschaftsrat oder den Kapitäninnen, während das Trainerteam gänzlich abwesend gewesen sein soll. Man bestätigte, dass der Verein den gleichen Etat versprochen hatte. „Wenn wir um die Plätze 4 bis 8 spielen würden, wäre das für einen Verein mit unseren Mitteln auch in Ordnung gewesen“ soll der Club laut eigenen Angaben erklärt haben.
Olivieri: „Der Vorstand behauptete, dass es nicht möglich sei, den Kader zusammenzuhalten. Für uns klang das fragwürdig, da gesagt wurde, dass man beim gleichen Budget bleiben könne. Wenn zwei, drei Spielerinnen gehen und zwei, drei neue kommen, müsste das Budget ja im Prinzip aufgehen. Laut ihnen war das dann aber nicht mehr möglich. Zu jenem Zeitpunkt, am 20. April, konnten sie nicht sagen, ob sie die Mannschaft zusammenhalten könnten oder nicht. Viele Mädels fragten sich dann, wie sie sich das dann vorstellen müssten und waren unsicher. (…) Der Vorstand deutete darauf hin, dass es ihnen egal wäre, wenn die 1. Damen gegen den Abstieg bzw. nur um die unteren Plätze spielen würden. Wenn es dumm laufen würde und wir absteigen würden, dann wäre das eben so und sie wären nicht böse. Wir sagten nein dazu, das seien nicht unsere Ambitionen. Unsere Ambitionen waren, um die ersten Plätze mitzuspielen.“ Tiberi: „Die Antwort des Vereins war ganz klar: nein, wir können keine Transfers machen und es würde schwierig, wenn auch nicht unmöglich werden, sogar die Leihspielerinnen zu behalten. Die Begründung war, dass dies finanziell nicht möglich sei.“
Sind die von den Spielerinnen angesprochenen Ambitionen mit Geld gleichzusetzen? Nach allen in den vergangenen Jahren durchlebten Problemen mit Spielern aus früheren 1. Herren-Mannschaften, die den Club mit seinem zu dem Zeitpunkt neuen Vorstand auf Nachzahlungen verklagten, habe sich der FC Jeunesse Junglinster mittlerweile der finanziellen Nachhaltigkeit verschrieben. Der Verein: „Man muss dies auch aus der Perspektive des Cashflows sehen. Wenn man jeden Monat Gehälter von Mitarbeitern vorstrecken muss, braucht man Reserven. Nach großen Anstrengungen ist die finanzielle Lage des Vereins wieder gesund und stabil – große Sprünge bleiben jedoch nicht drin.“
Die Mannschaft berief sich bei ihren eigenen Zielen auf die vorangegangenen Saisons, in denen man es in die Titelplayoffs schaffte. Dass die Zielsetzungen zwischen Verein und Mannschaft nicht mehr übereinstimmten, so wie es u.a. bei wort.lu nachzulesen war, scheint demnach offensichtlich zu sein. Olivieri erklärte weiter, dass das Team sich an einem Punkt befand, an dem man nicht wusste, ob es weitergehen würde. Als man dem Vorstand dies laut Olivieri vorgerechnet hatte, habe man als Antwort erhalten, dass man das so nicht sehen könne.
Diese Berechnung soll darin bestanden haben, dass aufgezeigt wurde, dass Geld, das für andere Spielerinnen eingeplant war, eventuell für die neue Saison hätte reinvestiert werden können. Tiberi argumentierte dabei ähnlich wie Olivieri, nämlich dahingehend, dass bei zwei, drei Spielerinnen, die wegfielen, die für das Budget benutzte Aussagen anders formuliert hätten können. Nachdem Vorstandsmitglieder den Angaben zufolge meinten, dass die Spielerinnen dann gehen müssten, soll sich die Diskussion aufgeheizt haben. Tiberi bestätigte FuPa gegenüber, dass die Stimmung zu dem Zeitpunkt gekippt sei.
Eine Zukunftsperspektive sei während der Versammlung zu keinem Zeitpunkt aufgezeigt worden. „Es hatte den Anschein, als wäre es ihnen egal, ob wir im folgenden Jahr noch bestehen würden oder nicht“ so Olivieri weiter. „Der Vorstand hatte davon gesprochen, dass dieser Austausch viel eher hätte stattfinden müssen. Am 20. April haben wir sie mit der Tatsache konfrontiert, dass wir unter diesen Bedingungen Gefahr laufen, dass nachher niemand mehr da sei. Es gab Vorwürfe, es hätte kein Austausch stattgefunden. Das stimmt so nicht. Am 20. April waren wir da und haben ganz transparent mit ihnen gesprochen.“ Erst Mitte Mai hätte ein neu verpflichteter Sportdirektor mit den Spielerinnen reden sollen, gegen Ende der Saison. Da hatten sehr viele sich schon anderweitig umgesehen. Ein laut Vereinsangaben weiteres anberaumtes Treffen am 21.Mai sei geplatzt, dieses soll dann am 28.Mai nachgeholt worden sein. Bei jenem hätten die Spielerinnen dem Club nach wiederholter Nachfrage nach dem Budget mitgeteilt, den Verein zu verlassen. Schon am Tag danach hätten sich bereits andere Clubs in Junglinster wegen Transfers erkundigt.
„Das ist die Sicht, wie es war. Das sind Tatsachen. Würde ich aus dem Affekt heraus reden, würde das ganz anders klingen. Das hier sind einfach Tatsachen, so wie sie passiert sind“ schloss Sara Olivieri ihre sehr ausführliche Schilderungen. Insgesamt bestätigte sie damit ihre Aussagen, die sie zuvor gegenüber wort.lu getätigt hatte. Noémie Tiberi zog einen sachlichen Schluss: „Es ist ganz egal, welche Version in der Öffentlichkeit geglaubt wird. Das Ergebnis des Ganzen ist stets das gleiche: die Mannschaft wurde aufgelöst. Es gibt ganz klar drei Verlierer, wir als Mannschaft, der Verein und der Damenfußball.“
Eine Spielerin, die namentlich nicht genannt werden wollte, war aus beruflichen Gründen nicht bei besagtem Meeting am 20.4., erklärte aber FuPa gegenüber zur getroffenen Entscheidung, dass „wir alle sehr frustriert und traurig waren. Wir fühlten uns als Mannschaft alle super wohl und hatten in den ersten beiden Jahren viele Fortschritte gemacht und waren bereit, in der neuen Saison nachzulegen. Ich denke für Mädels, die schon länger für den Verein spielten, war es schlimmer.“ Als der Trainer die Lage erklärte, war für diese Spielerin klar, dass sie den Verein wieder verlassen würde: „Spätestens nach der Versammlung vom 20. April war ich mir dessen sicher.“
Der Verein wäre froh, wenn zu diesem Thema endlich Ruhe einkehren würde. Dazu schrieb man: „Für ehrenamtliche Helfer, die fünfzehn bis zwanzig Stunden pro Woche in den Verein investieren, ist dies alles sehr frustrierend. Man erhält kaum Dank und soll - Zitat - ‚sich schämen seinen Job nicht zu erfüllen‘, weil man nicht noch mehr Sponsoren akquiriert. Sogar Investoren wurden von verschiedenen Akteuren gefordert. Wenn man bedenkt, dass ein Investor Rendite erwartet und selbst Düdelingen sich seit geraumer Zeit schwertut, einen solchen zu finden, muss man sich fragen, in welcher wirtschaftlichen Realität manche Leute leben.“ Man verwies darauf, dass die bestbezahlte Spielerin der 1. Frauen besser entlohnt worden sei als der bestbezahlte Spieler der 1. Herren. Zur Saison 2024/2025 habe man das Damen-Budget aufgrund mancher Transfertätigkeiten sogar überschritten.
Am Ende stand der Rückzug eines sechsmaligen Meisters und Pokalsiegers, der sich spätestens in der Spielzeit 2027-2028 an seinen Aussagen messen lassen muss, da man bis dahin - wie am Anfang dieser Analyse beschrieben - mit einer neuen Mannschaft einen neuen Anlauf nehmen will.