
Sie wollten oben angreifen, nun muss sich Fußball-Bezirksligist SV Herten die Abstiegszone vom Leib halten. "Wir müssen uns nicht in die Tasche lügen", sagt Routinier Julian Jäger.
Was war das für ein Saisonauftakt: 3:0-Sieg beim Landesligaabsteiger FC Zell, 5:1 gegen Schlüchttal. Beim SV Herten war nach zwei Spieltagen der Fußball-Bezirksliga alles im Lot. Ein Start, wie man ihn sich gewünscht hatte - aber die Ernüchterung folgte. Zwölf Spiele später hat sich an der Steinenstraße der Wind gedreht: Rang neun und nur 19 Punkte. Während der Rückstand zum zweiten Platz bereits elf Zähler beträgt, liegen die Hertener lediglich vier Zähler über der Abstiegszone.
Das weiß auch Julian Jäger. "Wir müssen uns nicht in die Tasche lügen." Der Zug nach oben sei abgefahren, "wir müssen den Blick nach unten richten". Der 33-Jährige, der als Projektleiter für Anlagenbau in der Schweiz arbeitet, weiß, wie schnell alles geht. Nachdem er 2021/22 beim FSV Rheinfelden als Spieler tätig war und zusätzlich als sportlicher Leiter fungierte, rief zur Winterpause der in Abstiegsnöten steckende SV Herten, wo Eike Elsasser zurückgetreten war, bei ihm an. Herten, bei dem er die meiste Zeit seiner Laufbahn verbracht hat, sei für den zweifachen Familienvater "eine Herzensangelegenheit", sagt Jäger.
Mit Arben Gashi konnte er den Abstieg in die Kreisliga A verhindern. Daraufhin wollte man "einen Umbruch einleiten", um in der Bezirksliga wieder ein Wörtchen in der oberen Tabellenregion mitzureden, doch das sei "leider noch nicht geglückt", sagt Jäger. In dieser Saison "ist es einfach krass, wie wir mit dem Verletzungspech gebeutelt wurden", begründet er. Derzeit listet Jäger "15 Spieler, die nicht einsatzbereit sind", auf.
Jäger selbst geht auf dem Platz voran und macht seinem Nachnamen als (Tor-)Jäger alle Ehre. Derzeit ist er mit Sascha Strazzeri (je acht Tore) erfolgreichster Goalgetter des SVH. Das persönliche Befinden ist für ihn hier erstmal zweitrangig. Der Verein stehe im Vordergrund. "Ich gehe davon aus, dass ich in Herten meine Karriere beenden und hier zum letzten Mal meine Fußballschuhe schnüren werde", sagt er, was insofern passt, dass er nur wenige Meter vom Fußballplatz entfernt sein Haus bauen ließ.
Nach seiner Fußballerlaufbahn reizt Jäger die Trainerkarriere, "da will ich demnächst einsteigen und die entsprechenden Scheine machen". Noch fühle er sich aber "fit genug, um noch mindestens zwei Jahre auf dem Platz zu stehen". Und: "Wir müssen schauen, dass wir nicht wieder in einen Negativstrudel geraten", sagt Jäger, der für die BZ den ersten Rückrundenspieltag tippt: