Da ist das begehrte Ding: Julia Pollak aus Ebersberg durfte die Meisterschale in den Händen halten. Erstmals gewann sie mit dem FC Bayern München den Titel.
Da ist das begehrte Ding: Julia Pollak aus Ebersberg durfte die Meisterschale in den Händen halten. Erstmals gewann sie mit dem FC Bayern München den Titel. – Foto: Karsten Lauer

Julia Pollak: Erstes Profijahr beim FC Bayern, erster Meistertitel

19-Jährige Ebersbergerin im Glück

Ihre erste Profisaison beim FC Bayern schließt die Ebersbergerin Julia Pollak mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft ab. „Für mich war das definitiv der richtige Schritt.“

Ebersberg/München – So einen Griff an die Meisterschale der Frauen-Bundesliga muss man sich hart erkämpfen. Auch bei der Weltmarke FC Bayern München, dessen Fußballerinnen nach 1976, 2015 und 2016 nun zum vierten Mal Deutscher Meister sind. Und als Nachwuchskraft in der ersten Profisaison genießt man bei der Übergabezeremonie traditionell noch kein Vorgriffsrecht. Erst nach ein paar wilden Ehrenrunden durchs Campus-Stadion packte Julia Pollak entschlossen zu. Stolz und überglücklich präsentierte sie ihrer Familie auf der Tribüne die 7,1 Kilogramm schwere Meistertrophäe. Handwarm und sektverschmiert, büßte die radkappengleiche Scheibe aus 925er Sterlingsilber nichts von ihrem Glanz ein.

Für die 19-jährige Abwehrspielerin aus Ebersberg war der 4:0 (2:0)-Heimsieg über Pokalfinalist Frankfurt der perfekte Saisonabschluss: „Ich habe in meinem ersten Profijahr sehr viel gelernt und viele Erfahrungen von anderen Spielerinnen aus dieser Spitzenmannschaft mitgenommen. Es freut mich, dass ich der Mannschaft dabei helfen konnte, unser Ziel von einem Titel in diesem Jahr zu verwirklichen.“

FC Bayern: Durchbrechen der Wolfsburger Dominanz

Tatsächlich hätte man kaum ein besseres Drehbuch für das Saisonfinale vor insgesamt 150 Zuschauern aus dem Familien- und Freundeskreis der Spielerinnen schreiben können. Im Fernduell mit Pokalsieger VfL Wolfsburg, der zuletzt viermal in Serie das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal gewonnen hatte, wollte das Team von FCB-Coach Jens Scheuer seinen Zwei-Punkte-Vorsprung auf der Zielgeraden nicht mehr verspielen. Souverän erledigten die Dauerrivalinnen daheim gegen Bremen mit 8:0 ihre Hausaufgaben, während sich die Münchnerinnen in den Anfangsminuten noch etwas schwer taten. Mit ihrem Doppelpack (17./25.) manövrierte Nationalspielerin Linda Dallmann den bayerischen Partybus dann endlich auf die Siegerspur.

Julia Pollak konnte derweil nur im Trainingsanzug auf der Tribüne mitjubeln. Mit ihrer Sprunggelenksverletzung befindet sich die Ebersbergerin gerade in der Reha-Abschlussphase. „Das Sprunggelenk fühlt sich ziemlich gut an und ich arbeite auch schon wieder am Ball. Aber ich werde noch etwa eineinhalb Wochen die Reha am Campus fertigmachen.“ Anschließend könne sie sich im Urlaub vollständig auskurieren und einsatzbreit in die Vorbereitung ihrer zweiten Profisaison starten.

„Ich werde erst ein bisschen später realisieren, was da abgeht“

Julia Pollak über den Gewinn der Deutschen Meisterschaft

Den Startschuss für eine ausgelassene Meistersause lieferte Lea Schüllers Treffer zum 4:0 mit dem Abpfiff. Ausgerechnet auf Vorlage von Simone Laudehr, die mit 34 Jahren ihre Karriere beendet und als Vereins- und Nationalspielerin bis zu ihrem Abschiedsspiel so gut wie alle erdenklichen Titel abgeräumt hatte – bis auf die Deutsche Meisterschaft. „Schön, dass das für sie geklappt hat! Das war dann mit ihrem Assist wirklich das perfekte Ende, wo einen die Emotionen so richtig überkommen haben und wir alle direkt aufs Spielfeld gestürmt sind“, schildert Pollak, dass sie erst „ein bisschen später realisiert hat, was da eigentlich gerade abgeht.“

Die teaminterne Feier sei am Campus noch „etwas länger“ gegangen. Auf ihre positive persönliche Saisonbilanz hatte das keinen Einfluss mehr: „Am Ende ist natürlich alles gut gelaufen. Dass ich in meinem ersten Profijahr so viele Spielminuten bekomme, hätte ich vorher so nicht erwartet. Für mich war das definitiv der richtige Schritt, der mit einem Titel gekrönt wurde!“

Julia Pollak: Debüts in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League

In Zahlen trug die aktuelle U20-Nationalspielerin bis Mitte Februar in sechs Einsätzen mit 162 Spielminuten sowie einer Torvorlage zum sensationellen Mannschaftserfolg von 61 Punkten aus 22 Partien und 82:9 Toren bei. „Aber auch auf mein Champions-League-Debüt in Amsterdam mit einem Assist oder mein Tor im DFB-Pokal bin ich sehr stolz.“

Nach der Rückkehr einiger Rekonvaleszentinnen holte sich Pollak vermehrt Spielpraxis in der zweiten FCB-Mannschaft. Definitiv ein qualitativer Unterschied, aber keinesfalls ein Rückschritt, betont die 19-Jährige. Im Profilager habe sie dafür – auch dank vieler zusätzlicher Krafteinheiten – enorme Fortschritte in ihrer Spielschnelligkeit, Physis und Athletik gemacht. Damit habe sie die erste Etappe ihrer Karriere erfolgreich abgeschlossen.

Für die Zukunft setzt sich Julia Pollak ehrgeizige Ziele: „Ich bin jung und brauche viel Spielpraxis. In dieser Saison habe ich Hunger auf Titel bekommen. Hoffentlich kommen da noch ein paar mehr dazu!“

(Julian Betzl)

Aufrufe: 010.6.2021, 05:19 Uhr
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